aus der Lage verrückt ist, verschieden. Jedoch wird die Patientin mehr
oder weniger Druck im unteren Theil des Unterleibs, mit Schmerzen
im Kreuz, sowie Druck in den Geschlechtstheilen verspüren, und zwar
vermehren sich die Symptome durch körperliche Bewegung, oder wenn
die Betreffende lange Zeit steht, und sie sind weniger heftig, wenn
sie liegt. Auch in den Schamleisten und den Lenden werden Schmerzen
gefühlt, die durch den Druck auf die Nerven entstehen; ebenso findet
sich ein Geneigtsein zum Urinlassen, ohne daß die Patientin fähig
wäre, so zu thun, es sei denn Tropfen bei Tropfen. Der Urin ist sehr
heiß. Der Schmerz ist manchmal so bedeutend, daß sich die Kranke
nach vorwärts krümmen oder sich dadurch unterstützen muß, daß sie
die Hände gegen die Lenden stemmt, wenn sie geht. Diese Symptome
verschwinden jedoch, sobald sie niederliegt, woraus man leicht auf die
Natur der Krankheit schließen kann. Die Kranke hat Kopfweh, leidende
Gesichtszüge, Dyspepsie, Herzklopfen und Schmerzen in der linken Seite.
+Behandlung.+
=Allgemeine.= Die meisten mit Gebärmuttervorfall behafteten Frauen
meinen, es sei nöthig, daß sie einen Träger zur Stütze des Unterleibs
nöthig hätten. Diese Träger (~Supporters~) richten jedoch viel
Schaden an; denn da man sie eng um den Unterleib gebunden trägt,
vermehren sie den Druck auf die Eingeweide und drücken so die
Gebärmutter und deren Bänder immer weiter herab. Es ist blos nöthig,
die Gebärmutter wieder in ihre natürliche Lage zu bringen und
daselbst zu erhalten. Zu diesem Behufe gebraucht man ein Instrument
-- Mutterkranz (engl. ~Pessary~, lat. ~Pessarium~) genannt.
Dasselbe ist ein aus Gold, Silber, Elfenbein, Holz oder Guttapercha
verfertigter Ring und wird in der Scheide zur Unterstützung der
Gebärmutter angebracht. Täglich sollte ein kaltes Hüftbad genommen
werden, während man zu gleicher Zeit kaltes Wasser mittelst einer
Spritze (~Syringe~) in die Scheide einspritzt. Die Patientin liege
so viel als möglich und vermeide es, erschöpft zu werden. Auf den
Unterleib lege beim Schlafengehen kalte Umschläge. Schnürleiber und
schwere Röcke dürfen nicht getragen werden und die Kleider sollten
los am Körper hinunterhängen. Allen diesen Vorschriften hat man
genau nachzukommen und die Kost muß nahrhaft, einfach, aber nicht
stimulirend sein.
=Homöopathisch.= ~Belladonna.~ -- Wenn die Kranke im Unterleib
ein Gefühl verspürt, als ob dessen Inhalt sich entleeren wollte,
Schwere in den Lenden, mit krampfhaften Schmerzen im Unterleib,
große Empfindlichkeit und Aufgeregtheit, weißer Fluß und starke
Menstrualblutung.
~Sepia.~ -- Wenn die Monatsperiode zu früh eintritt, zu schwach oder
unterdrückt ist, Schmerzen im Rücken und Unterleib, welche sich
beim Gehen vermehren, öftere Geneigtheit zum Urinlassen, drückende
Schmerzen im Unterleib, als ob der ganze Inhalt desselben sich
entleeren wolle, Brennen, Jucken, weißer Fluß, mit gelblichem,
röthlichem oder fauligem Ausfluß.
~Nux Vomica.~ -- Druck abwärts, namentlich während oder nach dem
Gehen, Hitze und Schwere in den Gedärmen und in der Scheide, ziehende
Schmerzen im Rücken, dem Unterleib und den Lenden. Während der
Periode Kolik, Kopfweh; die Menstruation tritt zu frühe ein und ist
zu stark, weißer Fluß mit gelbem stinkendem Abgang.
~Calcarea Carbonica.~ -- Ausgezeichnet für Personen mit schwachem
Muskelsystem oder skrophulöser Anlage, und namentlich wenn die
Monatsperioden die Körperkräfte sehr erschöpfen und dieselben zu
starke Blutungen erzeugen und zu oft eintreten.
Man beginne die Behandlung mit einer Dosis ~Nux Vomica~ alle 4
Stunden und fahre damit eine Woche lang fort. Die folgende Woche
setze aus und die dritte verordne eine Dosis ~Sepia~ Morgens und
Abends. Deuten die Symptome auf den Gebrauch von ~Belladonna~ hin, so
verordne dieses anstatt ~Nux Vomica~.
=Eclectische und Kräuterkur.= Gebrauche einen Aufguß von
Weißeichenrinde oder Geranium, oder eine Dosis Alaunauflösung im
Verhältniß von einer Unze zu einem Pint Wasser. Die Entzündung der
Gebärmutter muß geheilt werden, wenn diese Krankheit vorhanden ist,
ehe der Mutterkranz angewandt werden kann. Man gebe Sturmhut-Tinktur
(~Tincture of aconite~), zusammengesetzte Pulver von Brechwurz und
Opium (~Compound powder of Ipecac and Opium~) mit Einspritzung von
Lobelia- und Hopfen- oder von Belladonna-Aufguß.
Ein ausgezeichnetes Einspritzmittel läßt sich aus gleichen Theilen
Pfirsichblätter, Smilacine (~Solomon’s seal~) und Hopfen bereiten.
Ist Hitze und Schwierigkeit beim Urinlassen vorhanden, so trinke man
einen aus Eibisch (~Marsh mallow~) und Münze (~Spearmint~) bereiteten
Aufguß. Ist die Patientin schwach, so verordne man ein Eisenpräparat,
z. B. citronensaures Eisen (~Citrate of iron~) und Chinin
(~Quinine~), oder den zusammengesetzten Wallwurzwein (~Compound wine
of comfrey~).
=Allöopathisch.= Gebrauche das folgende Stärkemittel (~Tonic~):
Schwefelsaures Chinin (~Sulphate quinine~) 25 Grane.
Citronensaures Eisen (~Citrate of iron--soluble~) 35 „
Bereite hieraus 24 Pulver und nehme eins derselben dreimal täglich
nach jeder Mahlzeit in süßem Wein, oder gebrauche das schwefelsaure
Eisenniederschlag-Präparat, welches unter „übermäßiger Menstruation“
angegeben ist.
Der weiße Fluß (~Whites -- Flour Albus -- Leucorrhœa~).
Der Name dieser Krankheit in den verschiedenen hier angegebenen
Sprachen bezeichnet dieselbe. Sie besteht aus einem Ausfluß aus den
Geschlechtsorganen, der manchmal weiß, gelb, hellgrün, hellroth oder
auch bräunlich ist, und öfters dünnem Wasser ähnlich aber öfters auch
dick und zäh ist. Manchmal ist die Quantität der Aussonderung nicht
größer, als die bei gesunder Menstruation, oft aber auch vermehrt sie
sich auf mehrere Unzen in 24 Stunden. Der weiße Fluß tritt gewöhnlich
zwischen dem fünfzehnten und fünfundvierzigsten Jahre, selten aber in
der Kindheit oder im Alter auf. Wenn junge, unentwickelte Mädchen davon
befallen werden, so sind die Ursache nicht selten kleine Würmer, die
vom Mastdarm in die Scheide gelangen, welche mittelst eines Stück Zeugs
entfernt werden können.
Diese Krankheit kann acut oder chronisch auftreten. Die acute Form
ist gewöhnlich die Folge einer Erkältung und nichts anderes als eine
catarrhalische Entzündung der Scheideschleimhaut. Die chronische Form
ist eine Fortsetzung der acuten und wird durch Vernachlässigung oder
schlechte Behandlung des acuten weißen Flusses veranlaßt. Manchmal
tritt Eiterung des Mutterhalses ein. Es gibt zwei Arten Leucorrhöa --
die Scheide-Leucorrhöa, wenn der Ausfluß von der Scheide herrührt, und
Mutterhals- (cervicale) Leucorrhöa, wenn der Abgang von dem Hals der
Gebärmutter kommt.
+Ursachen.+ Erkältungen, durch Sitzen auf kaltem Boden oder
Bloßstellung des Nackens und der Schultern herbeigezogen, übermäßige
geschlechtliche Aufregung und Geschlechtsgenuß, enges Schnüren,
Hämorrhoiden, Fehlgeburten und Frühgeburten, Verrückung der
Gebärmutter, Purganzen, untaugliche Kost, warme Einspritzungen oder
Einspritzungen irgend welcher Art, spätes zu Bett Gehen u.s.w. Dieses
Uebel kann sich auch vererben.
+Symptome.+ Wo nur eine durch Erkältung herbeigeführte catarrhalische
Entzündung ist, werden die Theile heiß und wund sein, mit einem Gefühl
der Schwere oder abwärts drückenden Schmerzen und Ermüdung. Auch wird
die Patientin leichtes Frösteln, Rückenschmerz und Durst verspüren. Der
Puls ist schnell, der Urin dunkel. In diesem Stadium der Krankheit wird
die Kur derselben wenig Schwierigkeit machen, wenn man eine zweckmäßige
Behandlung einschlägt. Rührt der Ausfluß von der Gebärmutter her,
so ist derselbe dick, ätzend, brennend und stinkend, und hat eine
bräunliche oder grünliche Farbe und macht die Lippen der Scheide und
die umliegende Haut wund. Die Verdauung wird geschwächt werden und die
Kranke fühlt Uebelsein, Kopfweh, Schwindel, Schwäche und beständigen
Rückenschmerz, der sich herunter bis zwischen die Lenden zieht, und
ist appetitlos. Das Gesicht magert ab und ist blaß, die Augen sind
eingesunken und mit dunklen Ringen umgeben.
+Behandlung.+
=Allgemeine.= Soll die Behandlung eine erfolgreiche sein, so muß
man alles entfernen, was die Krankheit befördern könnte, z. B.
unregelmäßige Lebensweise, späte Abendmahlzeiten u.s.w. Die Kost
muß einfach und nahrhaft, aber nicht stimulirend sein und sollte
ganz regelmäßig genossen werden. Bewegung, aber nicht bis zur
Erschöpfung, wird sehr gute Dienste leisten. Die Kleider sollten
warm sein und lose, namentlich um die Hüften herum getragen werden.
Das Wasser ist gegen dieses Uebel von großer Wichtigkeit. Man mag
das Sitzbad täglich gebrauchen und Einspritzungen von kaltem oder
warmem Wasser sollten je nach der Heftigkeit des Anfalles drei- oder
viermal des Tages vorgenommen werden. Gegen milde Anfälle wird eine
Einspritzung mit grünem Thee, oder süßem Cider, oder einer schwachen
Alaunauflösung gute Dienste leisten.
=Eclectische und Kräuterkur.= Das folgende wird sich als werthvoll
erweisen, falls der Ausfluß und der Schmerz brennend sind:
Copaiva-Balsam 1 Unze.
Süßer Salpetergeist (~Sweet spirits of nitre~) 2 Unzen.
Süßes Mandelöl (~Sweet almond oil~) 2 „
Terpentingeist (~Spirits of turpentine~) 1 „
Pulverisirter Kampher 1 Skrupel.
Mische dieses in einem Achtel-Unzen Bottel. Dosis: Einen Theelöffel
voll in einer halben Theetasse voll Ulmenthee (~Slippery elm~) drei-
oder viermal täglich. Eines der besten Stärkemittel ist die salzsaure
Eisentinktur (~Muriated tincture of iron~), von welcher 20 bis 25
Tropfen in einem halben Glas voll Wasser drei- oder viermal des Tages
zu nehmen sind. Ein gutes Einspritzungsmittel wird von einem Pint
Mohnsamenthee (~Tea of poppy heads~), wozu 1½ Unzen pulverisirter
Borax beigefügt wird, bereitet. Ebenfalls sind 3 Drachmen Gerbersäure
(~Tannic acid~) und 1 Unze Alaun (~Alum~), in einem Quart Wasser
aufgelöst, ein treffliches Einspritzmittel. Man spritze ein Drittel
dieser Mischung dreimal täglich ein. Die Stuhlöffnung sollte mittelst
Rochelle- oder Bittersalz oder Seidlitzpulver regelmäßig erhalten
werden. Sind die Organe sehr schwach, oder ist die Krankheit durch
Erkältung, Schwangerschaft oder Frühgeburt u.s.w. entstanden, so wird
sich das folgende als sehr wirksam beweisen:
Aloe-Tinktur 2 Unzen.
Salzsaure Eisentinktur (~Muriated tincture of iron~) 4 Drachmen.
Mische dieses. Dosis: 35 Tropfen in Wasser dreimal täglich. Zur
selben Zeit gebrauche das folgende Einspritzmittel:
Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc -- White
vitriol~) 2 Drachmen.
Bleizucker (~Sugar of lead~) 2 „
Mische dieses in einem Quart Wasser und gebrauche ¼ der Mischung für
eine Einspritzung.
In manchen Fällen wird das folgende gute Dienste leisten:
Sokotara Aloe-Tinktur (~Tincture of socotrine aloes~) 4 Unzen.
Salzsaure Eisen-Tinktur (~Tincture of muriate of
iron~) 1 „
Mische dieses. Dosis: 35 Tropfen dreimal täglich in Wasser. Zur
selben Zeit gebrauche die obige Einspritzung.
Ein anderes ausgezeichnetes Einspritzmittel wird aus einer schwarzen
Schlangenwurzel- (~Black cohosh root~) Abkochung, wozu Gerbersäure
(~Tannic acid~) beigefügt wird, bereitet. Als innerliches Heilmittel
mag das folgende manchmal verordnet werden: Gleiche Theile geriebene
Muskatnuß (~Grated nutmeg~) und pulverisirten Alaun (~Powd. alum~).
Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll dreimal täglich in Molasses.
=Allöopathisch.= Das folgende Stärkemittel (~Tonic~) wird sehr
empfohlen:
Schierling-Tinktur (~Tincture conium~) 1 Unze.
Sturmhutblätter-Tinktur (~Tincture aconite leaves~) 3 Drachmen.
Ammoniak-eisensaurer Alaun (~Ammoniated iron
alum~) 3 „
Syrup 8 Unzen.
Dosis: Einen Theelöffel voll dreimal täglich in Wasser nach den
Mahlzeiten. Kommt der weiße Fluß vom Gebärmutterhals oder der
Gebärmutter her, so wird das folgende erfolgreich wirken:
Gerbersäure (~Tannic acid~) 1 Drachme.
Pulverisirter Alaun (~Powd. alum~) ½ Unze.
Wasser 1 Quart.
Spritze die Hälfte der Mischung Morgens und Abends in die Scheide ein.
Oder:
Alaun 1 Drachme.
Rosenhonig (~Honey of roses~) 1 Unze.
Wasser 3 Unzen.
Spritze einen Eßlöffel voll der Mischung mit einer Tasse voll Wasser
vermischt zweimal des Tages ein.
Hat die Kranke heftige Schmerzen, so wird das folgende gute Dienste
leisten:
Laudanum 2 Drachmen.
Essigsäuerliche Bleiauflösung (~Solution sub-acetate
of lead~) 1 Drachme.
Wasser 1 Pint.
Spritze die Hälfte der Mischung Morgens und Abends ein.
Rührt der weiße Fluß von der Scheide her, so werden kalte
Wassereinspritzungen große Dienste leisten, namentlich wenn Vorfall
der Gebärmutter vorhanden ist. Ebenso die folgende Einspritzung:
Doppeltkohlensaure Soda (~Bi-carbonate of soda~) ½ Unze.
Doppeltkohlensaures Kali (~Bi-carbonate of potash~) ½ „
Wasser 1 Quart.
Spritze die Hälfte der Mischung Morgens und Abends ein. Oder:
Essigsäuerliche Bleiauflösung (~Solution sub-acetate~
~of lead~) 2 Drachmen.
Wasser 1 Quart.
Spritze die Hälfte der Mischung Morgens und Abends ein.
Bringen diese Einspritzungen nicht die gewünschte Wirkung hervor, so
gebrauche man die folgende innerliche Arznei:
Fowler’s Auflösung (~Fowler’s solution~) 2 Drachmen.
Schierling-Tinktur (~Tincture conium~) ½ Unze.
Sturmhutblätter-Tinktur (~Tincture aconite leaves~) 2 Drachmen.
Syrup 4 Unzen.
Dosis: Einen Theelöffel voll dreimal täglich jeden andern Tag.
=Homöopathisch.= ~Pulsatilla.~ -- Wenn der Ausfluß dünn und scharf
ist, so daß die Theile wund werden, mit geschwollener Vulva, oder
wenn der Ausfluß rahmartig ist und die Ausscheidung desselben
schneidende Schmerzen im Unterleib verursacht. ~Pulsatilla~ paßt am
besten für Frauen mit sanftem Gemüthe und zartem Muskelbau, hellen
Haaren und blasser Farbe.
~Sepia.~ -- Geeignet für empfindsame, zarte Frauen. Der Ausfluß ist
gelblich oder grünlich, manchmal mit Materie und Blut vermischt,
brennende Schmerzen in der Scheide und den andern Geschlechtstheilen,
Gebärmuttervorfall.
~Alumina.~ -- Wenn der weiße Fluß nach der Menstruation eintritt,
bedeutender Schleimabgang während des Tages, der Ausfluß ist so dick
und zäh, daß er die Wäsche „steift,“ Brennen und Hitze, Wundheit und
Jucken der Geschlechtstheile.
~Calcarea Carbonica.~ -- Wenn der weiße Fluß vor der Menstruation
eintritt, mit Jucken, Brennen, in Zwischenräumen oder beim
Urinlassen. Geeignet für Frauen von heller Hautfarbe, leichtem
Muskelbau und träger Blutcirkulation.
~Nitric Acid.~ -- Gegen stinkenden, bräunlichen, grünlichen oder
fleischfarbenen Ausfluß.
~Mercurius.~ -- Eiteriger Ausfluß mit Brennen.
~Cocculus.~ -- Wässeriger, blutiger Ausfluß während der
Schwangerschaft. Geringe Menstrual-Blutungen mit Leucorrhöa zwischen
den Perioden.
~Sulphur.~ -- Gegen hartnäckige Fälle, schleimige oder gelbliche,
schmerzende und aufschärfende Leucorrhöa, welcher Kolik vorangeht.
+Verordnung der Heilmittel.+ Man gebe von dem gewählten Heilmittel
6 Pillen Morgens und Abends 5 Tage lang. Wird die Patientin nicht
besser, so gebe man eine Dosis Sulphur und setze 4 Tage lang aus,
worauf mit dem vorhergehenden Heilmittel wie zuvor fortzusetzen ist.
Tritt hierauf keine Besserung ein, so muß man eine andere Arznei
wählen.
Viertes Kapitel.
Schwangerschaft.
Schwangerschaft ist derjenige Zustand, welcher mit der Empfängniß
eintritt und bis zur Entbindung dauert. Sie kann erst nach dem ersten
Auftreten der monatlichen Reinigung eintreten und hört auf mit dem
Wechsel des Lebens, oder wenn das Weib aufhört zu menstruiren.
Während dieser Zeit müssen mancherlei Dinge, welche, wenn sie nicht
gehörig überwacht werden, einen schädlichen Einfluß auf den Sprößling
ausüben, im Auge behalten werden. Eine ruhige Gemüths-Stimmung ist
von wesentlichem Einfluß, denn Jähzorn, Eifersucht und Schreck haben
fast immer üble Folgen, und durch heftige geistige Erregungen wird
nicht selten eine Fehlgeburt (~Abortus~) veranlaßt. Eine Frau von
übler Laune, leidenschaftlichem Charakter und reizbarem Gemüthe kann
kaum erwarten, daß sie einem Kinde von sanftem und gütigem Charakter
das Leben schenken wird. Wir wissen alle, wie sehr sich die Sinnesart
der Eltern auf die Kinder vererbt, und von welch’ großem Einfluß ist
es dann, daß die Mutter ein sanftes und liebreiches Herz, eine gütige
und nachsichtige Denkart pflegt, damit ihre Kinder zu ihrer Ehre und
nicht zu einer Quelle des Unglückes und Elendes für sie heranwachsen.
Die Gebärmutter hat einen bedeutenden Einfluß auf das Nervensystem
des ganzen Körpers, so daß also, wenn sie den Keim eines menschlichen
Wesens enthält, mehr oder weniger der gesammte Organismus des Weibes
dadurch berührt werden muß. Die hierdurch verursachten Symptome
sind die Zeichen der Schwangerschaft. Es gibt aber viele von jenen
Merkmalen, welche auch bei anderen Zuständen gefunden werden, so daß
keines dieser Zeichen verläßlich ist, und andererseits gibt es Frauen,
deren Organismus nur wenig durch die Schwangerschaft gestört wird. Die
erste Folge der Schwangerschaft ist gewöhnlich vermehrte Aufregung und
Fieberhaftigkeit. Der Puls schlägt stärker und schneller, der Appetit
wird gestört und die Haut ist bleich und öfters entfärbt. Die folgenden
Kennzeichen sind die meist verläßlichen:
+Zeichen der Schwangerschaft.+ Das erste Zeichen ist das Aufhören
der monatlichen Reinigung. Dies kann aber auch von anderen Ursachen
herrühren, so daß es an und für sich nicht als ein sicheres Zeichen
betrachtet werden kann; wenn aber der Gesundheitszustand keine andere
denkbare Ursache dafür gibt, mag es für ein starkes Anzeichen gehalten
werden.
+Uebelsein am Morgen.+ Dies -- in Verbindung mit anderen Merkmalen --
ist ein beachtenswerthes Symptom. In der Regel ist der Magen reizbar
und die Frauen leiden an Uebelsein und Erbrechen, die sich besonders
des Morgens einstellen. Es stellt sich bald nach der Empfängniß ein und
hört nach dem dritten Monat wieder auf.
+Anschwellen der Brüste.+ Ungefähr nach zwei Monaten wird die
Aufmerksamkeit des Weibes auf den Zustand der Brüste gelenkt. Sie
empfindet einen unbehaglichen Eindruck des Vollseins mit einem
prickelnden und stechenden Schmerz im Innern und an den Warzen. Sie
nehmen an Größe und Festigkeit zu und fühlen sich eigenthümlich und
drüsenartig an. Die ~Areola~ oder Warzenring (ein gefärbter Kreis
um die Warze) verdunkelt sich und nach einiger Zeit wird Milch
abgesondert. Aber es muß erinnert werden, daß das Anschwellen der
Brüste auch anderen Ursachen zugeschrieben werden kann; bei einigen
Frauen ereignet es sich, daß sich bei jedesmaliger monatlichen
Reinigung, wenn deren Verlauf unterbrochen oder sie sich ganz
einstellt, zu solchen Zeiten eine milchige Flüssigkeit absondert
(~Churchill~).
+Anschwellen des Unterleibes.+ Dieses Kennzeichen, mit anderen
vereinigt, befähigt uns, mit annähernder Sicherheit die Dauer der
Schwangerschaft zur Zeit, wo wir diese Wahrnehmung machen, zu
bestimmen. Während der ersten vier Monate bleibt die Gebärmutter in
der Höhle des Beckens oder im tieferen Theile des Unterleibs, wird
aber bald nachher über dem Schambein -- am Rande des Beckens gefühlt.
Im fünften Monat steigt sie in den Raum zwischen Schambein und Nabel
bis zur Hälfte, im sechsten gleitet sie bis zum Nabel hinauf, den sie
hervordrängt. Während des siebenten und achten Monats füllt sie den
ganzen Unterleib bis zum Magen. Die Eingeweide sind über und hinter sie
gedrängt.
+Bewegungen des Kindes.+ Ungefähr gegen den fünften Monat nach der
Empfängniß fühlt die Mutter die erste Regung des Kindes im Leibe.
Einige fühlen es früher; Andere wieder nicht vor dem sechsten oder
siebenten Monat. Manche meinen, daß das Kind bis zu dieser Zeit nicht
am Leben sei, was aber eine ganz irrige Annahme ist, denn von dem
Augenblick der Empfängniß ist es gerade ebenso ein lebendes Wesen, wie
zu irgend einer Zeit nachher. Tritt diese Bewegung plötzlich ein, so
sind die Schwangeren sehr zum Erbrechen geneigt, zuweilen Ohnmachten
unterworfen. Die Lebens-Empfindung ist zuerst eine leichte, nimmt aber
allmählig zu, bis die Bewegungen an den verschiedenen äußeren Theilen
gefühlt werden können.
Es gibt noch manche andere Zeichen, welche den einzelnen Frauen
eigenthümlich sind, und durch welche, in Verbindung mit anderen
Zeichen, diese nach dem ersten Kindbett im Stande sind zu sagen,
ob sie schwanger sind oder nicht. Hierher gehören die sogenannten
Gerstenkörner an den Augenlidern, Zahnschmerzen, schwarze Flecken --
gleich Sommersprossen -- im Gesicht und Nacken, starke, hartnäckige
Speichelabsonderung, ähnlich jener, die durch das Merkur (Quecksilber)
hervorgerufen wird, nur mit dem Unterschied, daß hier die Schleimhäute
vollkommen gesund sind. Es sind dies aber zufällige Zeichen, welche
eben nur in vereinzelten Fällen gefunden werden.
Die Erhaltung der Gesundheit während der Schwangerschaft.
Die alten Römer hatten ein Gesetz, zufolge dessen alle schwangere
Frauen weite, lose Kleider tragen mußten. Würde heutzutage ein
derartiges Gesetz bestehen, es würden weit weniger Frühgeburten,
Gebärmutter-Vorfall, wunde Brüste und andere derartige Krankheiten
vorkommen. Kleider sollten warm, lose, leicht und in keinem Theile
beengend sein. Schnürleiber müssen ganz bei Seite gelegt werden,
und sogar der Gebrauch der Strumpfbänder sollte unterbleiben. Die
Kleider müssen so zugerichtet sein, daß sie frei von den Schultern
herabfallen, ohne daß sie um die Taille gebunden werden. Das Blut
muß einen ungehinderten Umlauf haben, sonst werden sich früher oder
später während der Schwangerschaft nachtheilige Folgen einstellen.
Große Sorgfalt muß beobachtet werden, daß das Kleid um die Brüste
lose sitzt, denn es kann sich leicht zutragen, daß die Brüste, wenn
das Kind geboren wird, so flach werden, daß die Warzen nicht gefunden
werden können. Pflegte die Schwangere vor der Empfängniß kalte oder
warme Bäder zu nehmen, so mag sie dieselben fortsetzen, wenn nicht ein
fühlbarer Nachtheil wahrgenommen wird.
+Bewegung+ ist für die Erhaltung der Gesundheit sehr wichtig. Einige
sind der Ansicht, daß sich schwangere Frauen keine Bewegung machen
sollen, aber das ist ein Irrthum. Gerade dadurch bewahrt sie ihre
Gesundheit und Stärke und erhält damit den gesunden Zustand des Kindes.
Bewegung -- sogar bis zur Ermüdung -- kann viel leichter als geistige
Aufregungen ertragen werden, und letztere sollten, da sie so sehr
nachtheilig sind, so viel als möglich vermieden werden. Die Schwangere
sollte täglich Bewegung haben, und zwar körperliche; sie muß gehen,
nicht fahren, denn Fahren ist nicht hinlänglich. Die beste Bewegung
ist die Verrichtung ihrer Haushaltungsgeschäfte, und sie sollte damit,
so lange als sie fähig ist, fortfahren. Fühlt sie sich nicht wohl,
oder steht eine Fehlgeburt zu befürchten, so muß sie alle Thätigkeit
einstellen. Ueberhaupt müssen schnelle und heftige Bewegungen, wie
das Heben schwerer Gegenstände, plötzliches Anspannen der Muskeln,
Springen, Tanzen, sich Strecken, um einen entfernter liegenden
Gegenstand zu erfassen, vermieden werden.
+Die Nahrung.+ Die Kost sollte einfach und nahrhaft sein. Nicht
selten stellt sich ein Verlangen nach Speisen ein, die nicht nur der
Mutter, sondern auch dem Kinde schädlich sind. Die Frau muß am besten
wissen, was sie essen kann, und es können durchaus keine besonderen
Vorschriften zur Regelung der Kost gegeben werden. Stark gewürzte
Speisen, Spirituosen, starker Thee und Kaffee sollten aber immer
vermieden werden.
Krankheiten während der Schwangerschaft.
+Uebelsein am Morgen.+ Dies ist ein sehr lästiges Unwohlsein und
schwer einzuschränken. Es stellt sich in der Regel gleich bei Beginn
der Schwangerschaft ein, und dauert bis zum dritten Monat. Die Anfälle
kommen des Morgens und dauern nur eine kurze Zeit.
+Behandlung.+