_Dessau_, den 11ten Juli 1827.
_Verehrtester Freund!_
Ich könnte ein wenig empfindlich gegen Sie sein und sollte vielleicht
so thun, aber ich will doch lieber wahr sein und Ihnen sagen, daß Ihr
Schweigen auf meine Briefe und Dedikationen mir eine Zeit lang nur das
unangenehme Gefühl des Wartens, nachher aber die Ueberzeugung gebracht
hat, daß Sie aus keinem andern Grunde nicht an mich geschrieben haben,
als weil Sie nun einmal ungern schreiben, zumal, wenn Sie es erst lange
aufgeschoben haben. _Göthe’n_ nähm’ ich ein solches Schweigen
übel, einem _Könige_ noch mehr.
Diesen Brief überbringt Ihnen der Fürst zu Lynar, welcher sich nach
Ihrer Bekanntschaft sehnt und als Mann von Geist und Eifer für das
Schöne, dabei selbst mit Talent für die Poesie ausgestattet, seinen
Aufenthalt in Töplitz und Dresden benutzen wird, vorzüglich um Ihnen
näher zu kommen und sich Ihrer Mittheilung auch zu eigener Belehrung
und Ermunterung zu erfreuen. Ich bin überzeugt, daß auch Ihnen die
Bekanntschaft dieses liebenswürdigen Fürsten und seiner Gemahlin, deren
lyrische Versuche ausgezeichnet sind, genußreiche Stunden verschaffen
wird und freue mich daher, die Erinnerung an mich mit diesem
Verhältnisse verknüpfen zu dürfen.
Ich leide seit einiger Zeit an dem Uebel, welches mit dem weiten und
schwankenden Namen der Hypochondrie bezeichnet wird. Jedoch geht es
jetzt wieder so gut, daß ich den 31ten nach dem Rhein abzureisen
gedenke, wo ich wohl ein paar Monat zubringen werde.
Wenn Ihr Versprechen, mir den Artikel Hardenberg zu liefern, Sie drückt
und vielleicht gar Schuld ist an Ihrem Schweigen gegen mich, so theile
ich Ihnen die Nachricht mit, daß ich, ohne Ihre Absage abzuwarten, den
Artikel bereits anderwärts untergebracht habe.
Meine Frau, die mich nach dem Rheine begleitet, empfiehlt sich Ihnen
und den Ihrigen bestens und so thue ich als