Zu Beginn des siebzehnten Jahrhunderts erhielt die erzgebirgische
Eisenindustrie durch Einführung der _Weißblechherstellung_ einen
bedeutenden Aufschwung. Das Verfahren war in Böhmen erfunden und
1620 durch einen zum Protestantismus übergetretenen Geistlichen
nach Sachsen verpflanzt worden. Das Schwarzblech hierzu wurde
in den Blechhammerwerken mit Wasserhämmern geschmiedet. Für die
Verzinnung stellte man nur Bleche von größerem Umfange her. Unter
dem »_Breithammer_« wurden zunächst die zusammengeschmolzenen
Abfallschnitzel und die Bruchstücke der zuletzt verarbeiteten Luppe zu
Quadratstäben ausgeschmiedet. Diese Arbeit nannte man das _Zainen_.
Dann wurde der Breit- oder Zainhammer aus dem Gerüst genommen und der
_Urwellhammer_ eingelegt. Mit ihm wurden die Zaine breitgeschmiedet
zu »Urwellstürzen«; die etwa 30 : 15 Zentimeter groß waren. Das
Formen hieß das »_Gleichen_«. Um eine reine metallische Oberfläche zu
erzeugen, tauchte man die Bleche in eine Säurebeize. In einer Pfanne
wurde das Zinn (etwa zehn Zentner) durch allseitig anschlagende Flammen
flüssig erhalten.
Dann tauchte der Verzinner zweihundert Blatt Dünneisen ein und ließ das
überflüssige Zinn wieder ablaufen.
Eigentlich sollten die Blechhämmer nur Bleche machen; aber daß sie
sich oft auch mit dem Schmieden von Schien- und Stabeisen befaßten,
bezeugen mehrfache Beschwerden. Bei einem Hohen Ofen sollten nicht
mehr denn zwei Blechhämmer betrieben werden. Zu einem derartigen Werke
gehörten neben den Fuhrleuten und Köhlern folgende Personen: Zerrenner,
Frischer, Hohe-Ofen-Arbeiter, Vorschmiede, Aufgießer, Herdschmied,
Blechmeister, Uhrweller, Gleicher, Lehrknecht, Ziehner (Verzinner).
Der Dreißigjährige Krieg brachte die meisten Hammerwerke in Verfall.
Auch die erneuten Hammerordnungen von 1660 und 1666 konnten keinen
durchgreifenden Aufschwung bringen. In regen Wettbewerb traten
die Kupferhämmer (der Königsteiner Eisenhammer war schon Ende des
sechzehnten Jahrhunderts in einen Kupferhammer umgewandelt worden).
Zum Schutze der Kupferhämmer wurde den Eisenhammermeistern verboten,
Brau- und Bierpfannenkessel und Ofentöpfe herzustellen. 1686 wurde die
Pirnaer Eisenkammer wegen zu schlechten Geschäftsganges aufgelöst, und
die Hammermeister wandten sich trotz aller amtlichen Warnungen mehr
und mehr von ihrem Hauptberufe dem Ackerbau und der Viehzucht zu. Aber
noch ist die osterzgebirgische Eisenindustrie nicht ganz ausgestorben,
und wenn uns auch fast alle Hammerwerke nur noch als »Hammer_güter_«
entgegentreten, so ist doch die sächsische Eisengroßindustrie teilweise
ein unmittelbarer Abkömmling der alten Berg- und Hüttenwerke. Einige
kurze Angaben über einzelne Eisenhütten mögen dies bestätigen.
_Berggießhübel_ kann mindestens auf einen tausendjährigen
Bergbau zurückblicken. Die älteste bisher aufgefundene
Abrechnung stammt aus dem Jahre 1450. Als vornehmste Bergherren
kamen im fünfzehnten Jahrhundert neben dem Landesfürsten
die Familien von Bünau auf Liebstadt und von Bernstein auf
Ottendorf in Betracht. 1492 verkaufte Günther von Bünau
für sich und seinen Bruder an den Herzog Georg zu Sachsen
»1½ schicht – an dem bergwerge ufm Gißhoffel ... auch die
gerechtigkeit, so des eysensteins halben zcu vorsmelczen zcu
holen und zcu vortreiben uff vier hemmern, darunter eynen uh.
m. gs. hern gud – und eynen uff Bernsteins guttern und zcwene:
eyner zcu dem Nuwen Smydeberge und der ander an der Moglitz uff
meyn und meyne Brüder grunde und boden gelegen.« (Meiche[3]).
Der Bergbau war mehrere Jahrhunderte in Blüte, der Betrieb
des Hüttenwerks blieb großen Schwankungen unterworfen. Das
Gießhübler Bergamt wurde nebst dem Glashütter 1768 mit dem
Altenberger Amt vereinigt.
Im Jahre 1819 übernahm der K. S. Kabinettsminister Graf von
Einsiedel als Besitzer des Eisenwerkes Gröditz einen Teil der
Bergwerke, etwas später auch der Kammerrat Freiherr Dathe
von Burgk als Besitzer der König-Friedrich-August-Hütte
in Potschappel. Graf von Einsiedel errichtete überdies
1835 unterhalb Berggießhübel ein Eisenhüttenwerk mit
Holzkohlenhochofen und Gießereibetrieb. Der Staat unterstützte
die neuen Unternehmungen durch den 1824 getriebenen »Tiefen
Zwiesler Erbstolln«. Im Jahre 1871 ging das Berggießhübler
Eisenwerk nebst einigen Gruben in den Besitz der »Sächsischen
Gußstahlfabrik zu Döhlen« über. Unter den weiteren Unternehmern
seien Heinrich Gruson in Magdeburg und die »Sächsische
Eisenindustrie-Gesellschaft zu Pirna« genannt. Letztere wollte
die gewonnenen Erze in einem unterhalb Pirna bei Heidenau
gelegenen Kokshochofen verschmelzen ... Aber schon 1875 wurde
der Hochofen wieder ausgeblasen und das Werk kam 1880 in den
Besitz Gruson zurück.
Unter den Hammerwerken hat am längsten seine Bedeutung behalten
der _Kammerhof_ in Markersbach. Er wird schon 1445 in einer
Bewaffnungsliste genannt, ist aber 1592 »in itzigen schwinden
Zeiten, da der Eisenstein sich sehr abschneidet und geringer
macht, auch die Kohlen schwerlich zu bekommen seien, in großen
Fall und Abnahme geraten.« (M.)
1724 werden die Freiheiten des Hammermeisters auf Kammerhof
festgestellt: »er hat frei schlachten, backen, Bier brauen vor
die Arbeiter und zuverzappen, frei Hasenjagd, soweit die Güter
gehen, auch Hühner zu fahen, frei Fischerei, soweit die Güter
gehen und bis hinab an das Bahrwasser an Bastian Hildmanns.«
(Akten im Bergamt Freiberg.) 1765 will der neue Hammermeister
Schrickel einen oder zwei Blechhämmer, eine Stahlklingen-,
Sensen- und Fuhre-Schmiede auf seinem ~sub hasta~ erstandenen
Hammerwerk Cammerhof anlegen und auch ein Zinnwerk einrichten.
1770 werden nicht weniger als sechshundert Fuhren Eisenstein
von Torgau bis Pirna für Cammerhof benötigt. Eine Zeichnung von
1785 zeigt den Hochofen und das Kohlenmagazin von Cammerhof
(Akten Freiberg). 1812 ist nun von einem Hammer_gut_ die Rede.
Doch wird noch 1817 angegeben, daß hier ein Hochofen und zwei
Schaufelfeuer seien. (M.)
Gleiches Alter hat der Hammer _Kleppisch_ (wendisch ~klepač~
= Hammer), auf dem 1445 »der lange Rorer vom Clepatzsch auf
Walpurgis zum Schloß Pirna« 15 g. für »ißensteyn hohlen«
zinst. (M.) Um 1630 ist dieser Hammer eingegangen. Auch
das benachbarte _Fichte_ war 1445 unter dem Namen »In der
Vichten« ein Hammerwerk; 1647 war es aber »gänzlich caduc.«
(M.) _Cratza_ war um 1500 noch als Schmiedewerk Helstorff
(Hellendorf) genannt; 1619 war es bereits nicht mehr gangbar
(M.)
In _Haselberg_ ist 1486 »eyn Hammer unter dem Haßelberge«;
aber schon 1598 ist es nur noch »ein alt Hammergut, darauf das
Schmiedewerk vor etzlich viel Jahren ganz gar abgeschafft, und
hat der Besitzer bisher allein den Ackerbau genützt.« (M.)
Nur kurze Zeit scheinen die Stab- und Zainhämmer zu _Bienhof_
und _Zwiesel_ im Betrieb gewesen zu sein. Meiche bringt keinen
Beleg, aus dem der Bienhof als Hammer zweifellos zu erkennen
ist. (Der 1536 genannte Hammermeister »in der Binweide« ist
wohl kaum mit dem Bienhof in Verbindung zu bringen.) Nach dem
Dreißigjährigen Kriege bestanden neben dem Kammerhofe und der
kurfürstlichen Eisengießerei in Königstein nur noch die Hämmer
in Bahra, Oberhütte und Brausenstein; doch wird 1732 wieder ein
Pochwerk in Fichte erwähnt und 1733 der Hammer Kleppisch (Akten
Freiberg). Zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts dürften wohl
die kleinen Eisenhütten in Bauerngüter umgewandelt gewesen sein.
Zu den bereits im _Sandsteingebiete_ gelegenen Hämmern nur
wenige Worte! 1470 wird das »smedeberg genandt der _Neytbergk_
und eine schichte uff dem eysinberge zchum Gyshofil« (=
Berggießhübel) erwähnt. 1792 erhält der Hammermeister
Andreas Lugur zu Lohmen die Erlaubnis, einen »Zeug-,
Eisen- und Waffenhammer« auf der zur Zeit eingegangenen
»Hammer-Wercks-Stätte« des Hammergutes Neidberg zu errichten.
Lugur will aber »keinen Hohen Ofen samt Frisch- und Stabkammer«
bauen. (M.) 1575 wird dem Benno Cletitz zu Pirna verboten,
»den synder vor seinem Hammer zum _Brausenstein_ zu puchen«.
(M.) 1533 ist Jacob Hertel »ufm _Reichstein_ Hammermeister.«
Aber schon 1655 liegt auch dieses »Hammer- und Schmiedewerk«
wüste. (M.) Der _Bahrhammer_ wird 1524 erstmalig erwähnt; 1640
ist er nur ein »verwüstetes Hammergut«, aber aus den Jahren
1668–1681 liegen wieder Abrechnungen über gelieferte Granaten,
Kartätschenkugeln u. a. vor. (M.)
Je mehr Deutschland in die Weltwirtschaft eintrat, um so mehr
ließ es seine eigenen Eisenlagerstätten unausgebeutet liegen
und bezog die Erze aus den ungeheuer reichen Eisengebieten
Schwedens, Nordspaniens, Luxemburgs. Der Weltkrieg erst lehrte
uns wieder, bescheiden mit dem hauszuhalten, was Mutter Natur
uns in den Schoß gelegt hat. Auch im östlichen Erzgebirge regt
sichs wieder. Zahlreiche Neuverleihungen alter Grubenfelder
sind erfolgt. Ernstliche Betriebsaufnahmen aus dem Herbst
1923 sind zu vermelden von Berggießhübel (Magneteisen, Kiese)
und vom Segen Gottes Erbstolln zu Schellerhau (Roteisenerz).
Handelt es sich auch vorläufig mehr um einen Untersuchungs- und
Aufschließungsbetrieb, so dürfte sich doch hier und da eine
bescheidene Blüte des Bergbaues entwickeln, und die Männer
»vom Leder« werden aufs neue das Kulturbild unserer heimischen
Berglandschaft beleben helfen.
Fußnote:
[3] _A. Meiche_, Historisch-topographische Beschreibung der
Amtshauptmannschaft Pirna. Dieses umfangreiche, leider noch
unveröffentlichte Werk liegt im Hauptstaatsarchiv und wurde
dem Verfasser des Aufsatzes zur Durchsicht freigegeben. Die
ihm entnommenen urkundlichen Belege sind im folgenden mit
(M.) gekennzeichnet.