=Homöopathisch.= ~Pulsatilla~ ist das Hauptmittel. Gewährt dies keine

Linderung, so gebe man ~Nux Vomica~.

Andere Mittel sind: ~Belladonna~, ~Cantharides~, ~Cocculus~, ~Acidum

Phosphoricum~.

+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel nehme man alle

2 Stunden 6 Kügelchen.

Uebermäßiger Geburtsfluß oder Lochien (~Flooding, Hemorrhage~).

Wegen dessen Behandlung siehe Kapitel 5.

Fehlgeburt oder Abortus (~Miscarriage or Abortion~).

Unter Fehlgeburt oder Abortus verstehen wir die Ausstoßung der Frucht

zu irgend einer Zeit vor dem sechsten Monat. Tritt dies während dem

siebenten oder achten Monat ein, so wird es mit einer Frühgeburt

bezeichnet und das Kind kann erhalten werden, während es, wenn die

Geburt vor dem siebenten Monat erfolgt, nicht lebensfähig ist.

Abortus tritt wahrscheinlicher vor dem dritten Monat und zur Zeit der

monatlichen Reinigung ein und eine Frau, die bereits eine Fehlgeburt

erfahren hat, ist der Wiederholung derselben mehr ausgesetzt als eine

andere, bei der dies noch nicht der Fall war. Fehlgeburten erfolgen

meistens zu derselben Zeit als früher stattgefundene, und eine

Schwangere sollte daher um diese Zeit besonders achtsam sein. Sie muß

zu weite Spaziergänge, Heben von schweren Gegenständen, Treppenauf- und

Absteigen, spätes Aufbleiben und starke geistige Erregungen vermeiden.

Ich spreche hier nur von dem zufälligen Abortus und setze voraus,

daß diejenigen, die diese Zeilen lesen, sich nicht des schändlichen

Verbrechens einer Abtreibung der Frucht schuldig gemacht haben, --

eines Verbrechens, für das keine Entschuldigung gefunden werden kann

und das nicht nur einem menschlichen Wesen das Leben nimmt, sondern

auch den Gesundheitszustand der Mutter untergräbt, denn irgend eine

Medizin, welche stark genug ist, einen Abortus herbeizuführen, muß den

Organismus so vergiften, daß die Folgen davon nie wieder geheilt werden

können.

+Ursachen.+ Zu den gewöhnlichen Ursachen des Abortus gehören Schläge,

wenn auch nur leicht, auf den Unterleib, heftige Erschütterungen,

Fallen, Pressen, Heben von schweren Gegenständen, Auf- und Absteigen

von Treppen, Reiten, Fahren über eine holperige Straße, starkes Husten,

Aerger, Freude, Furcht, Tanzen, außergewöhnliche und plötzliche

Anstrengungen, die Wirkung von Arzneimitteln, welche einige Frauen

beständig nehmen, wie Brechmittel, Abführmittel und zwar solche, wie

Aloe, Sennesblätter u.s.w., Kräuter-Thees, Patent-Medizinen, der

Gebrauch von Blasen- und Senfpflaster u.s.w.

+Symptome.+ Die ersten Symptome bestehen in der Regel in einem Gefühl

von Müdigkeit und Unbehaglichkeit, mit Kreuzweh und nach unten

ziehenden Schmerzen, die sich allmählig zu Geburtswehen steigern,

Schneiden und Ziehen in den Lenden und in dem Unterleib, ein Ausfluß

von rothem oder hellem Blute, mehr oder weniger stark.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Wo es möglich ist, sollte ein solcher Fall unter die

Pflege eines geschickten Arztes gestellt werden, besonders wenn ein

starker Fluß vorhanden ist. Vor allem ist es aber von Wichtigkeit,

darauf zu sehen, daß die Kranke in die gehörige Lage gebracht wird.

Sobald sich die Symptome zeigen, sollte sie sich niederlegen und

vollkommen ruhig verhalten. Sie sollte sogleich zu Bett gehen, eine

harte Matratze mit leichten Decken in einem luftigen Zimmer sind

vorzuziehen. Oeffne Thüren und Fenster, selbst im strengsten Winter

und selbst wenn der Schnee ins Zimmer hereinweht. Entferne alle

Ursachen zur Aufregung, besonders die Masse von alten Weibern, die

sich gewöhnlich bei solchen Gelegenheiten einstellen; halte sie

fern vom Hause. Als Getränk reiche man kühle Limonade, Zwieback-

oder Eiswasser, und während des Darreichens gestatte man nicht,

daß sich die Kranke aufrichtet; es ist von Wichtigkeit, daß eine

horizontale Lage nicht verändert wird; man entferne alle Kissen unter

dem Kopfe, und es mag nothwendig werden, durch das Unterlegen von

Holzstücken unter die Beine das Fußende des Bettes zu erhöhen. Man

mache Umschläge von Wasser und Essig auf den Unterleib, die Hüften

und zwischen die Beine. Keine Reizmittel sollten gegeben werden, wenn

nicht die Kranke durch Blutverlust sehr geschwächt ist, in welchem

Falle ein wenig Wein oder Branntwein gegeben werden mag. Ist der

Ausfluß zu stark und kann nicht durch Medizinen eingehalten werden,

so ist die Gebärmutter zu verstopfen, was vermittelst Einschiebens

eines seidenen Taschentuches, mit süßem Oel getränkt, in die Scheide,

oder durch Einlegen von großen Stücken Tuch geschehen kann.

=Homöopathisch.= ~Arnica.~ -- Wenn durch einen Fall, Schlag,

Fehltritt, zu starkes Heben oder durch irgend eine andere große

körperliche Anstrengung verursacht.

~Cinnamonium.~ -- Wenn Arnica nicht den gewünschten Erfolg hat.

~Secale.~ -- Besonders wenn schon Fehlgeburten stattgefunden haben,

oder bei schwacher Constitution und großer Erschöpfung, auch bei

dunklem Ausfluß, schwarzgelbem Blut und leichten Schmerzen.

~China.~ -- Abwechselnd mit ~Secale~, wenn der Blutfluß beträchtlich

ist und Schwache und Erschöpfung zunehmen, ein nach unten

ziehendes Gefühl, Summen in den Ohren, Verdunkelung des Blickes,

Ohnmachtsanwandlung bei Erheben von dem Kissen.

~Hyosciamus.~ -- Bei Krämpfen oder Verzuckungen des ganzen Körpers.

~Ipecacuanha.~ -- Abwechselnd mit ~Secale~ bei Magenschwäche,

Krämpfen, Ausfluß eines hellrothen Blutes, Ohnmachten.

~Belladonna.~ -- Abwechselnd mit ~Platina~ bei starken Schmerzen in

den Lenden und im Unterleib, starkem Drängen nach unten, gleichsam

als ob die Eingeweide herausgepreßt würden, Schmerz im Kreuz, als

ob dasselbe gebrochen wäre, Ausfluß von dickem, dunklem, geronnenem

Blute.

+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse man 12

Kügelchen in einem halben Theetassenkopf voll Wasser und gebe bei

strengen Fällen alle 15 oder 20 Minuten und bei milderen jede Stunde

oder alle zwei Stunden einen Theelöffel voll. Tritt innerhalb zwei

oder drei Stunden keine Linderung ein, greife man zu einem anderen

Mittel.

=Eclectische und Kräuterkur.= Sind Symptome eines annähernden Abortus

vorhanden, so gebe man jede Stunde oder alle zwei Stunden 2 oder 3

Grane von dem zusammengesetzten Brechwurz- und Opiumpulver (~Compound

powder of Ipecac and Opium~). Nehmen die Symptome dennoch zu, so

lege man ein Senfpflaster auf den unteren Theil des Rückens. Bei

beträchtlichem Ausfluß gebe man 10 oder 15 Tropfen Vitriol-Elixir

in einem Weinglas voll Wasser alle 2 oder 3 Stunden und mache

gleichzeitig Umschläge von Tüchern, mit Eiswasser getränkt, auf den

unteren Theil des Unterleibes. Flöhkrautöl (~Oil of fleabane~) oder

~Oil of fireweed~ mag, wenn erforderlich, alle 10 bis 20 Minuten in

Dosen von 5 bis 6 Tropfen auf Zucker gegeben werden. Ist der Fluß

sehr stark, so gebe man 1½ Grane Bleizucker (~Sugar of lead~)

in etwas Essig und Wasser. Wenn viel Schmerz vorhanden ist, gebe

man 5 oder 6 Tropfen Laudanum. Die Scheide oder die Geburtsstätte

mag mit Tüchern, in einer starken Alaun- (~Alum~) Auflösung oder

einer Abkochung von Weißeichenrinde (~Decoction of white oak bark~)

getränkt, verstopft werden.

=Allöopathisch.= Ist die Kranke vollblütig und es stellt sich ein

Gefühl von Vollsein ein, so sollten 10 bis 12 Blutegel an den unteren

Theil des Unterleibes und Rückens angesetzt und folgende Mischung

gegeben werden:

Citronen-Säure (~Citric acid~) 1 Drachme.

Doppeltkohlensaure Potasche (~Bi-carbonate

of potash~) 4 Skrupel.

Salpeter (~Nitre~) 2 „

Zimmetwasser 2 Unzen.

Wasser 4 „

Mische es. Dosis: Alle 4 Stunden ein Viertel davon. Oder:

Doppeltkohlensaure Potasche (~Bi-carbonate

of potash~) 2 Drachmen.

Gewöhnlicher Syrup 2 „

Destillirtes Wasser (~Distilled water~) 6 Unzen.

Mische es. Dosis: Zwei Eßlöffel voll; jeder Dosis füge einen Eßlöffel

voll frischen Citronensaft oder 15 Grane Citronen-Säure (~Citric

acid~), zuvor in einem Eßlöffel voll Wasser aufgelöst, bei. Während

des Aufschäumens zu trinken. Wenn die Eingeweide verstopft sind, ist

das folgende zu empfehlen:

Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) 1½ Unzen.

Zusammengesetzter Rosenaufguß (~Compound infusion

of roses~) 5 „

Zimmetwasser (~Cinnamon water~) 1 Unze.

Mische es. Dosis: Zwei Eßlöffel voll.

Es ist besser, Blutentziehung und das Darreichen obiger Mischungen zu

vermeiden und, wenn diese nicht angewendet werden, gebe man 35 bis 40

Tropfen Laudanum und wiederhole dies in Zwischenräumen in kleineren

Dosen.

Wenn der Ausfluß sehr stark ist, müssen die folgenden Pillen gegeben

werden:

Essigsaures Blei (~Acetate of lead~) 2 Grane.

Mohnkopf-Extrakt (~Extract of poppies~) 2 „

Mache es zu einer Pille, welche alle 3 oder 4 Stunden zu nehmen

ist; oder mische 5 Grane pulverisirten Alaun (~Alum~) mit 3 Granen

geriebener Muskatnuß (~Nutmeg~), in Honig oder Syrup gemischt, und

gebe es alle halbe oder ganze Stunde, der Strenge der Symptome

angemessen. Dies wird von Dr. C. D. Meigs in Philadelphia empfohlen.

+Bemerkung.+ Kann der Abortus nicht verhindert werden, so muß man wie

bei einer natürlichen Geburt vorgehen.

Falsche Wehen (~False Pains~).

Häufig einige Wochen oder Monate vor der Entbindung wird die Schwangere

von sogenannten falschen Wehen belästigt. Diese ähneln den ächten Wehen

sehr und verursachen häufig nutzlose Beunruhigung. Sie mögen daran

erkannt werden, daß sie unregelmäßig in ihren Wiederholungen sind und

sich gewöhnlich auf die Muskeln des Rückens und Unterleibs beschränken,

sowie vom Rücken nach den Seiten ziehen.

+Behandlung.+

=Eclectische und Kräuterkur.= Wenn die Eingeweide verstopft sind,

gebe man folgende Einspritzung:

Warmes Wasser 1 Pint.

Salz 2 Theelöffel

voll.

Gewöhnlicher Molasses 2 Eßlöffel

voll.

Nachdem Stuhlgang vorhanden ist, gebe man einen kleinen Theelöffel

voll Paregoricum (~Paregoric~) und wiederhole dies alle zwei Stunden,

wenn nicht früher Linderung eintritt.

=Allöopathisch.= Folgendes ist eine gute Salbe, welche über dem Sitz

des Schmerzes eingerieben werden mag:

Ammoniak (~Ammonia~) 2 Unzen.

Opium-Tinktur (~Tincture of opium~) 2 „

Seifen-Salbe (~Soap liniment~) 1 Unze.

Schüttele es vor dem Gebrauch um.

=Homöopathisch.= ~Bryonia.~ -- Wenn der Schmerz ziehend und sich in

dem Unterleib und den Lenden befindet.

~Pulsatilla.~ -- Wenn die Schmerzen ähnlich den vorhergehenden, mit

einem Gefühl von Steifheit oder Lahmsein verbunden sind.

~Nux Vomica.~ -- Wenn in der Gegend der Blase ein Schmerz, wie von

einer Quetschung herrührend, und wenn die Wehen Folge von Verstopfung

sind.

~Aconitum.~ -- Besonders bei vollblütigen Frauen; heißer Kopf,

trockene Haut. ~Belladonna~ kann abwechselnd mit ~Aconitum~ gegeben

werden.

+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse man 12

Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe alle halbe,

ganze, zwei oder drei Stunden, der Strenge der Symptome angemessen,

einen Theelöffel voll.

Behandlung der Brüste (~Preparation of the Breasts~).

Nicht selten finden junge Mütter in Folge früherer Vernachlässigung

beim Stillen ihrer Kinder Schwierigkeiten wegen der durch den Druck

von zu engen Kleidern, Schnürbrüsten u.s.w. fast ganz verschwundenen

Warzen. Die Brüste schwangerer Frauen sollten sorgfältig gegen Druck

geschützt werden, da dies leicht üble Folgen nach sich ziehen kann.

Wenn aber die Warzen nicht weit genug herausgezogen sind, so daß sie

von dem Kinde mit Leichtigkeit gefaßt werden können, so mag dies

vermittelst einer gewöhnlichen Brustpumpe geschehen, und nachdem die

Pumpe entfernt ist, lege rings um die Warzen einen Ring von Bienenwachs

oder einen Warzenschild (~Nipple shield~). Dies sollte beständig

getragen werden. Wenn aber das Ausziehen der Brustwarzen einen Schmerz

im Unterleib verursacht, so muß es eingestellt werden, da Abortus

folgen kann.

Dr. Tracy empfiehlt folgendes zur Erhaltung der einmal herausgezogenen

Warzen:

Jede Warze sollte mit einem Stück von einem wollenen Faden oder Garn an

der Wurzel zwei- bis dreimal umwunden und mäßig fest gebunden werden,

jedoch nicht so fest, daß dadurch der Blutumlauf gehemmt wird.

Die Warzen springen während oder nach der Schwangerschaft leicht auf

und entzünden sich, was besonders, nachdem das Kind zu saugen beginnt,

eintritt; daher sollten die Brüste mehrere Wochen vor der Entbindung

in kaltem Wasser gebadet und mit groben Handtüchern abgerieben werden.

Zuweilen ist auch das Baden der Brustwarzen mit Brandy zweimal des

Tages mehrere Wochen hindurch vor der Entbindung sehr zuträglich

gefunden worden. Ebenso die Anwendung einer Abkochung von grünem

Thee, oder Eichenrinde, oder auch von Granatäpfeln (~Pomegranate~).

Bei großer Empfindlichkeit oder Schmerzhaftigkeit bade die Warzen und

Brüste häufig in einer scharfen Auflösung von Arnica.

Fünftes Kapitel.

Entbindung oder Kindbett.

Geburtswehen (~Labor~).

Unter Geburtswehen verstehen wir die Anstrengung der Natur, durch

welche die Gebärmutter ihren Inhalt, bestehend in dem Kinde, der

Nachgeburt, den Schleimhäuten und dem Wasser, ausstößt. Sie treten in

der Regel zu Ende des neunten Monats nach der Empfängniß oder 280 Tage

nach dem Beginn der Schwangerschaft ein. Zuweilen aber tritt es früher

oder später ein.

+Symptome.+ Die Symptome der annähernden Geburtswehen bestehen in einem

Sinken der Gebärmutter, wodurch die Schwangere um Vieles erleichtert

wird; sie fühlt sich leichter und ein Abgang von blutigem Schleim,

„Blutanbrechen“ (~show~) genannt, stellt sich ein; sie ist bewegt und

nervös; eine Reizbarkeit der Blase, sowie öfterer Drang zum Uriniren,

zuweilen Uebelkeit und Erbrechen und fliegende Schmerzen durch den

Unterleib sind vorhanden.

Die Geburtswehen mögen in natürliche und unnatürliche eingetheilt

werden. Sind die Wehen hinlänglich stark genug, den Inhalt der

Gebärmutter in einer mäßigen Zeit ohne Gefahr für Mutter und Kind

auszutreiben, so werden sie natürlich genannt. Wenn aber schwierig,

lang anhaltend und Verzögerungen in Folge einer ungehörigen Lage des

Kindes, Verzuckungen oder auch Blutflüsse eintreten, so werden sie

widernatürliche genannt. Die Zeit, während welcher die natürlichen

Wehen anhalten, beschränkt sich in der Regel auf 6 bis 8 Stunden.

Sobald die ersten Symptome eintreten, muß die Schwangere ihre

Vorkehrungen für die bevorstehende Entbindung treffen. Das Bett

sollte in einer harten Matratze bestehen (Federbetten sind nicht

empfehlenswerth), und über die Matratze sollte, wenn ein Beschmutzen

durch die Ausflüsse vermieden werden soll, ein Oeltuch oder eine

Kautschuck-Decke, und darüber mehrere Betttücher gebreitet werden, die

Decke muß leicht sein, damit die Entbindende dadurch nicht übermäßig

erhitzt wird, und das Nachtkleid muß bis unter die Arme aufgestreift

werden, so daß es nicht beschmutzt wird. Sie sollte sich auf die linke

Seite legen, mit an den Körper gezogenen Knien, zwischen welche man ein

zusammengelegtes Kissen bringt. Eine scharfe Scheere und zwei Stücke

starke Schnur mögen zum Abschneiden und Verbinden der Nabelschnur des

Kindes bereit gehalten werden.

Schmerzen bei den Geburtswehen (~Labor Pains~).

Die Schmerzen der Geburtswehen sind eigenthümlich und bestehen in

einem Schneiden oder Schleifen, welches durch eine Zusammenziehung

des Muskelgewebes der Gebärmutter über dem Kinde hervorgerufen wird.

Während des ersten Stadiums der Geburtswehen geht gewöhnlich das Wasser

ab. Letzteres ist die Ansammlung jener Flüssigkeit, welche das Kind

umgiebt und das von der Schleimhaut eingeschlossen wird. Es dient zum

Schutze des Kindes während der Schwangerschaft.

Das zweite Stadium der Wehen ist der Zeitraum von dem Ausfluß des

Wassers bis zur Geburt des Kindes. Nach dem ersten Stadium ist die

Entbindende gewöhnlich eine kurze Zeit von Schmerzen frei. Die Wehen

des zweiten Stadiums unterscheiden sich von jenen des ersten und sind

mehr nach unten drängend.

Entbindung.

Die heftigsten schneidenden Wehen treten unmittelbar vor der Entbindung

ein und sind von kurzer Dauer, aber von solcher Art, daß, obgleich

sie sehr schmerzhaft sind, sie dennoch die Entbindende zur äußersten

Kraftanstrengung stärken. Möglicherweise bricht dieselbe in heftiges

Wehklagen aus, was aber die Umgebung nicht beunruhigen sollte, denn es

ist ein Zeichen, daß die Wehen unmittelbar darauf ihr Ende erreicht

haben werden. Man ermuthige sie daher durch freundliche, tröstende

Worte. In dem Augenblicke, wo das Kind erscheint, sollte die Wärterin

ihre Hand zwischen die Beine der Entbindenden legen, um das Reißen der

straff angespannten Haut an diesem Theile zu verhindern. Ist das Kind

geboren, so sollte es fünf oder sechs Zoll von der Mutter entfernt

und die Schnur mit den vorher erwähnten Fäden verbunden werden. Der

erste Knoten sollte ungefähr zwei Zoll von des Kindes Nabel gemacht

werden und der andere vier Zoll weiter, jeder durch einen doppelten

Knoten gesichert; nachdem so die Schnur durch die Knoten gesichert ist,

schneide man sie mit der Scheere zwischen den Knoten durch. Eins aber

sollte beobachtet werden, ehe die Schnur gebunden wird, das ist, ob das

Kind athmet oder schreit. Giebt das Kind kein Lebenszeichen, so sollte

der Mund geöffnet werden, was die Ansammlung des Schleimes mindern

wird, bleibt dies aber ohne Erfolg, so sollte die Schnur gebunden und

abgeschnitten und das Kind in ein warmes Bad gebracht werden, wenn auch

dieses nach einigen Minuten noch erfolglos ist, so nehme es aus dem

Bade und hülle es in eine Flanelldecke. Dann versuche man künstliches

Athmen, was auf folgende Weise geschieht:

Man lege Daumen und Zeigefinger so auf die Nasenlöcher, daß diese

geschlossen sind, dann lege man den Mund auf den des Kindes und blase

in die Lungen, die Brust sollte dabei gepreßt werden, so daß die

eingeführte Luft wieder ausgestoßen werden muß. Dieses Verfahren sollte

so lange fortgeführt werden, bis keine Hoffnung mehr auf die Belebung

des Kindes vorhanden ist. Stellt sich aber allmählig Leben ein, so

reibe das Kind mit Alcohol oder Whiskey, durch warmes Wasser verdünnt,

ab. Zuweilen wird das Besprengen von Gesicht oder Brust des Kindes mit

kaltem Wasser dasselbe erwecken.

Nach der Entbindung erfährt die Mutter große Erleichterung und ist eine

Zeitlang gänzlich frei von Schmerzen, bis das dritte Stadium beginnt

und die Nachgeburt oder ~Placenta~ kommt. Starkes Ziehen sollte zur

Entfernung der Nachgeburt nicht angewendet werden, da Gefahr vorhanden

ist, daß sich die Gebärmutter umdreht, in der Regel reichen einige

Wehen hin, dieselbe auszustoßen.

Behandlung nach der Entbindung.

Ein Verband sollte um den Körper der Mutter gelegt werden, genügend

fest, um den erschlafften Unterleib zu stützen. Ihre Bekleidung ist,

wenn beschmutzt, zu wechseln, und sie selbst sollte in eine angenehmere

Lage, in ein dunkles Zimmer gebracht und nicht von Besuchern gestört

werden. Tücher sind lose unterzulegen, damit auf diese Weise die

stattfindenden Ausflüsse aufgefangen werden.

Verbinden des Nabels (~Dressing the Navel~).

Es sollte vermieden werden, daß der Nabel mit der gesunden Haut in

Berührung kommt. Um dies zu verhindern, mache man ein Loch, groß genug,

daß die Schnur durchgezogen werden kann, in ein Stück Muslin oder

Linnen ungefähr vier Zoll im Geviert, ziehe den Nabel durch und lasse

das Stück Zeug auf des Kindes Bauch liegen, dann mache eine Binde um

den Körper des Kindes, welche die Schnur auf den Bauch drückt.

Licht, Temperatur und Lüftung.

Das Zimmer der Wöchnerin sollte für die ersten zwei oder drei Tage nach

der Entbindung verdunkelt werden; nach dieser Zeit gestatte man dem

Licht ungehinderten Zutritt. Der Lüftung muß Aufmerksamkeit geschenkt

werden, und indem man frische Luft zuläßt, vermeide man vorsichtig,

die Wöchnerin der Zugluft auszusetzen. Die Temperatur des Zimmers muß

dem Wohlbefinden der Wöchnerin angemessen und gewöhnlich zwischen

fünfundsechzig und fünfundsiebzig Grad sein.

Nachwehen.

Nachdem das Kind geboren und die Nachgeburt erfolgt ist, verursacht das

Zusammenziehen der Gebärmutter, das mit mehr oder weniger Kraft vor

sich geht, beträchtliche Schmerzen. Sie beginnen gewöhnlich eine halbe

Stunde nach der Entbindung und hören nach ein oder zwei Tagen auf,

obgleich sie auch länger dauern mögen. Sie verkleinern die Gebärmutter

und treiben deren Inhalt aus. Zuweilen sind sie sehr heftig und dauern

länger als es wünschenswerth ist.

+Behandlung.+

=Allöopathisch.= Folgendes möge gegeben werden:

Eisenhut-Tinktur (~Tincture of aconite~) 30 Tropfen.

Kampherwasser (~Camphor water~) 1 Unze.

Laudanum 1 Drachme.

Gewöhnlicher Syrup 1 Unze.

Dosis: Alle Stunden einen Theelöffel voll in einem Weinglas voll

versüßten Wassers.

=Homöopathisch.= ~Chamomilla.~ -- Mag gegeben werden bei

Nervenschwäche und Erregtheit, dem man ungefähr eine Stunde darauf

~Nux Vomica~ folgen läßt. Wenn erforderlich, gebe man mehrere Dosen.

~Coffea~ und ~Aconitum~. -- Abwechselnd, wenn die Schmerzen stark

sind und Kälte des Körpers vorhanden ist.

~Pulsatilla~ -- möge gegeben werden, wenn die Schmerzen nicht zu

häufig wiederkehren, aber mehrere Tage fortdauern.

~Secale.~ -- Passend bei solchen, die schon viele Kinder geboren

haben.

~Belladonna.~ -- Wenn die Schmerzen nach unten ziehen, Blutandrang,

Kopfhitze, geröthetes Gesicht, kalte Füße; abwechselnd mit ~Opium~

bei ungewöhnlicher Neigung zum Schlaf, mit schnarchendem Athem

begleitet.

=Eclectische und Kräuterkur.= Umschläge einer Abbrühung von gleichen

Theilen von Hopfen und Rainfarn (~Tansy~) mit ein wenig Whiskey oder

anderem Spiritus über den Unterleib wird zuträglich gefunden werden.

Dies sollte mehrere Male des Tages erneuert werden.

Blutfluß (~Flooding -- Hæmorrhage~).

Dies ist eines der gefährlichsten Symptome, welche sich während

der Wehen einstellen können. Sein Erscheinen kommt in der Regel

ganz unerwartet und erfordert sofortige und kräftige Behandlung. Es

erfolgt häufiger nach der Geburt des Kindes und ist zuweilen die Folge

geistiger Bewegung, wie Freude oder Sorge.

Die Gegend über der Gebärmutter sollte mit der Hand gerieben werden,

bis sich die Nachwehen einstellen, dann gebe die folgenden Mittel:

~Belladonna.~ -- Bei nach unten ziehenden Schmerzen, einem Gefühl,

als ob etwas aus den Geschlechtstheilen fallen würde.

~Chamomilla.~ -- Wenn die Glieder kalt und den Wehen ähnliche

Schmerzen vorhanden sind.

~China.~ -- Kann abwechselnd mit ~Ipecacuanha~, wenn Schwindel und

Bewußtlosigkeit, Ohnmacht, Gesichtsblässe, schneidende Schmerzen in

dem Unterleib vorhanden sind, gegeben werden. Wird den schlimmsten

Fällen entsprechen.

~Pulsatilla.~ -- Wenn der Ausfluß gerinnt und in Zwischenräumen

erscheint, aufhört und wieder eintritt. Man lasse ~Crocus~ oder

~Sabina~ folgen.

Ein Tropfen der Zimmet-Tinktur in einem halben Bierglas voll Wasser

und davon alle Minuten einen Theelöffel voll gegeben, wird sich

in einigen Fällen sehr zuträglich erweisen. Tücher, in Eiswasser

getaucht, oder Eis in Stückchen sollten auf den Unterleib und die

Geschlechtsteile gelegt werden. Auch lasse man viel und oft kaltes

Wasser trinken.

+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Heilmittel löse man

12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und nehme alle 15 Minuten

oder halbe Stunde einen Theelöffel voll; sobald sich Besserung zeigt,

verlängere die Zwischenräume.

Unser Familien-Arzt · 第 37 / 51 段