+Symptome.+ -- Pleuresie beginnt, wie alle anderen Fieber, mit Frost,

dem Hitze folgt, und allen anderen Fieber-Symptomen. Diesen Symptomen

folgt bald ein heftig stechender Schmerz in der Brust, der durch

tiefes Athemholen erhöht und von schwierigem heftigem Athmen, sowie

von einem trockenen, hackenden Husten begleitet wird; Husten, Athmen,

Herumwerfen, Liegen auf der angegriffenen Seite und auch Druck auf die

Brust erhöht den Schmerz. Dieser Schmerz dauert in der Regel drei bis

vier Tage, dann läßt er nach.

+Ursachen.+ -- Plötzliche Kälte, die mit dem Körper in Berührung kommt,

Schläge oder Fallen auf die Brust, Unterdrückung gewisser Absonderung,

das nach Innenschlagen von Hautkrankheiten. Pleuresie kann sowohl acut

als auch chronisch sein. Chronische Pleuresie ist in der Regel die

Folge der acuten.

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= ~Aconitum~ und ~Bryonia~ sind die beiden Hauptmittel

gegen diese Krankheiten und reichen in den meisten Fällen hin, die

Heilung zu bewirken. ~Aconitum~ ist besonders angezeigt bei folgenden

Symptomen: Heiße Haut, starkes Fieber, schneller und voller Puls,

sowie großer Durst. ~Bryonia~ vorzugsweise, wenn die folgenden

Symptome vorhanden sind: Wangen geröthet, heiß, trocken oder feucht,

kurzer, fliegender Athem, schneller Puls, stechende, schießende oder

brennende Schmerzen in der Seite, welche durch Athmen, Husten und

Bewegung erhöht werden; Athem kurz, ängstlich und schwierig; Gefühl

von Zusammenziehen und Beklemmung der Brust; schmerzhafter Husten

sowohl feucht als auch trocken, große Hitze der Haut, abwechselnd mit

öfterer Kälte oder Frösteln, Schmerz durch Druck verschlimmert.

~Mercurius.~ -- Dies Heilmittel kann gegeben werden, nachdem das

Fieber vermittelst anderer Mittel unterdrückt ist, aber dennoch

Nachtschweiße, mehr oder weniger kurzes und schwieriges Athmen

zurückbleiben.

~Tartarus Emeticus.~ -- Gesicht geröthet, heiß und trocken, oder

voll mit einem ängstlichen Ausdrucke und mit Schweiß bedeckt. Puls

schnell und schwach oder voll, Athem kurz und schwierig, begleitet

von stechenden oder schießenden Schmerzen, Husten mit Schleimauswurf,

zuweilen mit Blut gemischt, heftiges Herzklopfen, Schwäche und

Hinfälligkeit, Gefühl von Erstickung.

~Phosphorus. -- Das Gesicht erscheint blaß, zuweilen roth, Augen

eingefallen und mit blauen Ringen umgeben, Auswurf blutig, scharfe

stechende Schmerzen in der Brust, meistens aus der linken Seite,

Athem fliegend und schwierig, scharfer Schmerz zwischen den Rippen

beim Druck, Herzklopfen.

~Arnica~ -- sollte gegeben werden, wenn die Krankheit durch Schläge

oder Fallen auf die Brust veranlaßt wurde. Ist der Kranke des Nachts

schlaflos und unruhig, gebe man ~Coffea~ und ~Belladonna~ abwechselnd

jede Stunde.

~Arsenicum.~ -- Bei Ansammlung von Wasser in der Brust und großer

Schwäche.

+Verordnung der Heilmittel.+ -- Von dem gewählten Mittel löse 12

Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe jede Stunde oder alle

zwei Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel

voll, wenn nicht andere Vorschriften bei den Mitteln angeführt sind.

Die Kost sollte ebenso wie bei Lungenentzündung sein.

=Allöopathisch.= Beim Beginn der Krankheit verordne man

Blutentziehung, soweit es der Kranke nur ertragen kann und

wiederhole dies mehrere Male. Die zusammengesetzte virginische

Schlangenwurzel-Tinktur (~Compound tincture of Virginia snake

root~) kann, um Schweiß hervorzubringen, alle halbe Stunden in

Theelöffel-Dosen gegeben werden. Dies wird gewöhnlich sofort

Linderung verschaffen. Man gebe dies in einem Aufguß von Katzenmünze-

(~Catnip~), Balsam- oder Pleuresie- (~Pleurisy~) Wurzel und mache zu

gleicher Zeit warme Umschläge von Hopfen (~Hops~), Rainfarn (~Tansy~)

oder Wermuth (~Wormwood~). Tritt keine Linderung ein, so gebe man ein

Brechmittel von dem zusammengesetzten Pulver der Lobelia (~Compound

tincture of lobelia~) und lasse folgende Verschreibung folgen:

Pulverisirte Gummi Gutti (~Pulv. gamboge~) 12 Grane.

Pulverisirtes Windenharz (~Pulv. Scammony~) 12 „

Springgurke (~Elaterium~) 2 „

Crotonöl (~Croton oil~) 8 Tropfen.

Stechapfel-Extrakt (~Extract Stramonium~) 3 Grane.

Mische es und mache 12 Pillen daraus. Dosis: Jede Stunde eine

Pille bis die Wirkung eintritt. In einigen Fällen, wo der Kranke

bereits nach Bittersalz (~Epsom salts~) oder Salz und Sennesblättern

(~Senna~) abgeführt hat, kann Brechweinstein (~Tartar emetic~) in

Dosen von einem Achtel- bis zu einem Viertel-Gran mit einem halben

bis zu einem ganzen Grane Opium alle zwei oder drei Stunden gegeben

werden.

Oder folgendes:

Calomel 6 Grane.

Opium 4 „

Brechweinstein (~Tartar emetic~) 1½ „

Mische und theile es in 12 Pulver. Alle zwei oder drei Stunden nehme

eins in Wasser. Tritt Fieber hinzu, so lasse man Brechweinstein

(~Tartar emetic~) aus und setze mit Opium, so lange der Schmerz

anhält, fort. Um das Auftrocknen der Flüssigkeit innerhalb der Brust

zu beschleunigen, möge folgendes angewendet werden:

Meerzwiebel-Pulver (~Powder of squills~) ½ Drachme.

Fingerhut-Pulver (~Powder of digitalis~) 8-16 Grane.

Mische es, theile es in 16 Pulver und nimm dreimal des Tages eins.

Der zusammengesetzte Wachholdergeist (~Spirit of juniper~) kann

dreimal des Tages in Dosen von 1 bis 2 Theelöffel voll in einem

Weinglas voll Wasser gegeben werden. Besonders gut bei schwachen

Fällen.

=Eclectische und Kräuterkur.= Zuerst gebe man von der Lobelia-Tinktur

(~Tincture of lobelia~) und von Nro. 6 einen Theelöffel voll, alle

10 Minuten wiederholt, bis 4 oder 5 Dosen genommen sind. Kann man

Nro. 6 nicht erhalten, so kann die Cayennepfeffer-Tinktur (~Tincture

of cayenne~) angewendet werden. Der Patient sollte ein Fußbad

in warmem Wasser nehmen und gleichzeitig Thee von Wasserdost-

(~Boneset~), Blutwurzel- (~Blood root~) und Pleuresie- (~Pleurisy~)

Wurzel zu gleichen Theilen trinken. In diesem Stadium nehme man ein

Brechmittel aus gleichen Theilen der Lobelia und Brechwurz (~Ipecac~)

zusammengesetzt in dem obengenannten Thee. Wenn aber nach dieser

Behandlung der Schmerz fortdauert und es ist beträchtlicher Husten

vorhanden, so gebe man folgendes:

Jasmin-Tinktur (~Tincture of gelseminum~) 4 Drachmen.

Eisenhut-Tinktur (~Tincture of aconite~) 24 Tropfen.

Mische es und gebe alle halbe oder ganze Stunde 30 Tropfen, bis sich

die Wirkung einstellt, d. h. bis sich die Zwischenräume zwischen den

Anfällen verlängern. Anstatt dessen kann auch die zusammengesetzte

Tinktur der virginischen Schlangenwurzel (~Compound tincture of

Virginia snake root~) gegeben werden, um einen gelinden Schweiß zu

erhalten. Ist das Husten stark, so kann es vermittelst des folgenden

bewältigt werden:

Pleuresie- (~Pleurisy~) Wurzel und Wildkirschbaum-Wurzel (~Wild

cherry root~), von jedem zwei Theile, und von Blutwurzel (~Blood

root~) einen Theil; mache einen Aufguß daraus und gib es öfters

wiederholt in kleinen Dosen. Gegen chronische Pleuresie sollte jede

Woche ein gelindes Brechmittel gegeben und folgendes Blasenpflaster

auf die Brust gelegt werden:

Burgunder Pech (~Burgundy pitch~) und Bienenwachs zu gleichen Theilen

und ein wenig Harz (~Rosin~). Dies sollte gemischt und während es

warm ist, in ein wenig gepulverte Blutwurzel (~Blood root~), Entenfuß

(~May apple root~) und Kermesbeere (~Poke root~) gerührt werden. Dann

streiche es auf ein Stück Leinwand und mache einen warmen Umschlag,

der eine Woche oder länger liegen bleibt. Potaschen-Iodide (~Iodide

of potassa~) ist ein ausgezeichnetes Mittel gegen diese Krankheit.

Eine Drachme wird in vier Unzen Wasser aufgelöst und davon ein

Theelöffel voll einmal des Tages genommen.

Scheinbare Pleuresie oder Seitenstechen.

Dies ähnelt der wirklichen Pleuresie sehr, doch ist es in seinem

Ursprung und in seiner Oertlichkeit von derselben verschieden. Es ist

ein rheumatisches Leiden der Brustmuskeln und befindet sich in der

Regel zwischen den Rippen. Der Schmerz wird durch tiefes Athemholen,

durch das Heben der Hände über den Kopf oder durch das Gehen erhöht. Es

rührt theilweise von Erkältung und zuweilen von heftiger Bewegung her.

+Behandlung.+

=Allöopathisch.= Warme Umschläge, wie Senfpflaster oder heißes

Wasser wird in der Regel Linderung verschaffen. Hin und wieder ist

Eisenhutsalbe (~Aconite liniment~) oder Eisenhuttinktur (~Aconite

tincture~) erforderlich.

=Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes möge angewendet werden:

Sassafrasöl (~Oil of sassafras~) und Schierlingöl (~Oil of hemlock~)

von jedem 1½ Unze, Laudanum und Majoranöl (~Oil of origanum~) von

jedem 1 Unze. Mische es und reibe damit den leidenden Theil ein.

=Homöopathisch.= Wenn irgendwie Fieber vorhanden ist, gebe man alle

halbe oder ganze Stunde eine oder zwei Dosen ~Aconitum~.

~Arnica.~ -- Alle zwei Stunden eine Dosis, kann entweder allein oder

abwechselnd mit ~Apis mellifica~ gegeben werden.

~Pulsatilla.~ -- Wenn der Patient nach den obigen Mitteln keine

Linderung verspürt.

~Nux Vomica.~ -- Stechen in der Seite, bei schmerzhaftem Gefühl an

der Außenseite der Brust zwischen den Rippen nach Druck; schlimmer

bei Athemschöpfen oder irgend einer Bewegung. Wenn zu irgend einer

Zeit der Kranke zu fiebern beginnt, bei Schmerz in den Gliedern, der

Seite und dem Kopfe, so gebe man ~Bryonia~ und ~Rhus Toxicodendron~.

+Verordnung der Heilmittel.+ Jede halbe Stunde oder alle zwei

Stunden eine Dosis (6 Kügelchen), oder 12 Kügelchen in 12 Theelöffel

voll Wasser aufgelöst. Oefters wird auch ein Senfpflaster oder ein

Säckchen mit erhitztem Salz, über den angegriffenen Theil gelegt,

Linderung verschaffen.

Herzentzündung (~Carditis~).

Ist eine Entzündung der Herzmasse, welche aber selten vorkommt. Wir

finden sie gewöhnlich mit Endocarditis, das ist die Entzündung der

Haut, womit die innere Herzfläche überzogen ist, oder mit Pericarditis,

die Entzündung des Herzbluts, verbunden. Die Symptome all dieser

Krankheiten sind sich sehr ähnlich und die Behandlung ist ein und

dieselbe.

+Symptome.+ -- Die Krankheit beginnt in der Regel mit den gewöhnlichen

Symptomen des Fiebers, wie Frösteln, Hitze, Trockensein der Haut,

Durst und geröthetes Gesicht. Dem folgt ein fliegendes, unvollkommenes

Athmen und heftige spießende Schmerzen in der Gegend des Herzens. Diese

Schmerzen erstrecken sich zuweilen bis zu den Schultern und werden

durch Bewegung oder durch Sitzen erhöht; es ist ein Gefühl von Vollsein

und Beklemmung in der Brust vorhanden, Herzklopfen nach der geringsten

Bewegung; der Herzschlag ist heftig und unregelmäßig, kurzer, trockener

Husten, Athem sehr schnell und schwierig, das Gesicht ist hager und ein

Ausdruck von großem Leiden spiegelt sich darauf; die Zunge ist weiß

belegt und die Eingeweide sind verstopft. Der Kranke liegt am liebsten

ruhig auf dem Rücken und zuweilen treten Delirium und Ohnmachten ein.

+Ursachen+ -- dieser Krankheit bestehen in der Regel in Erkältung,

Wunden, Schlägen, Angst oder großer Demüthigung; häufig ist sie auch

die Folge eines heftigen Rheumatismus oder der Gicht.

+Behandlung.+

=Eclectische und Kräuterkur.= Zur Hervorbringung von Schweiß

sollte alle halbe oder ganze Stunde ein Theelöffel voll von der

zusammengesetzten Tinktur der virginischen Schlangenwurzel (~Compound

tincture of Virginia snake root~) und gleichzeitig ein warmer

Aufguß der Pleuresie- (~Pleurisy~) Wurzel gegeben werden; damit

sollte zwei bis drei Stunden oder auch länger angehalten werden,

bis Linderung eintritt. Sind die Eingeweide verstopft, so gebe man

die zusammengesetzte Jalappenwurzel-Tinktur (~Compound tincture of

jalap~) und füge jeder Dosis 10 Grane Cremor Tartari (~Cream of

tartar~) bei. Auch lege man Senfpflaster auf die Füße, über die Brust

in der Gegend des Herzens und ebenso auf den Rückgrat. Bewältigt

diese Kur die Krankheit nicht, so sollten mehrere Male des Tages

warme Bäder in Laugenwasser genommen werden, gleichzeitig gebe man

folgendes:

Jasmin-Tinktur (~Tincture of gelseminum~) 4 Drachmen.

Eisenhut-Wurzel (~Tincture of aconite root~) 1 Drachme.

Mische es und gebe davon 15 bis 30 Tropfen alle halbe oder ganze

Stunde, bis der Kranke Linderung darnach verspürt. Zur Auftrocknung

der Flüssigkeit innerhalb des Herzens ist ein Aufguß von Haarmoos

(~Haircap moss~) sehr dienlich. Gegen Unruhe, Mangel an Schlaf, mögen

8 bis 10 Grane des zusammengesetzten Pulvers von Brechwurz (~Ipecac~)

und Opium gegeben werden.

=Homöopathisch.= ~Aconitum~ -- sollte bei jedem Falle zuerst gegeben

werden. Ebenso ~Bryonia~ bei stechenden Schmerzen in der Brust, durch

Athmen und Bewegung erhöht, sehr schnellem und schmerzhaftem Athem,

trockenem, krampfartigem Husten, scharfem Schmerz, der sich bis

zwischen die Schultern und rückwärts bis zwischen die Schulterblätter

erstreckt.

~Digitalis.~ -- Scharfes Stechen und zusammenziehender Schmerz in

der Gegend des Herzens, Herzklopfen durch Sprechen, Bewegung oder

Niederlegen verursacht, ein beängstigendes und beklemmendes Gefühl in

der Brust, häufige Anwandlungen von Ohnmacht, allgemeine Schwäche,

unbehagliches Gefühl auf der linken Seite der Brust, das sich häufig

bis zu den Schultern und Armen ausdehnt. Andere Mittel sind: ~Nux

Vomica~, ~Cocculus~, ~Arsenic~, ~Pulsatilla~ und ~Cannabis~.

+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse man 12

Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe jede Stunde,

oder alle zwei, drei bis vier Stunden, der Strenge der Symptome

angemessen, einen Theelöffel voll.

=Allöopathisch.= Wenn der Kranke von starkem, kräftigem Körperbau

ist, so müssen beim Beginn der Krankheit Aderlässe gemacht werden;

ist aber der Patient schwächlich, so mögen statt dessen Blutegel

in der Gegend des Herzens angesetzt werden. Zuerst gebe man sodann

eine Dosis Bitter- oder Rochellesalz (~Epsom or Rochelle salts~)

oder auch citronensaure Magnesia (~Citrate of magnesia~) und lasse

diesem Calomel (~Calomel~) und Opium -- von jedem ½ Gran -- folgen.

Dreimal des Tages eine Dosis. Wo Rheumatismus die Ursache ist, gebe

man folgendes.

Kohlensaure Potasche (~Carbonate of potassa~) 2½ Drachmen.

Salpetersaure Potasche (~Nitrate of potassa~) 2½ „

Wasser 8 Unzen.

Mische es. Dosis: Dreimal des Tages einen Eßlöffel voll. Wenn das

Fieber zunimmt, kann ein Pflaster über das Herz gelegt werden.

Doverische Pulver (~Dover’s powder~) sind bei Unruhe des Nachts

anzuwenden.

Herzklopfen.

Dies ist ein Leiden, das als ein Symptom einer organischen Krankheit

des Herzens betrachtet, oder das einer allgemeinen Nervenschwäche,

Verdauungsschwäche (~Dyspepsia~) oder irgend einer anderen Krankheit

zugeschrieben werden kann.

+Symptome.+ -- Eine erhöhte, stärkere und schnellere Thätigkeit des

Herzens, ein sehr schneller Schlag und eine flatternde Bewegung, die,

wenn man die Hand auf die Brust legt, deutlich gefühlt werden kann, ist

vorhanden. Kurzathmigkeit, Gefühl von Schmerz in der Nähe des Herzens,

ebenso ein Zusammenziehen quer über die Brust, blasses Gesicht,

Schwierigkeit beim Niederlegen, sehr große Schwäche.

+Ursachen.+ -- Herzklopfen ist gewöhnlich die Folge von

Verdauungsschwäche (~Dyspepsia~), oder irgend einer Störung der

Verdauungsorgane, auch große geistige Aufregung, Unmäßigkeit,

Nervenschwäche, übermäßige Studien, geschlechtliche Ausschweifungen &c.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Jemand, der davon befallen wird, sollte sich auf seinen

Rücken legen und die Lungen durch tiefe Athemzüge mit Luft füllen.

Personen, die damit behaftet sind, müssen ihre Aufmerksamkeit auf

solche Dinge richten, welche Beschäftigung ohne geistige Erregung

bieten, wie Musik, häusliche Verrichtungen, Zeichnen, Tanzen,

Gärtnerei, Reden und heitere Gesellschaft. Die Kost muß geregelt

werden und sollte nahrhaft aber nicht reizend sein. Starker Thee,

Kaffee, Spirituosen und Tabak sind zu vermeiden.

=Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes soll sofortige Linderung

gewähren:

Castor-Tinktur, Schwefel-Aether und zusammengesetzter Lavendel-

(~Lavender~) Spiritus, von jedem eine Unze. Mische es.

Dosis: Alle fünf bis zehn Minuten einen Theelöffel voll, bis

Linderung eintritt.

Fingerhut- (~Digitalis~) Tinktur, in Dosen von 10 bis 15 Tropfen,

drei- bis viermal des Tages wird zuweilen von gutem Erfolg gefunden

werden. Ist Magensäure vorhanden, so gebe man Magnesia, präparirte

Holzkohle (~prepared charcoal~) oder kohlensaures Ammoniak.

Branntwein oder andere Spirituosen mit ein wenig Cayennepfeffer wird

zuweilen sofortige Linderung gewähren.

=Homöopathisch.= Wenn das Herzklopfen durch Schreck verursacht

wurde, gebe man ~Opium~ oder ~Coffea~. Ist Furcht und Angst die

Ursache, gebrauche man ~Veratrum~. Von plötzlicher Freude, ~Coffea~.

Von Blutverlust oder andern Ausleerungen, ~China~, ~Phosphoric

acid~, ~Nux Vomica~ oder ~Veratrum~. Trifft es nervöse Personen

und hysterische Frauenzimmer, ~Coffea~, ~Ignatia~, ~Chamomilla~,

~Cocculus~, ~Pulsatilla~, ~Lachesis~ oder ~Veratrum~. Bei

Blutandrang, ~Aconitum~, ~Belladonna~, ~Coffea~, ~Phosphorus~,

~Opium~ oder ~Ferrum~. Bei Täuschung, ~Aconitum~, ~Ignatia~, ~Nux

Vomica~ oder ~Chamomilla~. Bei jungen, heranwachsenden Leuten

~Aconitum~ oder ~Pulsatilla~, bei alten ~Arsenicum~ oder ~Lachesis~.

Leidet Jemand an zeitweiligem Herzklopfen, so sind folgende Mittel

zu geben: ~Pulsatilla~, ~Arsenicum~, ~Lachesis~, ~Aconitum~,

~Phosphorus~, ~Aurum~ oder ~Sulphur~.

+Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen von den gewählten

Mitteln in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle halbe, ganze, 2, 3

oder 4 Stunden, der Strenge des Anfalls angemessen, einen Theelöffel

voll. Bei chronischen Fällen kann Morgens und Abends eine Dosis des

gewählten Heilmittels gegeben werden. Werden die Kügelchen genommen,

so gebe man 4 bis 6 auf eine Dosis.

=Allöopathisch.= Liegen dem Herzklopfen Verdauungsschwäche

(~Dyspepsia~), Hysterie oder andere Krankheiten zu Grunde, so ist

die Behandlung der Letzteren erforderlich. Bei Blutmangel gebe man

folgendes:

Zusammengesetzte Chinarinden-Tinktur (~Compound

tincture of peruvian bark~) 4 Unzen.

Citronensaures Eisen (~Citrate of iron~) 42 Grane.

Citronensäure (~Citric acid~) 20 „

Löse die Citronensäure in der Tinktur und füge dann das citronensaure

Eisen hinzu. Lasse die Mischung einige Tage stehen und seihe sie dann

durch. Dosis: ein oder zwei Theelöffel voll. Dies kann durch mehrere

Wochen fortgesetzt werden, bis Besserung eintritt. Mit Kampher

getränkte Opium-Tinktur, in Dosen von einer Drachme gegeben, wird

zuweilen Linderung gewähren.

Brustbeklemmung (~Breast Pang~ -- ~Angina Pectoris~)

ist eine schmerzhafte Nervenkrankheit und kennzeichnet sich durch einen

starken Schmerz in der Gegend des Herzens, die Krämpfe herbeiführt. Sie

sollte von einem Arzte behandelt werden.

+Symptome.+ Der Schmerz schießt von der Brust durch den Rücken und

in die linke Schulter, zuweilen unter den Arm, und ist begleitet von

großer Beängstigung, Herzklopfen und einem Gefühle von Erstickung.

Das Gesicht wird todtenbleich, der Puls sinkt und die Oberfläche des

Körpers ist mit kaltem Schweiße bedeckt. Zuweilen dehnt sich der

Schmerz über die ganze vordere Seite der Brust aus, steigt bis zum

Kopf und erstreckt sich bis auf die Beine. Dem Patienten scheint es

nicht selten, daß er nicht länger mehr leben kann, wenn nicht alsbald

Linderung eintritt. Zuweilen endigen derartige Anfälle mit Verzuckungen

und Ohnmachten. Der Anfall kann einige Minuten bis eine halbe Stunde

oder auch länger dauern. In den Zwischenräumen der Anfälle ist der

Patient in der Regel frei von jedem Schmerz.

+Ursachen.+ Zuweilen ist es einer zusammenziehenden oder krampfartigen

Wirkung des Herzens zuzuschreiben und befällt jene, die an

Rheumatismus, Gicht oder Schlagfluß leiden. Oefters hängt es auch

von organischen Krankheiten des Herzens oder der Arterien ab. Die

hervorragendsten Ursachen sind alles das, was die Circulation des

Blutes beschleunigt, den Geist und Körper erregt, Husten, Anstrengung,

Bergaufsteigen und irgend etwas, was die Verdauung stört.

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Herzklopfen und große Beängstigung,

Fieberhitze, besonders im Gesicht, schneller Herzschlag bei langsamem

Puls, Stechen und drückende Schmerzen in der Gegend des Herzens, wie

von einer schweren Last, der Patient kann aufrechtstehend nicht gut

athmen.

~Belladonna.~ -- Herzklopfen bei unregelmäßigem Puls, große

Beängstigung, Brustbeklemmung. Kann nach ~Aconitum~ oder vor

~Lachesis~ gegeben werden.

~Spigelia.~ -- Heftiges Schlagen des Herzens, mit einem Gefühl von

Erstickung und Brustkrämpfe durch Sitzen und Vorwärtsbeugen der Brust

erhöht. Kann abwechselnd mit ~Pulsatilla~ gegeben werden.

~Pulsatilla.~ -- Herzklopfen und große Angst, Verdunklung des

Blickes, schwieriges Athmen, besonders beim Liegen auf der linken

Seite, Angst und brennender Druck im Herzen.

~Bryonia.~ -- Schwieriges Athmen in Folge von Stechen in der Brust,

Herzklopfen und sehr starke Beklemmung. Mag nach ~Aconitum~ gegeben

werden, wenn heftige rheumatische Gliederschmerzen sich nach dem

Herzen gezogen haben.

~Arsenicum.~ -- Heftiges Schlagen des Herzens bei großer Angst und

Unruhe, große Hitze und Brennen in der Brust bei kalten Gliedern. In

solchen Fällen gebe man es abwechselnd mit ~Veratrum~.

~Arnica.~ -- Stechen im Herzen von der linken nach der rechten Seite,

Ohnmachtsanfälle, Zittern des Herzens mit einem Schmerz, als ob es

zusammengedrückt würde.

~Lachesis.~ -- Unregelmäßiger Herzschlag, große Beängstigung mit

einer Schwere auf der Brust, große Schwäche.

+Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen des gewählten Mittels

in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe alle halbe oder ganze

Stunde, bis Erleichterung eintritt, einen Theelöffel voll. Wenn nach

Verlauf von 1 bis 2 Stunden keine Linderung eintritt, so wähle ein

anderes Heilmittel und gebe es in derselben Weise. Ein Senfpflaster

kann auf die Brust gelegt, die Füße müssen in heißem Wasser gebadet

und der Kranke sollte wohl zugedeckt werden.

=Allöopathisch.= Ist der Puls stark und der Kranke vollblütig, sollte

Aderlaß verordnet werden, aber bei Hinfälligkeit und allgemeiner

Schwäche würde dies schädlich sein. Heißer Spiritus und Wasser,

so heiß und so stark als er vertragen werden kann, kann gegeben

werden, dem man eine volle Dosis Schwefeläther (~Sulphuric ether~),

Belladonna-Tinktur und Laudanum oder flüchtiges Salz (~Sal volatile~)

nachfolgen lassen kann. Der Kranke sollte ins Bett gebracht und ein

heißes Senfpflaster oder ein Stück Flanell, mit gleichen Theilen

Terpentinöl (~Spirits of turpentine~) und Ammoniak-Liquor (~Liquor

of ammonia~) befeuchtet, auf die Brust gelegt werden, und zu

gleicher Zeit gebe man 5 Grane Quecksilber (~Mercury~), dem man die

zusammengesetzte Aloe-Tinktur (~Compound tincture of aloe~) 1 Unze,

Jalappenwurzel-Tinktur (~Tincture of jalap~) 2 Drachmen und einen

Aufguß von Sennesblättern (~Infusion of senna~) ½ Unze, folgen

läßt. Gegen Magenblähungen gebe man Pfeffermünz- oder Aniswasser. Bei

Magensäure einen Theelöffel voll Soda in einem Glas voll Wasser, und

wenn der Magen mit unverdauten Speisen angefüllt ist, so gebe einen

Eßlöffel voll gemahlenem Senf (~Ground mustard~), in einem Tassenkopf

voll heißen Wassers umgerührt. Um den Kranken zu beruhigen, mag ein

Sechstel Gran Morphin oder das folgende gegeben werden:

Aromatischer Ammoniak-Spiritus (~Aromatic spirits

of ammonia~) 2 Drachmen.

Aether (~Ether~) 1 Drachme.

Laudanum 20 Tropfen.

Kampher-Spiritus (~Spirits of camphor~) 1 Drachme.

Mische es und gieb davon so oft als nöthig einen Theelöffel voll.

Unser Familien-Arzt · 第 21 / 51 段