Dornw. Der König wollte mich lang nicht hören ----

Isid. Endlich wich er unsern dringenden Bitten.

Alb. Welch ein glücklicher Mann bin ich! Wie viel Freunde!

Komisches Singspiel.

Final. Chor von Allen.

Seht die Freuden uns umschweben;

Lasset uns in Freundschaft leben,

Sie erquicket meine Brust.

Ihren zärtlichen Befehlen

Folgen die erhabnen Seelen,

Freundschaft ist der Menschen Lust!

(Alle lispeln leise für sich.)

So verstellt man seine Triebe,

Und man zeiget warme Liebe,

Wenn man tödtlich haßt.

Isidor.

Ich bin meiner Züge Meister!

Rasian.

Von mir lernen kleine Geister!

Edmund.

Solche Freunde sind zur Last!

Albin.

Ich umarme, küsse, preise,

Doch die Worte bleiben Dunst.

Alle sehr still.

Wie die Schlangen gehn wir leise,

Und die zärtlichsten Beweise

Lehrt uns die Verstellungskunst.

Chor von allen.

Eilt euch liebreich zu umfassen!

Busen, die die Falschheit hassen,

Fässelt heut ein Liebesband.

Schwöret itzt mit sanfter Freude,

Schwört die angenehmsten Eyde;

Schenkt die Herzen mit der Hand!

(Sie schlagen die Hände mit Geräusche einander.)

Ende der zweyten Kaprizze.

Der Mann Eduard.

Dritte Kaprizze.

Scene.

Eine Studierstube. Eduard, und der Weise.

Edu. Mein Besuch ist mir reichlich vergolten! Ich bewundere deine tiefen

Einsichten. Die Philosophen sprechen von vielen Welten. Was denkst du

davon?

Der Weise. Für den Weisen sind viele Welten; aber für die Eroberer ist

nur eine. Der Weltweise kann seine gelehrten Eroberungen unendlich

ausdehnen. Sein Adlerblick übersieht wirkliche und mögliche Schöpfungen.

Edu. Eine Welt ist dem Ehrgeiz zu klein.

Der Weise. Die Sonne ist neunmahlhunderttausendmal grösser, unser

Ehrgeiz ist also minder beschränkt.

Edu. Ehe ich dich verlasse, sollst du eine Gnade von mir fodern.

Der Weise. Ich befinde mich jetzt in der Lage eines Diogenes; Der

cynische Weltweise hat dem grossen Alexander, wie mir däucht, als ein

stolzer Narr geantwortet. Ich sage Eurer Majestät für ihre Gnade Dank.

Ich habe meine wenigen Bedürfnisse so nach der Natur beschränkt, daß ich

in der That nicht geschwind wüste, was ich wünschen sollte. Alles was

mir Könige geben können, ist mir entbehrlich; und alles, was ich

wünsche, haben die Könige nicht. Doch in Eurer Majestät Staaten leben

viele meiner bedürftigen Brüder; giessen Sie ihre Wohlthaten auf die

Armuth aus, und vergrössern Sie meine Glückseligkeit, indem ich höre,

daß die Armen erquickt sind.

Edu. Deine Bitte ist schön! ---- Du bist menschlicher als Diogenes.

Der Weise. Und du gütiger als Alexander!

Roman.

Es war Friede, und Eduard überließ sich den Freuden der Liebe. Sein Hof

war der Sammelplatz des schönen Geschlechtes, und die artigsten

Liebesgeschichten waren täglich der Gegenstand der lächelnden Kreise.

Der König wurde von den Gunstbezeugungen der wohlthätigen Grazien zu

sehr überhäufet, und wünschte einmal das seltne Vergnügen zu fühlen,

nicht als König, sondern bloß als Liebhaber zärtlich geliebt zu seyn.

Ein Zufall gab ihm, was er lange vergebens wünschte, eine Geliebte, die

ihn selbst, und nicht seinen Stand liebte.

Eduard hatte einer seiner Freundinnen ein niedliches Landhaus gekauft,

das er oft verkleidet besuchte. Es stand in einer Gegend, wo auf

malerischen Hügeln einige Lusthäuser zerstreut lagen. Eines Tags

spazierte er ganz allein, und beschaute alle benachbarten Gärten. Er sah

einen, dessen angenehme Aussicht ihn entzückte. Er fand eine kleine

Thüre offen. Er schlich durch das Gegitter, trat in die Ebne, und

weidete sein Auge an den zierlichen Blumenbeeten. Er durcheilte den

ganzen Garten, ohne jemand zu finden. Plötzlich trat er in eine duftende

Laube; freundschaftliche Aeste neigten ihre fruchtbaren Wipfel einander

entgegen, und umschatteten ein artiges Rebengeländer. Hier fand er ein

schlummerndes Mädchen, das alle Schönheiten übertraf, die er jemals

gesehn hatte. Sie fuhr beym Geräusche vom Schlummer auf. Er wich

bescheiden zurück, machte ihr die höflichste Entschuldigung, erzählte

ihr seine gereizte Neugier, und mischte so artige Schmäucheleyen in sein

Gespräch, die sie immer sehr geistreich beantwortete, daß sie einander

bezauberten. Die Liebe wirkt rasch. Sie bedarf nur weniger Augenblicke

zum Siege, Elisie, so hies die Schöne, führte ihren Liebhaber durch die

kleinen Stuffen der Zärtlichkeit, und Eduard liebte, ohne den König

blicken zu lassen. Er gab sich für einen Höfling aus, und erfuhr, daß

seine Schöne die Tochter Alsanders eines bemittelten Edelmannes war. Izt

begann eine geheimnißvolle Liebesgeschichte. Man wechselte Herzen, man

bestellte sich zärtlich, und dieses mystische Gepräng hatte für einen

siegreichen König besondere Reize.

Eines Tages findet Eduard seine Elisie in Thränen. Er dringt in sie; er

späht die Ursache; mit Schluchzen erklärt sie ihm, daß ihr Vater sie an

einen Nachbar seinen alten Freund vermählen wollte. Das soll er nicht!

Ich befehle, rief Eduard, der den Liebhaber vergaß, und den König zur

Unzeit spielte. Er faßte sich plötzlich, er ersann ein Rettungsmittel;

keines gefiel. Er schlug ihr die Flucht vor; aber Elisie war tugendhaft.

Eine seltsame Lage für einen verliebten König!

Der Vater hatte von der heimlichen Liebe seiner Tochter einige Spur,

doch ohne zu wissen, daß dieser Anbeter sein König seyn sollte. Er

wollte dem Liebesverständnisse, das seinen Absichten zuwider war,

Schranken setzen, und hielt seine Tochter sehr eingeschränkt, ließ sie

selten allein, und der durchlauchtige Verehrer mußte sich mit kleinen

zärtlichen Briefchen begnügen. Eduard war in Verzweiflung, er wollte

seine Geliebte besitzen, und entschloß sich seinen gefährlichen

Nebenbuhler zu entfernen. Er berief ihn unter einem Vorwande nach Hof,

und verheurathete ihn an ein reiches Fräulein. Der Vater Elisiens als

ein Mann von Entschlüssung tröstete sich damit, daß er einen andern

Eidam wählte, und Eduard hatte einen neuen Nebenbuhler. Noch niemals

fand sich ein verliebter König in solcher Verlegenheit. Er entwarf

tausend Plane. Bald spielte er den Monarchen, und riß gewaltthätig die

Entwürfe seiner Gegner über den Haufen; gleich nahm er wieder Zuflucht

zur Sanftmuth um seinen königlichen Stand nicht zu verrathen.

Endlich näherte der traurige Zeitpunkt, in welchem er alle seine

Hofnungen verschwinden sah. Ein Prozeß zwang den Alsander in der Stadt

zu erscheinen. Er nahm aus Vorsicht seine Tochter mit sich. Er besuchte

gelegentlich alle Palläste, zeigte ihr alle Seltenheiten, und ließ sie

auch den König bey der Tafel sehen, um ihr die Pracht eines königlichen

Mahles begreiflich zu machen. Sie traten in den Speisesaal, viele Fremde

waren zugegen. Alle bewunderten den fürstlichen Aufwand, den Geschmack

und die Kunst der goldnen Geschirre; aber der König zog alle Augen auf

sich.

Alsander zeigt seiner Tochter den König, sie erblickt in ihm ihren

Geliebten, und sinkt ihrem Vater ohnmächtig in die Arme. Der Zufall war

neu. Alle Hofdiener, und Schranzen eilten herzu. Ein Fräulein, das mehr

ein Engel, als ein Mensch war, in Ohnmacht zu sehen, war für galante

Höflinge ein zu wichtiger Gegenstand. Alles war beschäftiget. Hundert

Hände mit Balsamgerüchen waren gerüstet. Jeder machte sich ein Verdienst

daraus, der erste zu seyn. Eduard selbst sprang von der Tafel auf, und

drängte sich durch; aber welche Erstaunung befiel ihn, seine geliebte

Elisie an seinem Hofe in Gefahr zu sehen. Er ließ sie eilends in seinen

Gemächern zur Ruhe bringen. Der königliche Leibarzt ward gerufen, und

alle Höflinge machten tausend Muthmassungen, und bestimmten das gute

Fräulein entweder für sich selbst, oder für den König zur Geliebten.

Den ganzen Tag ward nur von der unbekannten Schönen und ihrer

wunderbaren Ohnmacht gesprochen. Diese Begebenheit war eine wichtige

Beschäftigung für müßige Hofleute. Elisie befand sich in einer

kritischen Lage. Eduard verließ nicht das Vorgemach seiner Gebieterinn,

spähte immer auf alle Zufälle, und empfahl dem Arzte seine Geliebte wie

sein eignes Leben. Er rufte Alsandern zu sich, und entdeckte ihm seine

ganze Liebesgeschichte. Der Vater staunte, und sah wohl ein, daß er in

einem schweren Handel verflochten wäre; er sagte dem König mit der

Entschlossenheit eines rechtschaffenen Mannes: Eure Majestät, nach den

gewöhnlichen Sitten der Welt sollte ich sagen, daß ich mir die gröste

Ehre daraus mache, meine Tochter von einem Könige geliebt zu sehen; aber

ich bin von den ausserordentlichen Menschen, die nach eignen Begriffen

handeln, und ich gestehe Eurer Majestät, daß ich zu ihrer eignen Ruhe

und zum Wohl meiner Tochter wünschte, daß sie von einem Manne ihres

Standes, nicht aber von einem durchlauchtigen Anbeter geliebt würde. Ich

bin Unterthan, Eure Majestät sind mein Gebieter. Ihre Gewalt ist grösser

als die Meinige; alles, was ich als Vater thun kann, ist, meiner Tochter

wie ein wahrer Freund zu rathen, und ihrem Herzen die Entscheidung zu

überlassen. Die Folge wird zeigen, ob sie mehr ihren Liebhaber, oder

ihre Ehre und die Tugend liebt. Da ich sie mit schwachen Händen als

Vater wider einen mächtigen Monarchen schützen würde; so soll der Himmel

und ihre Rechtschaffenheit sie wider die Versuchungen der Liebe, der

Gunst, der Grösse, und der Gewalt schützen!

Sie sprachen noch, als Elisie sich dem König, und ihrem Vater zu Füssen

warf, und beide um eine Gnade flehte. Jeder bewilligte die Bitte; aber

wie erstaunten sie, als sie hörten, daß sie um die Freyheit bat, in eine

geistliche Freystäte sich zu begeben. Ich liebe Eure Majestät; rief sie,

ich erröthe nicht über dis Geständniß, ich habe bey meiner Wahl ihre

persönlichen Eigenschaften nicht ihren erhabnen Stand gekannt. Als König

hört Eduard auf mein Liebhaber zu seyn; aber kein Mann ist würdig sein

Nebenbuhler zu werden. Ich verlasse Sie auf ewig, weil ich meine Tugend

mehr liebe, und fliehe alle Menschen, weil ich sie allein liebe. So

sprach sie entschlossen, troknete ihre Thränen ab, faßte liebreich die

Hand ihres Vaters, und eilte zur Pforte. Umsonst beschwur sie Eduard,

ihren Entschluß zu ändern; nichts machte sie wanken, und sie flog in die

Einsamkeit. Eduard wollte seine gegebene Verheissung aus Großmuth nicht

brechen, und überließ sich lang einer schwermüthigen Laune, bis nach und

nach neue wichtige Zufälle die zärtlichen Regungen aus seinem Herzen

verbannten. Doch blieb die reizende und tugendhafte Elisie ewig der

Gegenstand seiner Bewunderung, und wenn er das schöne Geschlecht preisen

wollte, pflegte er zu sagen, schön und tugendhaft wie meine Elisie!

Die Meinungen der Höflinge waren getheilt. Einige bewunderten die

ausserordentliche Entschliessung der schönen Elisie; andere tadelten die

romantischen und strengen Begriffe; die meisten wünschten, daß ihre

Töchter, Schwestern und Muhmen in einer so vortheilhaften Lage sich

befänden, die sie und ihre Familie besser benutzt hätten. Aber die

Ohnmachten waren sehr selten bey Hofe. Alsander pries seine würdige

Tochter, und Elisie fand in der stillen Einsamkeit und in der sanften

Beruhigung eines reinen Gewissens die Belohnung, welche der schönste

Preis der Tugend ist.

Scene.

Ein königliches Gemach. Eduard, Lusian.

Der Eroberer Eine poetische Phantasie in fünf Kaprizzen. Aus alten Urkunden mit neuen Anmerkungen · 第 25 / 57 题