veranlaßt, wie heftige Bewegung, Unmäßigkeit im Essen und Trinken,
der Gebrauch von Betäubungsmitteln, plötzliche und große geistige
Aufregung, wie Furcht oder Aerger, üppige Lebensweise, übertriebene
Anwendung von Reizmitteln, Mangel an Bewegung, Unterdrückung von
Nasenbluten, übermäßige geistige Anstrengung, allgemeine Hinfälligkeit,
Schwäche nach großer körperlicher Anstrengung, Krankheit oder hohes
Alter. Auch Krankheiten des Herzens und der Schlagadern, sowie der
Lungen können die Veranlassung dazu werden. Ferner kann derselbe auch
erblich übertragen worden sein. Leute mit großen Köpfen, kurzem Halse,
rothem und blutunterlaufenem Gesichte sind besonders zu Anfällen
geneigt.
+Symptome.+ -- Obgleich der Anfall zuweilen ganz plötzlich eintritt,
so gehen doch in der Regel Symptome voraus, die auf dessen Annähern
schließen lassen. Zu diesen zählen große Neigung zum Schlafe --
unerquickender und durch Träume unterbrochener oder langer und schwerer
Schlaf -- mit mühsamem und tiefem Athmen, beständigem dumpfem Schmerz
im Kopfe, mit einem Gefühl von Gewicht und Schwere, Schwindel, häufige
Anfälle von Alpdrücken, heftige Schmerzen im Gehirn, die Stirnadern
dick und angeschwollen, die Adern des Halses und der Schläfe heftig
pulsirend, heißer Kopf, Läuten und Summen in den Ohren, Flimmern vor
den Augen, zur Nachtzeit Krämpfe in den Beinen, beständige Neigung
zum Seufzen, Verlust des Gedächtnisses, Reizbarkeit des Gemüths, ein
Gefühl von Erstarren der Beine und Füße, das Niederfallen des oberen
Augenlids, veränderlicher Gang, Unregelmäßigkeit in dem Zusichnehmen
der Nahrungsmittel, unnatürliche Eßlust, Verstopfung und andere
Kennzeichen einer schlechten Verdauung.
Hat der Kranke einen Anfall, so ist das Gesicht gewöhnlich stark
gefärbt, die Redeweise wird verwirrt, das Gehör vermindert sich und ein
plötzliches Zusammensinken, gleichzeitig mit Verlust des Bewußtseins,
mehr oder weniger des Gefühls oder der freien Bewegung tritt ein.
In anderen Fällen wird der Kranke plötzlich von einem Schmerz im Kopfe
befallen, wird blaß, schwach und ohnmächtig, erbricht sich und sinkt
in einem halb bewußtlosen Zustande nieder, der Puls ist schwach und
eine Verzuckung kann eintreten. Diese Betäubung kann einige Minuten bis
mehrere Tage anhalten und wenn sie nicht mit dem Tode endet, so wird
doch die Genesung nur allmählig vor sich gehen.
Bei der Wiedergenesung wird in der Regel beobachtet werden, daß die
Muskeln auf der einen Seite des Körpers gelähmt sind, was nach einigen
Stunden verschwinden, aber auch Monate und Jahre anhalten kann. Der
Geist ist zuweilen geschwächt und das Gedächtniß mehr oder weniger
mangelhaft.
Schlagfluß kann von Epilepsie durch die bei dem ersteren vorhandenen
Verzuckungen unterschieden werden. Bei Epilepsie findet man in der
Regel Schaum vor dem Munde, Knirschen mit den Zähnen und ein Geschrei,
das dem Bellen eines Hundes gleicht. Das Athmen findet hierbei sehr
laut und schnarchend statt.
+Behandlung.+
=Allgemeine.= Der Kranke sollte in einen kühlen luftigen Raum
geschafft werden. Die Kleider um den Hals müssen entfernt und der
Kopf erhöht werden. Uebergießen des Kopfes und Halses mit kaltem
Wasser wird sehr zuträglich sein, ebenso starkes Reiben der Fußsohlen.
=Allöopathisch.= Ein Abführmittel bestehend aus 10 bis 15 Granen
Calomel sollte das Erste sein. Kann der Patient nicht schlucken,
so sollte der hintere Theil der Zunge mit 2 bis 3 Tropfen Crotonöl
eingerieben und eine Einspritzung, bestehend aus 2 oder 3 Eßlöffel
gewöhnlichen Salzes und ein wenig Oel oder Butter in einem Pint
warmen Wassers gemacht und alle 2 Stunden wiederholt werden.
Folgendes ist als eine gute Einspritzung zu empfehlen:
Castoröl 1 Gill.
Pulverisirter Cayennepfeffer 10 Grane.
Molasses 1 Gill.
Salz 1 Theelöffel
voll.
Warmes Wasser 1 Pint.
Wird der Kranke kalt, oder der Puls klein und schwach, das Gesicht
von Schmerz verzogen und die Haut blutlos, so sollten warme Flanells
und heiße Steine auf die Oberfläche des Körpers gebracht und
folgendes gegeben werden:
Flüchtiges Salz (~Sal volatile~) ½ Drachme.
Kampher-Wasser 1 Unze.
Mische es.
Wenn der Kranke schlucken kann, gebe man ein Abführmittel von einem
Aufguß aus Sennesblättern mit schwefelsaurer Magnesia (~Sulphate of
magnesia~), Kaltwasserumschläge oder Blasen mit Eis auf den Kopf
werden zuträglich sein. Um spätere Anfälle zu verhindern, sollte der
Kranke der Kost Sorgfalt zuwenden und die Verstopfung der Eingeweide
zu verhüten suchen, täglich Bäder nehmen, jede Aufregung, sowie
körperliche und geistige Anstrengung vermeiden. Das Trinken von
betäubenden Getränken muß unterbleiben und die Kleidung warm und
bequem sein.
=Eclectische und Kräuterkur.= Waschungen des Kopfes und Gesichts mit
kaltem Wasser, und ein Bad der Beine und Füße in warmem Wasser, dem
pulverisirter Senf oder Pfeffer beigefügt wird, ist sehr zuträglich.
Wenn sich der Kranke nicht schnell wieder erholt, kann eine
Einspritzung von dem folgenden gemacht werden:
Castoröl 1 Gill.
Zusammengesetzte Tinktur der Lobelia und des
spanischen Pfeffers (~Compound tincture of
Lobelia and Capsicum~) 2 Drachmen.
Warmes Wasser 1 Pint.
Molasses 1 Gill.
Feines Salz 1 Drachme.
Mische und verwende es zu einer Einspritzung, was alle 15 Minuten,
wenn nothwendig, wiederholt werden kann.
Ein oder zwei Tropfen Crotonöl auf ein Stück Zucker, das so weit als
möglich nach hinten auf die Zunge geschoben wird.
Wird der Anfall durch Trunkenheit hervorgerufen, kann ein Brechmittel
von Salz, Senf oder Lobelia gegeben werden.
Um Schweiß hervorzurufen, gebe man ~Composition powder~ und lasse
Isop- (~Pennyroyal~) oder Katzenmünze- (~Catnip~) Thee trinken.
Ist Opium die Ursache des Anfalles, so muß der Kranke starken Kaffee
trinken und gezwungen werden, zwischen zwei Begleitern eine lange
Zeit hindurch zu gehen.
Nach der Erholung sei man in Bezug auf Kost und Kleidung sehr
vorsichtig, vermeide alle starkgewürzten Speisen, Wein und
Spirituosen, bade häufig und mache viel Bewegung im Freien.
=Homöopathisch.= Wenn Gift vermuthet wird, so sollte es durch
ein starkes Brechmittel, wie schwefelsaures Zink (~Sulphate of
zinc~), oder durch die Magenpumpe entfernt werden. Ist ~Opium~ oder
~Belladonna~ die Ursache, gebrauche man starken Kaffee.
~Opium.~ -- Trifft der Anfall alte Leute, begleitet mit Summen in den
Ohren, Harthörigkeit, Röthe des Gesichts, Unfähigkeit zu antworten,
Schwierigkeit beim Aufstehen, mühsames und schnarchendes Athmen,
kalter Schweiß im Gesicht, starkes Pulsiren der Adern an den Schläfen.
~Belladonna.~ -- Gesicht geschwollen, bläulich oder dunkelroth,
Anschwellen der Adern des Kopfes und Halses, die Pupillen
erweitert und die Augen mit Blut unterlaufen, Knirschen der Zähne,
Unterdrückung oder unfreiwillige Entleerung des Urins. Wenn sich der
Kranke erst wieder etwas erholt, kann dieses Mittel gegen Schwindel,
klopfende Schmerzen, Schwere und Druck, krampfartige Schmerzen im
Gesicht und in den Gliedern, Brausen in den Ohren, Verstopfung,
Erhöhung der Schmerzen bei Bewegung oder Berührung gegeben werden.
~Coffea.~ -- Schlagfluß bei nervösen Personen durch heftige
Bewegungen verursacht.
~Aconitum.~ -- Andrang oder plötzliches Schießen des Blutes nach dem
Kopfe, Summen in den Ohren, tödtliche Blässe des Gesichts, Schmerz im
Kopfe und Erbrechen, brennende und klopfende Schmerzen in der Stirn
und den Schläfen, Pupillen der Augen erweitert, Gesicht geschwollen,
roth und erhitzt, Lähmung der Zunge, Schwierigkeit beim Schlucken.
~Nux vomica.~ -- Bei Personen von sitzender Lebensweise, oder jenen
die gewöhnt sind, Spirituosen zu trinken, besonders bei Kopfschmerz
auf der rechten Seite, Schwindel kann dasselbe abwechselnd mit
~Opium~ gegeben werden.
~Hyosciamus.~ -- Der Kranke stürzt plötzlich mit einem heftigen
Schrei zusammen, Verzuckungen, mühsames Athmen, dem Anfalle folgt
Mattigkeit und zeitweilige Bewußtlosigkeit, Neigung zum Schlaf, oft
und zu lang, Erschrecken, Auffahren aus dem Schlaf, der Körper mit
übermäßigem Schweiße bedeckt, häufige Anfälle von Schwindel, Gesicht
schwarzgelb, Stimmung traurig und gereizt, Augen roth, funkelnd,
starr und aus den Höhlen hervortretend.
~Arnica.~ -- Bei Beschädigungen des Kopfes, die Schlagfluß
herbeiführen.
~Mercurius.~ -- Schmerz im Kopfe und ein Gefühl, als ob derselbe
springen wollte, Unbehaglichkeit und Schwere in den Gliedern, Anfälle
von Verlust der Sehkraft, Summen in den Ohren. Dies kann nach
~Belladonna~ gegeben werden.
~Ipecacuanha.~ -- Wenn die Ueberladung des Magens mit zu reicher
Nahrung die Ursache ist.
+Verordnung der Heilmittel.+ -- Löse 15 Kügelchen in 12 Theelöffel
voll Wasser und gebe alle 10, 15 oder 20 Minuten während des
Anfalles, nach dem Anfalle alle 2 oder 3 Stunden einen Theelöffel
voll.
Gehirn-Entzündung.
Zur Behandlung dieser Krankheit siehe zweites Kapitel -- „Gehirnfieber.“
Sonnenstich (~Sun Stroke~)
gleicht in vielen Beziehungen dem Schlagfluß und wird durch
unmittelbares Aussetzen des Kopfes den Sonnenstrahlen verursacht. Der
damit Befallene sinkt in einem bewußtlosen Zustande nieder und stirbt,
wenn nicht schleunige Hilfe geschafft wird.
+Symptome.+ -- Schwindel, Durst, zuweilen Fallen, schweres Athmen.
+Behandlung.+
=Allgemeine.= Man schaffe den damit Befallenen an einen kühlen,
schattigen Platz, entferne jede Kleidung um den Hals und übergieße
eine lange Zeit beständig Kopf und Hals mit kaltem Wasser.
Reibe den Körper und die Glieder kräftig mit der Hand.
=Eclectische und Kräuterkur.= Sobald der Kranke schlucken kann,
sollte ein Abführmittel wie ein halber Theelöffel voll Jalappenwurzel
(~Jalap~), oder ein Viertel-Theelöffel voll Cremor Tartari (~Cream
of tartar~), das der Jalappenwurzel beigefügt werden kann, gegeben
werden. Castoröl ist hin und wieder von gutem Erfolge.
Gegen die Wirkungen, die der Sonnenstich zurückläßt, kann folgendes
gegeben werden:
Belladonna-Extrakt (~Extract of Belladonna~) 5 Grane.
Schlangenwurzel-Alcohol-Extrakt (~Alcoholic extract
of black cohosh~) 40 „
Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 20 „
Entenfuß (~Podophyllin~) 10 „
Mische es und theile es in 40 Pillen. Dosis: 3 Pillen des Tages.
Oder:
Stachelige Eschenrinde (~Prickly ash bark~) 1 Unze.
Rothen Hühnerdarm (~Red chickweed~) 1 „
St. John’skraut (~St. John’s wort~) 1 „
Weiße Kamille (~White weed~) 1 „
Kochendes Wasser 1 Quart.
Lasse es 5 oder 6 Stunden nahe am Feuer erweichen. Dosis: 3 oder 4
Mal des Tages ein Weinglas voll.
=Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Alle 15 Minuten eine Dosis.
~Belladonna.~ -- Bei stark vorhandenem, stoßenden, brennenden,
ruckweisen Schmerz auf einer Seite des Kopfes, oder heftigem Druck in
der Stirne, bei Bewegung, Bücken, durch Geräusch und Licht zunehmend.
Dies kann abwechselnd mit ~Aconitum~ gegeben werden.
~Glonoine~ -- ist das Hauptmittel, das in dieser Krankheit alle 5
Minuten gegeben werden sollte.
~Camphora.~ -- Besonders wenn der Kranke schwer athmet und schwitzt,
sollte abwechselnd mit ~Glonoine~ gegeben werden.
~Lachesis~ -- wird ebenfalls in einigen Fällen gegeben.
+Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 oder 15 Kügelchen in 12
Theelöffel voll Wasser und gebe alle 5, 10 und 15 Minuten oder alle
halbe Stunden, und nach dem Anfalle alle 2, 3 oder 4 Stunden einen
Theelöffel voll. Zuweilen kann auch ein wenig Branntwein gegeben
werden.
Personen, die besonders zu Anfällen geneigt sind, sollten vorsichtig
vermeiden, sich den Einwirkungen der Sonnenstrahlen auszusetzen, und
entweder nasse Tücher oder Blätter im Hute tragen.
=Allöopathisch.= Terpentinöl (~Oil of turpentine~), eine Auflösung
von Ammoniak oder Alkohol kann vermittelst Einspritzung gegeben
werden, wenn der Kranke nicht schlucken kann. Die Behandlung
desselben ist ungefähr dieselbe, wie die beim Schlagfluß.
Kopfweh. -- Kopfweh durch Catarrh verursacht.
Dieser Kopfschmerz wird durch Schnupfen hervorgerufen und hält oft
noch eine lange Zeit an, nachdem der Letztere bereits aufgehört hat.
In einigen Fällen tritt er regelmäßig zu gewissen Jahreszeiten ein und
zwar vorzugsweise im Frühjahr und Herbst, während des feuchten Wetters.
+Behandlung.+
=Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes möge geschnupft werden:
Pulverisirter Gagel (~Pulverized bay berry~) 1 Unze.
Chinarinde (~Peruvian bark~) 1 „
Blutwurzel (~Blood root~) 1 „
Mische es gut in einem Mörser und nehme davon mehrere Male des Tages.
Zieht es der Patient vor, kann diesem noch Schottischer Schnupftabak
beigemischt werden.
=Homöopathisch.= ~Nux vomica.~ -- Schwere in der Stirn, Laufen der
Nase, Fieberhitze im Kopfe, auf den Wangen und im Körper.
~Mercurius.~ -- Ist besonders nützlich, wenn der Schnupfen einen
epidemischen Charakter (d. h. wenn denselben viele Leute zu gleicher
Zeit haben) angenommen hat und drückende Schmerzen in der Stirn und
über der Nase vorhanden sind, häufiges Niesen, Laufen der Nase, bei
Röthe, Wundsein oder Heiserkeit, Jucken begleitet von Fieberschmerzen
in den Gliedern und Durst.
~Sulphur~ -- erleichtert in einigen Fällen, besonders bei folgenden
Symptomen: Gefühl von Vollsein, Druck und Schwere in der Stirn,
Stichen, stoßweisen Schmerzen, besonders in der linken Seite.
~Tartarus emeticus.~ -- Häufiges Niesen, Geschmack- und
Geruchlosigkeit.
~Arsenicum.~ -- Das wichtigste Mittel bei Behandlung dieser
Krankheit, besonders erfolgreich in chronischen Fällen.
~Aconitum.~ -- Bei einem drückenden und dumpfen Gefühle, sowie Hitze
in der Stirn, schlimmer des Nachts, besser im Freien, Laufen der Nase
und der Augen.
~Chamomilla.~ -- Stoßweises, thränendes Gefühl in der Seite des
Kopfes, böser Hals, Heiserkeit und bitterer Geschmack im Munde.
+Verordnung der Heilmittel.+ Löse 6 Kügelchen in drei Eßlöffel
voll Wasser und nehme alle halbe, ganze, 2, 3 oder 4 Stunden, der
Strenge der Symptome des Anfalles angemessen, während demselben einen
Theelöffel voll. Tritt innerhalb einiger Stunden keine Erleichterung
ein, wähle man ein anderes Mittel.
Gegen chronische Kopfschmerzen, welche zu gewissen Zeiten eintreten,
nehme man einen Tag um den anderen eine Dosis der gewählten Mittel.
=Allöopathisch.= Folgende Salbe wird mit gutem Erfolge angewendet
werden:
Aconitextrakt (~Extract aconite~) 1 Skrupel.
Seifensalbe (~Soap liniment~) 1 Unze.
Zusammengesetzte Kamphersalbe (~Compound camphor
liniment~) 1 „
Mache hiervon einen Umschlag auf die Stirne.
Gleichzeitig mögen die folgenden Pillen genommen werden:
Jodeisen (~Iodide of Iron~) ½ Drachme.
Baumrindenextrakt (~Extract of bark~) 1½ „
Mische und theile es in 24 Pillen und nehme 2 Mal des Tages 2 Pillen.
Kopfweh durch Blutandrang verursacht.
Klopfen im Kopfe, Schlagen der Halsadern, Erbrechen beim Wachsen des
Schmerzes, ebenso Schmerz beim Schütteln oder Bewegen des Kopfes,
Niederlegen oder Bücken.
+Behandlung.+
=Allgemeine.= Bade den Kopf mit warmem Wasser und Essig, ebenso
die Füße mit warmem Wasser und reibe sie nachher stark. Wasche die
Schläfe mit warmem oder kaltem Wasser, je nach des Kranken Wunsch.
=Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Heftig klopfendes, summendes Gefühl
im Gehirn, Stirn und Gesicht roth und mit Blut unterlaufen, Augen
roth und empfindlich gegen das Licht, Schmerz am Morgen, beim
Trinken, Sprechen oder Aufstehen schlimmer, Puls voll und geschwind.
~Belladonna.~ -- Heftige Schmerzen, gleichsam als ob der Kopf spalten
oder das Gehirn durch die Stirn brechen wollte, heißer Kopf, kalte
Füße, ein Gefühl, als ob sich Wasser in der Stirn befände, heftiges
Schlagen der Adern des Halses und der Schläfe, Delirium, rothes,
blutunterlaufenes Gesicht, das Blut in die Augen eingeschossen,
bei großer Empfindlichkeit gegen Licht, Geräusch und Berührung,
darauf tief sitzende, drückende Schmerzen, bei blassem Gesicht und
Schwindel, beim Bewegen der Augen, Heben oder Bewegen des Kopfes
Verschlimmerung. Dies kann abwechselnd mit ~Aconitum~ gegeben werden,
wenn ~Aconitum~ keine Erleichterung gewährt.
~Pulsatilla.~ -- Dumpfer Schmerz und Druck nur auf einer Seite am
Hinterkopf oder an der Nasenwurzel, Linderung durch Niederlegen oder
Drücken, schlimmer während des Sitzens oder Gehens, blassem Gesicht,
Aufregung, Neigung zum Weinen, Schwindel. Frauenzimmer und Leute
sanfter Gemüthsart sind dazu besonders geneigt.
~Bryonia.~ -- Ein sich innerhalb ausbreitender Druck, besonders nach
der Stirne zu, beim Bewegen oder Bücken, heftiges Schlagen oder
Stechen im Kopfe, Verstopfung der Eingeweide und Nasenbluten.
~Rhus toxicodendron.~ -- Gefühl von Vollsein im Kopf, brennender
und klopfender Schmerz, Gewicht im Hinterkopfe, Gefühl von einer
rollenden Flüssigkeit innerlich; kann abwechselnd mit ~Belladonna~
oder ~Bryonia~ gegeben werden.
~Nux vomica.~ -- Schmerzen schlimmer am Morgen oder im Freien,
Schwere des Kopfes, besonders beim Bewegen der Augen und Nachdenken,
Gefühl als ob der Schädel zerspringen wollte, ein quetschender
Schmerz im Gehirn, schlimmer beim Bücken oder Bewegen, Schießen des
Blutes nach dem Kopfe.
~Opium.~ -- Verstopfung, mit Schießen des Blutes nach dem Kopfe,
heftige drückende Schmerzen im ganzen Gehirn und Schwere, Schlagen im
Kopfe.
=Allöopathisch.= Man gebe Folgendes:
Minderers Geist (~Spirits of mindererus~) 2 Unzen.
Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) 1 Unze.
Mische es und nimm alle 3 Stunden einen Theelöffelvoll.
Ist Jemand zu diesem Kopfweh besonders geneigt, so mag er von dem
Obigen zweimal des Tages einen Theelöffel voll nehmen. Des Abends
mögen einige gelinde Abführmittel, wie Castoröl oder Bittersalz
(~Epsom salts~), genommen werden.
Rochellesalz (~Rochelle salts~) 2 Drachmen.
Doppelt kohlensaure Soda (~Bi-carbonate of soda~) 2 Skrupel.
Wasser ½ Pint.
Mische es. Dieser Mischung füge noch 35 Grane von Weinsteinsäure
(~Tartaric acid~) hinzu und trinke das Ganze während des Aufschäumens.
=Eclectische und Kräuterkur.= Rührt das Kopfweh von zu vielem Blute
her, so muß eine Behandlung eingeschlagen werden, dasselbe zu
zertheilen. Der Kranke sollte eine kühlende und leicht verdauliche
Nahrung zu sich nehmen und sich aller reichen, schwer verdaulichen
Speisen enthalten. Die Beine und Füße bade man in warmem Wasser, dem
Senf oder Pfeffer hinzugefügt wurde.
Ferner gebe Folgendes:
Entenfuß (~Podophyllin~) 15 Grane.
Gummi-Gutti (~Gamboge~) 15 „
Wunderharz (~Scammony~) 15 „
Rhabarber (~Rhubarb~) 15 „
Cayennepfeffer (~Cayenne~) 15 „
Mache 12 Pillen daraus und füge ein wenig Alraunwurzel- (~Mandrake~)
oder Löwenzahn- (~Dandelion~) Extrakt hinzu. Fehlt Entenfuß, so
bediene man sich derselben Menge von Aloe. Eine Dosis wird in der
Regel das Kopfweh lindern, aber um eine bleibende Erleichterung zu
verschaffen, sollte durch mehrere Wochen hindurch jeden Abend eine
Dosis genommen werden.
Folgende Pillen sind von gutem Erfolge:
Pulverisirter Cayennepfeffer 60 Grane.
Chinin (~Quinine~) 10 „
Brechwurz (~Ipecac~) 15 „
Pulverisirtes Opium 10 „
Mache 30 Pillen daraus und nehme alle Morgen und Abend eine.
Kopfweh durch Rheumatismus verursacht.
Dieses trifft nur Personen, die mit Rheumatismus behaftet sind. Es wird
nicht selten durch das Nichtbedecken des Hauptes während des Schwitzens
hervorgerufen. Ein dumpfer Schmerz befindet sich in der Regel in der
Stirn, den Schläfen und dem Hinterkopf und ist eher ein schmerzhaftes
Gefühl als ein wirklicher Schmerz. Der Kopf ist gegen Druck schmerzhaft
empfindlich.
+Behandlung.+
=Allöopathisch.= Man gebe folgende Pillen:
Essigsaurer Wiesensafranextrakt (~Acetous extract of
colchicum~) 1 Gran.
Zusammengesetzter Koloquinthenextrakt (~Compound
extract of Colocynth~) 2 Grane.
Brechwurzpulver (~Ipecac~) ½ Gran.
Mische es und mache eine Pille daraus, welche jeden Abend genommen
werden kann. Die Füße bade man in kaltem Wasser und wasche den
Kopf mit kölnischem Wasser (~Cologne~). Auch kann folgende Lösung
angewendet werden:
Weinspiritus (~Spirits of wine~) 2½ Unzen.
Oder Branntwein ¼ Pint.
Kaltes Wasser (das vorher abgekocht worden ist) 1 Pint.
In einigen Fällen wird auch die folgende Salbe erfolgreich angewendet
werden:
Seifensalbe (~Soap liniment~) 2½ Unzen.
Ammoniak-Liquor (~Liquor ammonia~) ½ Drachme.
Mohnsaft (~Laudanum~) ½ Unze.
Mische es. Ein Senfpflaster hinten im Nacken gelegt, wird zuweilen
Linderung verschaffen.
Ferner gebe man Folgendes:
Zusammengesetzte Koloquinthen-Pille (~Compound
pill of colocynth~) 14 Grane.
Wiesensafranextrakt (~Extract of Colchicum~) 4 „
Kümmelöl (~Oil of caraway~) 2 Tropfen.
Mische es und mache 4 Pillen daraus. Dosis: Eine Pille beim zu
Bettegehen.
=Eclectische und Kräuterkur.= Folgende Salbe möge angewendet werden:
Branntwein 1 Pint.
Salpeter (~Salt-petre~) 1½ Unzen.
Kampher (~Camphor~) 1 Unze.
Terpentinspiritus (~Spts. turpentine~) 1 Gill.
Mische es und lege es auf ein gut geplättetes Stück Flanell auf den
Kopf, bis es trocken ist.
Dieses Uebel sollte als ein Fall von Rheumatismus, auf den wir uns
beziehen, behandelt werden.
=Homöopathisch.= ~Chamomilla.~ -- Ziehende und reißende Schmerzen in
einer Seite des Kopfes, Kopf gegen Berührung empfindlich, mit heißem
Schweiß bedeckt, eine Wange roth, die andere blaß. Abwechselnd mit
~Pulsatilla~ des Morgens und ~Nux vomica~ des Abends.
~Colocynthis.~ -- Heftig bohrende, ziehende, kneipende Schmerzen,
Uebelkeit und Erbrechen, schlimmer beim Bücken oder auf dem Rücken
liegend, und in der Regel am Nachmittag erscheinend.
~Ipecacuanha.~ -- Nagende Schmerzen, sehr streng, gelindert durch
Hitze und Erbrechen; ein Gefühl durch den Schädel, als ob das Gehirn
zermalmt würde.
~Nux vomica.~ -- Ziehende Schmerzen in einer Seite des Kopfes, mit
einem zermalmenden Gefühle des Kopfes, schlimmer beim Bücken oder im
Freien und von Uebelkeit oder saurem Erbrechen begleitet.
~Pulsatilla.~ -- Schießende, rasende, stoßweise Schmerzen, nur in
einer Seite des Kopfes, besonders in den Schläfen, mit einem Gefühl,
als ob das Gehirn zerreißen würde.
~China.~ -- Schmerzen des Nachts, Schlaflosigkeit, stoßweise, rasende
und bohrende Schmerzen auf dem Scheitel, ein zermalmendes Gefühl im
Gehirn, schlechter im Freien, bei Bewegung oder in Zugluft, große
Empfindlichkeit, sogar an den Haarwurzeln.
~Bryonia.~ -- Wiederkehrende, von dem Nacken nach den Seiten des
Kopfes schießende Schmerzen, Fieberschauer, Schmerzen bei Bewegung,
des Nachts oder während des Witterungswechsels heftiger. Kann
abwechselnd mit ~Rhus toxicodendron~ gegeben werden.
+Verordnung der Heilmittel.+ Dosis: 6 Kügelchen; oder 15 Kügelchen
in einem halben Tassenkopf voll Wasser aufgelöst. Alle halbe, ganze,
zwei, drei oder sechs Stunden, der Strenge der Symptome angemessen,
einen Theelöffel voll.
Kopfweh durch Hartleibigkeit und Unterleibsbeschwerden verursacht.
+Symptome.+ -- Schwere im Kopf, Mattigkeit, Abneigung gegen Bewegung,
belegte Zunge, schlechter Geschmack im Munde, leichte Uebelkeit, Augen
beim Sehen schmerzhaft, Appetitlosigkeit, zuweilen Erbrechen.
+Ursachen.+ -- Unpassende Kost, Essen in der Nacht oder irgend etwas,
was störend auf die Verdauung wirkt.
+Behandlung.+
=Allöopathisch.= Stellt sich der Schmerz unmittelbar nach einer
Mahlzeit ein, so sollte sofort das folgende Brechmittel gegeben
werden:
Pulverisirte Lobelia 1 Unze.
„ Blutwurzel (~Bloodroot~) ½ „
„ Senecawurzel (~Seneca~) 1 Skrupel.
„ Brechwurz (~Ipecac~) 6 Drachmen.
Cayenne Pfeffer (~Cayenne~) 4 Skrupel.
Mische es. Dosis: Einen halben Theelöffel voll in warmem Wasser; alle
15 Minuten zu wiederholen, bis mehrere Dosen genommen worden sind.
Kommt der Schmerz mehrere Stunden nach dem Essen, nehme man eines von
den folgenden Mitteln:
Pulverisirte Jalappenwurzel (~Powd. Jalap~) 10 Grane.
Cremor Tartari (~Cream of tartar~) 2 „
Mische und nimm es auf einmal in Molasses oder Syrup.
Oder:
Pulverisirter Rhabarber (~Rhubarb~) 1 Skrupel.
Leptandrin 10 Grane.
Calcinirte Magnesia (~Calcined magnesia~) 2 Skrupel.
Pulverisirter Zimmt (~Cinnamon~) 10 Grane.
Mische es. Dosis: Alle Stunde 3 oder 4 Grane.
Ist der Kranke schwach und hinfällig, gebe man das folgende:
Zusammengesetzter Aufguß von Sennesblättern
(~Compound infusion of senna~) 5 Drachmen.
Aufguß von Rhabarber (~Infusion of rhubarb~) 6 „
Zusammengesetzte Kardamon- (~Cardamon~) Tinktur ½ Drachme.
Syrup 2 Drachmen.
Mische und nimm es als eine Dosis und zwar des Morgens nach einem
leichten Frühstück.