II.

_Coppenhagen_ d. 4 Mai 1834.

_Liebster Tieck!_

Der junge Müller, ein talentvoller Maler, der gewiß etwas Gutes

in seiner Kunst leisten wird, bittet mich ihm einen Brief an Dich

mitzugeben. Eigentlich sollte ich Dir nicht mehr schreiben, denn zwei

(?) lange Briefe habe ich Dir geschrieben, und Du hast mir keine Zeile

geantwortet. Doch -- ich weiß daß Du mir treu bist und bleibst, und das

ist ja die Hauptsache. Vielleicht waren meine Briefe auch damals zu

traurig, was meine Familie betraf, und du wußtest mir keinen rechten

Trost zu geben. Jetzt geht alles Gott Lob recht gut. Der junge Müller,

ein Sohn meines Hauswirthes, des Bischoffs wird dir alles erzählen

können.

Ich bin seit wir uns sahen ziemlich fleißig gewesen. Jetzt werde

ich wieder etwas Deutsches schreiben. Ich werde meine Tragödien

„Tordenskiold,“ „die Königinn Margareta“ und „die italienischen Räuber“

übertragen. Lese sie, wenn sie herausgekommen sind und sage mir Deine

aufrichtige Meinung! Ich habe mit großem Vergnügen Deine Sommerreise

gelesen. Adieu, bester Freund! Grüße Deine liebenswürdige Familie und

die edle Gräfin Finkenstein vielmals von Deinem treuen Freunde

_A. Oehlenschläger_.

Briefe an Ludwig Tieck (3/4) Dritter Band · 第 99 / 309 题