=Allöopathisch.= Der Mund mag mit Salz und Wasser, und zwar im

Verhältniß von einem Theelöffel voll Salz auf ein halbes Pint Wasser,

gewaschen werden.

Die Eingeweide sollten dabei mit folgendem in Ordnung gehalten werden:

Pulverisirter Rhabarber (~Powdered rhubarb~) 15 Grane.

Magnesia 15 „

Pfeffermünzwasser (~Peppermint~) 10 Drachmen.

Mohnsaft (~Laudanum~) 15 Minims.

Flüchtiges Salz (~Sal volatile~) 20 „

Ingwersyrup (~Syrup of ginger~) 1 Drachme.

Rhabarbertinktur (~Tincture of Rhubarb~) 1 „

Mische und nimm es als eine Dosis.

Wenn die Zahnfleischschwären durch einen schadhaften Zahn

hervorgerufen werden, so sollte man denselben ausziehen lassen.

=Homöopathisch.= ~Aconitum~ und ~Belladonna~ -- abwechselnd, wenn

beträchtliche Entzündung und Anschwellung bei Hitze und Schmerz, alle

2 Stunden eine Dosis, bis Linderung eintritt.

~Mercurius.~ -- Bei klopfendem und schlagendem Schmerz. Kann

abwechselnd mit ~Hepar Sulphur~ gegeben werden.

~Silicea.~ -- Wenn die vorhergehenden Mittel ohne Erfolg gegen das

Wachsen des Geschwüres angewendet werden und sich Eiter gebildet hat.

~Aconitum~ und ~Chamomilla~ -- abwechselnd zu geben, wenn die

Zahnfleischschwären in Folge von Entzündung beim Durchbruch des

Weisheitszahnes entstehen.

+Verordnung der Heilmittel.+ Während der Entzündung mögen die Mittel

alle Stunden einmal und nachher alle zwei Stunden gegeben werden.

Von ~Silicea~ oder ~Calcarea~ gebe jeden Abend und jeden Morgen eine

Dosis.

Entzündung und Anschwellen der Zunge

kennzeichnet sich durch Schmerz, Hitze und Anschwellen mit Trockenheit

des Mundes und überreichen Speichelfluß. Sie kann so anschwellen, daß

der Mund ganz gefüllt ist, wodurch das Schlucken und Sprechen sehr

erschwert wird, und Erstickung droht.

+Symptome.+ Zuerst innerliche Schmerzen und Anschwellen der Zunge. Der

Patient fröstelt, ist appetitlos, leidet an verdorbenem Magen, dumpfe

Schmerzen im Kopfe und Rücken, Hitze der Haut, sehr schnellen Puls,

klopfender und stechender Schmerz in der Zunge.

+Ursachen.+ Unmittelbare Beschädigungen, wie von verbrennenden

Getränken, Wunden oder Verbrühungen, Bisse oder Stiche von giftigen

Insekten, Speichelfluß nach Quecksilber, Pocken.

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= ~Aconitum~ -- Beim Beginn der Krankheit, wenn das

Fieber und die Entzündung stark und von heftigen, schneidenden

Schmerzen begleitet sind.

~Aconitum~ und ~Arnica~ -- abwechselnd, wo die Entzündung von

örtlichen Verletzungen herrührt. Abwechselnd jede Stunde oder alle 2

Stunden.

~Mercurius.~ -- Dies ist das wichtigste Mittel bei heftigem Schmerz,

Anschwellen und Verhärtung, die Zunge roth, trocken oder feucht,

Puls rasend schnell und ungehindert, Athem beschwerlich, klopfende

oder stechende Schmerzen in der Zunge und der Mund und Hals von der

Geschwulst angefüllt, schlimmer des Nachts, schnelles Sinken der

Lebenskraft.

~Belladonna.~ -- Gesicht roth, Augen mit Blut unterlaufen, Zunge

entzündet, roth trocken und geschwollen, heftiges Schlagen der Adern

des Nackens und der Schläfe, klopfender Schmerz im Kopfe, Haut heiß

und trocken, Augen gegen Licht empfindlich, klopfende, schießende,

ziehende Schmerzen in der Zunge, Gefühl von Erstickung.

~Mercurius~ und ~Belladonna~ -- kann abwechselnd gegeben werden, wenn

eins oder das andere, allein gegeben, keine Linderung verschafft.

~Aurum Muriaticum~, Potaschen-Hydriodat (~Hydriodate of potassa~),

~Acidum Nitri~ oder ~Hepar Sulphuris~. -- Wenn das Anschwellen von

der Anwendung des ~Mercurius~ herrührt.

+Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen des gewählten Mittels

in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe jede Stunde oder auch alle

zwei bis drei Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen

Theelöffel voll.

In Fällen, daß die Anschwellung so bedeutend wird, daß Erstickung zu

befürchten steht, so zögere man nicht, nehme ein Messer und mache

einen Einschnitt längs der Zunge, indem dadurch der Andrang des

Blutes gelindert wird.

Mundkrebs (~Stomacace~).

Diese Form eines bösen Mundes wird in der Regel bei Kindern von 5 bis

10 Jahren gefunden und von Einigen für ansteckend gehalten. Es ist eine

Entzündung der Schleimhaut des Mundes, über welche sich eine gelbliche

Flüssigkeit ergießt, die, wenn sie nicht eingehalten wird, eine sehr

zerstörende Form annimmt und tiefe schwarze Geschwüre verursacht.

+Symptome.+ Zuerst Schmerz und ein unbehagliches Gefühl im Zahnfleisch,

das bald heiß, trocken und sehr empfindlich wird, begleitet von

Ermattung, Unlust zum Spiel oder zur Bewegung, Appetitlosigkeit, Durst,

das Zahnfleisch schwillt an, wird schwammig und blutet bei Berührung.

Die innere Fläche der Wangen und des Zahnfleisches ist mit Flecken

falscher Haut, unter denen Eiter erscheint, bedeckt. Bei einigen Fällen

fehlt die falsche Haut, der Eiter hat ein gräuliches oder schwarzgelbes

Ansehen. Ist die Krankheit heftig, so schwellen die Drüsen unter dem

Gaumen an, werden hart und schmerzhaft, der Athem wird sehr widerwärtig

und die Absonderung des Speichels erhöht sich beträchtlich. Zuweilen

werden auch die Zähne locker und fallen aus. Auch kann ein überreicher

Auswurf eines widerwärtigen, blutigen Eiters aus dem Munde stattfinden,

der Athem stinkend, fast knochenfraßartig werden. Die Bewegungen des

Gaumens werden steif und können durch Anschwellung ganz verhindert

werden, gleichzeitig von bösem Nacken und Hals begleitet. Die Kräfte

des Kranken sinken rasend schnell und er wird außerordentlich hinfällig.

+Behandlung.+

=Allöopathisch.= Sind die Eingeweide verstopft oder nicht gehörig

in Ordnung, so gebe man ein wenig Calomel, dem man einige Stunden

darauf eine Dosis Castoröl folgen lassen kann. Potaschen-Chlorid

(~Chloride of potassa~) ist bei dieser Krankheit ein wichtiges

Mittel. Man bediene sich einer Waschung zusammengesetzt aus 3 Granen

Potaschen-Chlorid, welches in einer hinreichenden Menge versüßten

Wassers aufgelöst wird. Kann einem drei Jahre alten Kinde und 5 Grane

einem Kinde von acht bis neun Jahren gegeben werden.

Wenn die Eiterbeulen langsam heilen, mögen sie mit einer Lösung von

Borax und Wasser 15 Grane auf eine Unze, oder Chlorkalk (~Chloride

of lime~), oder auch mit einer schwachen Lösung von salpetersaurem

Silber (~Nitrate of silver~) -- ein Gran auf eine Unze, gewaschen

werden.

Folgendes wird von Dr. Dewees als eine Waschung der Eiterbeulen

empfohlen:

Schwefelsaures Kupfer (~Sulphate of copper~) 10 Grane.

Pulverisirtes Chinchona 2 Drachmen.

Pulverisirtes Mutterzimmtharz (~Pulv. Gum Cassia~) 1 Drachme.

Honig 2 Drachmen.

Wasser 3 Unzen.

Die Eiterbeulen sollten hiermit zweimal des Tages vermittelst eines

Kameelhaarpinsels bestrichen werden.

Folgendes ist ein ausgezeichnetes Waschmittel:

Schwefelsaures Kupfer (~Sulphate of copper~) ½ Drachme.

Wasser 1 Unze.

Zweimal des Tages auf die Beulen zu bringen.

Oder auch:

Weißes Vitriol (~White vitriol~) 1 Unze.

Weiches Wasser 2 Drachmen.

Mische es und füge hinzu:

Honig 2 Drachmen.

Myrrhen-Tinktur (~Tincture of myrrh~) 2 „

Zweimal des Tages anzuwenden.

Nachdem die Entzündung nachgelassen hat, möge folgendes angewendet

werden:

Weißeichenrinde (~White oak bark~) 1 Unze.

Wasser 1 Pint.

Koche und seihe es durch, füge ferner hinzu:

Alaun (~Alum~) 1 Skrupel.

Mit einem weichen Schwamme wasche man hiermit die Eiterbeulen mehrere

Male des Tages.

=Eclectische und Kräuterkur.= Der Mund sollte öfters mit einem warmen

zusammenziehenden Aufguß ausgespült werden, wozu folgendes dienen mag:

Gelbwurz (~Golden seal~) }

Geranium (Storchschnabel) } Gleiche Theile.

Alaun (~Alum~) }

Oder:

Ein Aufguß von Rothwurzel (~Red root~), Rüsterrinde (~Witch hazel

bark~) und Geranium.

Eisenchlor-Tinktur (~Tincture of chloride of iron~) ist ein

schätzenwerthes Mittel zur äußerlichen Anwendung. Wird das Kind

schwach, so kann schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) oder

Wein gegeben werden.

=Homöopathisch.= ~Mercurius.~ -- Dieses Heilmittel ist fast in jedem

Falle mit Erfolg anwendbar und kann bei Beginn der Krankheit gegeben

werden, ausgenommen wenn sie durch ~Mercurius~ veranlaßt sein sollte,

in welchem Falle dann ~Carbo Vegetabilis~, ~Hepar Sulphuris~ oder

~Acidum Nitri~ zu geben ist.

~Nux Vomica.~ -- Eiterbeulen faulig und schmerzhaft, Anschwellen

des Zahnfleisches, stinkender Eiter ist über die ganze Mundfläche

verbreitet. Verstopfung ist vorhanden.

~Arsenicum.~ -- Eiterung der Zungenränder, heftige brennende

Schmerzen, geschwollenes Zahnfleisch, leicht blutend, große Unruhe

und einem öfteren Verlangen zu trinken.

~Capsicum.~ -- Besonders bei starken Personen, die ein ruhiges Leben

führen und wo Blasen oder Bläschen auf der Zunge vorhanden sind mit

Anschwellen des Zahnfleisches verbunden.

~Acidum Nitri.~ -- Wenn ~Mercurius~ keine Linderung verschafft oder

wenn das Zahnfleisch anschwillt, weißlich licht und leicht blutend,

begleitet von einem Lockerwerden der Zähne, Speichelfluß von fauligem

Geruch aus dem Munde.

~Carbo Vegetabilis.~ -- Eiterung des Zahnfleisches und der Zunge

bei starker Blutung, begleitet von einem brennenden Gefühle und

außerordentlich üblem Geruch des Eiters.

~Sulphur~ -- wird am Ende der Kur gegeben, wenn Anschwellen des

Zahnfleisches verbunden mit schlagendem Schmerz, Blasen, welche

beim Essen brennen, widerwärtiger oder saurer Geruch aus dem Munde,

Verstopfung oder grüne schleimige Diarrhöe.

Behufs Waschung bediene man sich kalten Wassers, zuweilen

Citronensafts, Salbei- (~Sage~) Thee; auch eine schwache Mischung von

Branntwein mit Wasser wird sich bewähren.

+Verordnung der Heilmittel.+ Löse von dem gewählten Mittel 12

Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe, der Heftigkeit

der Symptome angemessen, alle zwei, drei oder vier Stunden einen

Eßlöffel voll.

Scharbock, Scorbut (~Scurvy~, ~Scorbutus~)

ist eine Krankheit, die auf einem verdorbenen Zustande der Säfte

beruht und die sich bis zur Eiterung und Auflösung der festen Theile

ausstreckt. Er wird am häufigsten im Felde, in belagerten Städten, auf

Schiffen, die lange Reisen machen, gefunden, überhaupt überall da, wo

den Menschen frische Lebensmittel versagt und sie der Feuchtigkeit und

Kälte ausgesetzt sind. Auch beständige Kost salziger Nahrungsmittel

und geräucherten Fleisches, sowie auch Unterdrückung von regelmäßigen

Ausflüssen, wie die monatlichen Regeln, sind zuweilen Ursache.

+Symptome.+ -- In der Regel bestehen die ersten Symptome in Erweichung,

Eiterung, Blutung und Anschwellen des Zahnfleisches, das schwammig und

die Ursache eines verdorbenen Athems wird. Die Glieder schwellen an

und eine große geistige und körperliche Schwäche, Ermüdung nach der

geringsten Bewegung tritt ein. Dunkle, purpurne Flecken erscheinen

an verschiedenen Theilen des Körpers, Blutungen aus der Nase, dem

Hals, dem Magen und den Eingeweiden finden statt und das Gesicht

nimmt eine Bleifarbe an und ist mit Blut unterlaufen. Die Eingeweide

sind verstopft und an verschiedenen Stellen des Körpers erscheinen

Eiterbeulen, die Gelenke schwellen an und werden straff. Die Haut

ist trocken und der Puls klein und schwach; zuweilen brechen alte

längst vernarbte Wunden wieder auf und ganz hinfällig in Folge von

Blutflüssen, Diarrhöe u.s.w. stirbt der Kranke.

+Ursachen.+ -- Die Entbehrung von Pflanzenstoffen, welche zur

Erhaltung der Gesundheit nothwendig sind, solche Ursachen, welche das

Nervensystem herabstimmen, Einfluß von Kälte und Feuchtigkeit, Mangel

an Bewegung und übermäßige Ermüdung.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Die Ursachen der Krankheit müssen gehoben werden,

sind diese z. B. eingesalzene Nahrungsmittel, so müssen frische an

deren Stelle gesetzt werden. Man lasse den Kranken Ueberfluß an

frischen Früchten, Gemüsen, Orangen, Citronen, Aepfelwein (~Cider~),

Sprossenbier, Sauerkraut, Erdbeeren, Aepfel &c. genießen. Kartoffel

sind während dieser Krankheit ein wichtiger Bestandtheil der Kost,

mögen sie nun einfach gekocht, oder geröstet mit Essig gegessen

werden. Eine Auflösung von Citronensäure, versüßt, dem ein wenig

Essig oder Porter beigefügt wird, wird zuträglich sein, ebenso hat

sich 2 bis 4 Unzen Salpeter (~Nitre~), aufgelöst, und ein Quart

Essig als ein vorzügliches Heilmittel bewährt. Kalksaft (~Lime

juice~) ist ein wichtiger Bestandtheil der Kost und sollte, mit der

dazu erforderlichen Menge Zucker gemischt, täglich gegeben werden.

Milch und Rindfleischbrühe mögen zur Nahrung dienen, wenn der Kranke

wegen des wehen Zahnfleisches keine festeren Speisen genießen kann.

Der Kranke sollte sich vollständig ruhig verhalten, da zuweilen die

geringste Bewegung eine schlimme Wendung verursachen kann.

=Eclectische und Kräuterkur.= Sollte das Zahnfleisch in Eiterung

übergehen, gebrauche man folgendes:

Myrrhen (~Myrrh~) 1 Unze.

Aloe 1 „

Lakritzen-Extrakt 1 „

Pulverisire es und füge acht Unzen oder zwei Theetassenkopf voll

heißes Wasser hinzu. Mische es und wenn erkaltet, gieße das ganze

in eine Flasche und gebe ein wenig guten Branntwein hinzu. Lasse

die Mischung vier oder fünf Tage lang stehen, seihe es dann durch

ein Stück Flanell und gebrauche es viermal des Tages als Waschung.

Bei Diarrhöe kann ein Aufguß von Brombeeren-Wurzel (~Black berry

root~) oder Geranium (Storchschnabel) gegeben werden. Gegen Säure im

Magen kann zusammengesetztes Rhabarber- (~Rhubarb~) und Potaschen-

(~Potassa~) Pulver gegeben werden. Ein Preiselbeer- (~Cranberry~)

Umschlag über die Eiterbeulen wird sehr zuträglich gefunden werden.

Bei Schmerzen und Zusammenziehungen der Glieder, Anschwellen der

Gelenke bediene man sich Bähungen von bitteren Kräutern (~bitter

herbs~) und reizender Salben.

Sobald der Kranke wieder zu genesen anfängt, können stärkende Mittel

erforderlich werden, wie:

Salzsaure Eisen-Tinktur (~Tincture of muriate of iron~) in Dosen

von 20 bis 30 Tropfen zwei- oder dreimal des Tages in einem Aufguß

von Gelbwurz (~Golden seal~), Enzian (~Gentian~) oder Bitterwurzel

(~Quassia~).

=Homöopathisch.= ~Mercurius.~ -- Wenn nicht zuvor gebraucht, bei

folgenden Symptomen: Rothes, schwammiges, eiterndes und leicht

blutendes Zahnfleisch, begleitet von brennenden Schmerzen des Nachts,

Lockerwerden der Zähne bei üblem Geruch aus dem Munde, übermäßige

Absonderung eines widerwärtigen und blutigen Speichels, dunkelrother

Urin, große Erschöpfung und Schwäche.

~Carbo Vegetabilis.~ -- Besonders bei Personen, welche zu viel Merkur

genommen haben, oder bei brennenden Eiterbeulen im Munde, welche

häufig bluten und einen ätzenden, übelriechenden Eiter absondern.

~Arsenicum.~ -- Eiterungen an den Rändern der Zunge bei heftig

brennenden Schmerzen, geschwollenem und leicht blutendem Zahnfleisch,

große Hinfälligkeit und Unruhe, Eiterbeulen schwarz und schwarzgelb,

Haut bläulich, kalt und sehr trocken. Andere Heilmittel sind:

~China~, ~Hamamelis~, ~Acidum Sulphuris~, ~Secale~ und ~Phosphorus~.

+Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in einen

Theetassenkopf voll Wasser aus und gebe alle 2, 4 oder 6 Stunden

einen Theelöffel voll.

=Allöopathisch.= Zuweilen wird eine Waschung mit einer Auflösung

von Tannicsäure (~Tannic acid~) oder Myrrhen- (~Myrrh~) Tinktur und

verdünnter Glycerin oder Alaun (~Alum~), Branntwein und Wasser gegen

das Zahnfleisch gebraucht.

Folgende Pillen mögen gegeben werden:

Blaue Pillen (~Blue pill~) 1 Skrupel.

Zusammengesetzte Rhabarberpillen (~Rhubarb~) 2 „

Mische es und theile es in 12 Pillen. Dosis: gelegentlich eine oder

zwei.

Weinsteinsaures oder chlorsaures Potaschensalz (~Tartrate or chlorate

of potassa~), in dem Verhältniß von einer Drachme auf ein Pint Wasser

aufgelöst, kann täglich genommen werden.

Als ein stärkendes Mittel ist folgendes empfohlen:

Rindenabkochung (~Decoction of bark~) 7 Unzen.

Zusammengesetzte Rindentinktur (~Compound tincture

of bark~) 6 Drachmen.

Orangenschalensyrup 2 „

Verdünnte Schwefelsäure (~Dilute sulphuric acid~) 1 Drachme.

Mische es. Dosis: dreimal des Tages einen Eßlöffel voll.

Sind die Eingeweide verstopft, so trinke man nach Belieben Cremor

Tartari (~Cream of tartar~) in Wasser aufgelöst. Bei Schlaffheit der

Eingeweide wende man Morphium, Laudanum, Campescheholz- (~Logwood~)

Thee oder Geranium an.

Chinin (~Quinine~) ist ein vorzügliches Mittel gegen diese Krankheit

und kann in Dosen von je 2 oder 3 Granen zwei- bis dreimal des Tages

gegeben werden.

Speichelfluß (~Salivation -- Ptyalism~)

wird durch Mißbrauch des Quecksilbers (~Mercury~) und durch

Erkältung hervorgerufen, oder begleitet zuweilen Fieberanfälle, wie

Scharlachfieber, rührt auch zuweilen von angegriffenen Zähnen her.

+Symptome.+ Uebermäßige Speichelabsonderung, die Drüsen des Mundes und

Halses geschwollen und entzündet, in schlimmen Fällen von Lockerwerden

oder Ausfallen der Zähne, Eiterung des Halses, des Zahnfleisches und

der Zähne, sowie Anschwellen der Zunge begleitet.

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= ~Hepar Sulphuris~, ~Lachesis~, ~Acidum Nitri~,

~Belladonna~, ~Opium~ oder ~Sulphur~. -- Wenn der Speichelfluß von

~Calomel~ oder irgend einem Quecksilber- (~Mercurius~) Präparat

herrührt.

~Mercurius.~ -- Ist der Speichelfluß durch Erkältung hervorgerufen,

sowie auch bei schmerzhaftem Anschwellen der Drüsen des Mundes,

Uebelriechender Absonderung aus dem Munde, Eiterbeulen auf der

inneren Seite der Wangen.

+Verordnung der Heilmittel.+ -- Man löse 12 Kügelchen in 12

Theelöffel voll Wasser und gebe alle 2, 3 oder 4 Stunden einen

Theelöffel voll.

Zum Waschen bediene man sich nichts anderem als Wasser und Milch.

=Eclectische und Kräuterkur.= Wenn Quecksilber die Ursache des

Speichelflusses ist, sollte Schwefel (~Sulphur~) und Cremor Tartari

(~Cream of tartar~), 2 Theile von dem ersteren und ein Theil von dem

letzteren genommen werden. Mische es mit ein wenig Molasses oder

Honig. Dosis: einen Theelöffel voll zwei- oder dreimal des Tages.

Man nehme ferner Schwefel in den Mund und zwar so, daß er mit

den angegriffenen Theilen in Berührung kommt. Das Besprengen der

Eiterbeulen mit pulverisirter rother Kreide (~Red chalk~) hat sich

zuweilen bewährt.

Zum Gurgeln bediene man sich:

Salbei (~Sage~) 2 Unzen.

Hartriegelblätter (~Privet leaves~) 2 „

Gelbwurz (~Golden seal~) 2 „

In zwei Pint Wasser eingekocht, durchgeseiht und einen Theelöffel

voll gebrannten ~Alaun~, sowie dieselbe Menge Borax.

Schwierigkeit beim Sprechen -- Stammeln.

Das Stammeln besteht in einer gestörten deutlichen, fließenden

Aussprache, und wird in der Regel von einem Ausdruck der Anstrengung

und Verzerrung der Mienen, auf dem Gesicht erkennbar, begleitet.

Zuweilen ist Mißbildung der Zunge oder anderer Sprechorgane die Ursache.

Die Kur liegt gewöhnlich im Bereich der Möglichkeit und ist zuweilen

sehr leicht, denn das Hinderniß erwächst nicht selten aus der

Anstrengung, während des Athemschöpfens zu sprechen. Der Patient sollte

daher, bevor er zu sprechen beginnt, die Brust gehörig mit Luft füllen,

und sodann ein Wort nach dem andern langsam und deutlich auszusprechen

suchen. Der Stammelnde muß, gerade wie beim Singen, nach jedem Worte,

sowohl beim Lesen als Sprechen, eine Pause machen. Reicht dies nicht

hin, so verfahre er ebenso bei den Silben, und nach einiger Zeit

versuche er es mit Worten und dann mit Sätzen. Befolgt er diese Methode

immer eine Stunde lang zu gewissen Zeiten, so wird er bald über die

Gewohnheit in vielen, wenn nicht in allen Fällen, hinwegkommen.

Solchen Leidenden sollte sowohl von Seiten der Eltern als auch der

Lehrer, besonders wenn ihnen Lectionen überhört werden, oder wenn

dieselben Auskunft über etwas zu geben haben, gütige Behandlung zu

Theil werden.

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= ~Belladonna~, ~Mercurius~, ~Lachesis~,

~Strammonium~, ~Natrum Muriaticum~, ~Ignatia~, ~Pulsatilla~ sind

Heilmittel, die eine allgemeine Empfindlichkeit des Nervensystems

vermindern.

+Verordnung der Heilmittel.+ Eine Dosis des gewählten Mittels sollte

6 Wochen jeden Morgen und Abend gegeben werden, bevor zu einem

anderen Mittel gegriffen wird.

Zehntes Kapitel.

Halskrankheiten.

Weher Hals oder gewöhnliche Halsentzündung (~Sore Throat~ -- ~Quinsy~,

~Angina Faucium~).

Diese Krankheit ist durch die Entzündung und das Anschwellen des

untern Halstheils, des Gaumens und der Mandeln gekennzeichnet, wodurch

mehr oder weniger Schwierigkeit im Athmen, sowie öfters auch Fieber

verursacht wird. Die Störung mag eine nur geringe sein, oder es mögen

sich im Halse und an den Mandeln Geschwüre ansetzen, wodurch das Uebel

ein sehr schmerzliches wird.

+Symptome.+ Diese Krankheit beginnt gewöhnlich mit Ruhelosigkeit,

Fieber, leichtem Husten und mehr oder weniger Wundheit im Halse, die

sich namentlich beim Schlucken äußert. Die Mandeln und der Hals sind

glatt und roth, im Angesicht zeigen sich Fiebersymptome, der Athem

ist kurz und schnell, die Stimme tief und das Sprechen verursacht

oft Schmerzen und Schwierigkeit; die Wangen sind geschwollen, die

Entzündung bedeutend und oft in Geschwüren an den Mandeln und

umliegenden Theilen endigend, so daß das Athmen immer schwieriger wird;

endlich brechen die Geschwüre auf. Zur genauen Untersuchung des Halses

sollte der Patient den Kopf weit zurücklegen, worauf man die Zunge mit

einem Löffelstiel herabdrückt.

Oefters werden die Mandeln durch wiederholte Anfälle chronisch

erweitert, in welchem Falle, wenn nämlich andere Mittel fehlschlagen,

dieselben von einem Wundarzte ausgeschnitten werden müssen.

+Behandlung.+

=Allöopathisch.= Ist der Puls stark und voll, und wenn der

Patient Schmerzen im Kopfe hat, so mag man Ader lassen und ein

Abführmittel -- Sennablätterthee mit schwefelsaurer Magnesia

(~Sulphate of magnesia~) geben; oder Calomel, oder Jalappe (~Jalap~).

Gewöhnlich aber ist außer Bittersalz (~Epsom salts~) kein anderes

Reinigungsmittel nöthig.

Nach diesem Mittel gebe man Brechwurzwein (~Wine of Ipecac~),

zwanzig Tropfen alle drei Stunden, mit einem zeitweiligen Schluck

Flachssamenthee oder Flachssamen-Limonade. Ist die Anschwellung,

die Hitze und der Schmerz sehr bedeutend, so sollten sechs bis

zehn Blutegel angesetzt werden. Bei milderen Fällen, oder wenn der

Patient schwach ist, lege man einen Flachssamenmehl-Umschlag, wozu

Schweinefett und Laudanum gefügt wurde, auf. Wird mit dem Umschlag

gewechselt, so wasche man den Hals mit Ammonium- oder Seifenliniment,

wozu man Ammoniumwasser (~Aqua ammonia~) fügt.

Das folgende Mittel zum Gurgeln wird gute Dienste leisten:

Honig 1 Eßlöffel

voll.

Essig 2 „

Genug Salbeithee oder Wasser, um ein halbes Pint zu bereiten.

Auch mag ein Aufguß von rothen Rosen (~Red roses~) oder Salbei mit

Rosenhonig (~Honey of roses~) als Gurgelmittel gebraucht werden,

sowie eine schwache Alaun- (~Alum~) Auflösung, wenn sich in den

Mandeln Eiter sammelt und die Geschwüre aufbrechen. Die Kost sollte

nahrhaft sein und man sollte dem Kranken Wein oder das folgende

stärkende Mittel geben:

Colomba- oder Cascarilla-Aufguß 5½ Unzen.

Zusammengesetzte Cardamon-Tinktur ½ Unze.

Verdünnte Salpetersäure 1½ Drachme.

Mische dies. Dosis: Zwei Eßlöffel voll dreimal des Tages.

Sind die Mandeln nach Heilung der Krankheit immer noch vergrößert, so

mag das folgende Liniment gebraucht werden:

Kampher-Liniment 6 Drachmen.

Seifen-Liniment 6 „

Spanische Fliegen- (~Cantharides~) Tinktur ½ Unze.

Mische und reibe die Außentheile des Halses zweimal des Tages mit der

Mischung.

Manchmal werden die Mandeln auf ihre natürliche Größe reduzirt, indem

man sie mit einer starken Tannin- (Gerbestoff) Auflösung oder mit

Schwefelsilber tupft; auch wird hierzu eine starke Alaunauflösung

oder Jod-Tinktur (~Tincture of Iodine~) öfters angewandt.

Unser Familien-Arzt · 第 17 / 51 段