Aufnahme von Joseph Ostermaier, Dresden-Blasewitz]

Die Umgrenzung des östlichen Erzgebirges als einheitliches,

zusammenhängendes Naturschutzgebiet kann sich naturgemäß nicht mit

den bei geographischer Betrachtung gegebenen Umrissen decken. Und

ebensowenig kann hier der angewandte Naturschutz auf diesem in seiner

Beziehung zur Erdgeschichte so kleinen Gebiete der urgewaltigen Sprache

folgen, welche die geologische Wissenschaft so eindringlich zu uns

redet. Die locker zu haltende Umrandungslinie hat vielmehr dasjenige

zusammenhängende Gebiet zu umfassen, welches auf seiner Oberfläche die

große Mehrzahl der zu schützenden Naturobjekte trägt.

Die natürlichen Grenzlinien des Gebietes, im Sinne des Naturschutzes,

ergeben sich ganz zwanglos aus den Einflußzonen der fünf großen

Basaltdurchbrüche, deren Verwitterungsprodukte von allergrößtem

Einfluß auf die floristische Besiedelung des Gebietes gewesen sind.

Dem achthundertdreiundzwanzig Meter hohen Geisingberge, dem jenseit

der grünweißen Grenzpfähle bis auf siebenhundertvierundzwanzig Meter

aufragenden Sattelberge, dem fünfhundertfünfundsiebzig Meter hohen

Luchberge bei Dippoldiswalde, dem schon in die Großstadt Dresden aus

vierhundertachtundsiebzig Meter Höhe hereinschauenden Wilisch und dem

durch jetzt eingestellten Steinbruchsbetrieb stark eingeschrumpften

Cottaer Spitzberg mit einer Höhe von dreihunderteinundneunzig Metern.

Das von diesen fünf Basaltkuppen eingeschlossene und von ihren

Zersetzungsprodukten nach außen stark beeinflußte Gelände, bis an die

Weißeritz in Westen, die Elbtalmulde in Norden, das Sandsteingebiet in

Osten und den Gebirgskamm in Süden, stellt das östliche Erzgebirge vom

Gesichtspunkte des erstrebten Naturschutzes aus dar.

Eine besondere Betrachtung der so mannigfaltigen Pflanzendecke des

Gebietes kann an dieser Stelle unterbleiben. Es sei auf die von

Professor Dr. A. Naumann bearbeitete, erschöpfende Darstellung der

»Vegetationsverhältnisse des östlichen Erzgebirges« hingewiesen. Sie

ist eine ebenso nötige, wie wertvolle Ergänzung dieses Heftes[2]. Es

heißt dort unter Bezug auf die schon genannten Basaltberge: »Ihre

nach Norden abgeführten kalkigen Verwitterungsprodukte haben die

Wiesen mergelig gemacht und die Vertorfung gefördert, so daß gerade in

den Bergwiesen dieses Gebietes ein Reiz liegt, der zusammen mit den

von Hochstauden bestandenen rauschenden Wasserläufen, den parkartig

anmutenden Mengwaldinseln und den über diese liebliche Landschaft

verstreuten Siedelungen jeden Besucher, auch den Nichtbotaniker, mit

unvergeßlichen Eindrücken erfüllen wird.« –

Um alle Schutzmaßnahmen schnell und ohne Verzug durchzuführen und die

geschützten Objekte leichter überwachen zu können, ist das Gebiet

in fünf kleinere Bezirke, mit vorhandenen oder noch zu schaffenden

Mittelpunkten in Gottleuba, in Liebstadt, Glashütte, Lauenstein und

Geising-Altenberg, zergliedert worden. Von hier aus ist schon viel

verdienstliche Arbeit geleistet, der Heimatschutzgedanke in immer

weitere Kreise und bis in die entlegensten Dörfer getragen und auch

denen nahe gebracht worden, die bisher noch nichts davon gehört hatten.

An den wichtigsten Verkehrspunkten weisen geschmackvolle größere

und kleinere Holztafeln auf die Schonung von Pflanzen und Tieren

hin. Tausende von Plakaten sind in den Ortschaften, Gasthäusern,

Schulen und Gemeindeämtern des Gebietes verteilt und erinnern

Einwohner und Besucher an den Schutz der heimischen Natur. Die schon

erwähnten bunten Tafeln, mit den durch die Pflanzenschutzverordnung

geschützten Pflanzen, sollen in Kürze die gleiche Verbreitung finden.

In einer Anzahl besonders günstig gelegener Einkehrstätten werden

die Mitteilungen und sonstigen Veröffentlichungen des Heimatschutzes

ausgelegt und in den genannten Mittelpunkten der Unterbezirke ein für

jedermann zugängiger Gastraum eines vorteilhaft gelegenen Gasthofes

mit Bildern und Veröffentlichungen des Heimatschutzes, sowie mit

den vom Heimatschutz beeinflußten Erzeugnissen der Volkskunst und

der bodenständigen Kleinkunst ausgestattet. Lichtbildervorträge und

Studienausflüge nach geschützten Naturdenkmälern werden die Schönheiten

des Heimatlandes auch denen erschließen, die bisher achtlos an ihnen

vorübergegangen.

Damit wären in großen Umrissen das Gebiet und die in ihm zu lösenden

Aufgaben skizziert. Die eingestreuten Bilder veranschaulichen besonders

charakteristische Pflanzenstandorte und einige geschützte Einzelobjekte.

In dem beigegebenen Verzeichnisse sind die Pflanzen zusammengestellt,

von denen sich Standorte unter der Obhut des Heimatschutzes befinden.

Hier an diesen Örtlichkeiten, deren einige schon seit mehreren Jahren

von menschlichen Eingriffen verschont geblieben sind, bietet sich

dem Botaniker ein reiches Feld interessanter Beobachtungen, deren

Auswertung für Wissenschaft und Naturschutz gleichermaßen nützlich sein

wird. – _Und nun auf, du große Heimatschutzgemeinde zur Tat!_

Wohl wissen wir, daß unser östliches Erzgebirge als Naturschutzgebiet

ein anderes Aussehen haben wird und haben muß, wie die unter Schutz

stehenden Landesteile im nördlichen Deutschland oder im Hochgebirge.

Die dichte Bevölkerung im Sachsenlande und seine volkswirtschaftlich so

bedeutsame, bis in die entlegensten Gebirgstäler vordringende Industrie

im Verein mit der fast restlosen Bodenkultur weisen uns andere Wege.

Sie zeigen uns aber auch klar und deutlich, daß letzten Endes in ihnen

selber die tiefsten Impulse liegen, unser Heimatland schön und reich

zu erhalten, – denn nur die Kräfte, welche lebendig werden, wenn

Heimat- und Naturliebe das Herz mit Licht und Wärme füllen, sind der

Lebensodem, welcher das kurze Menschendasein erhebt und verschönt.

Verzeichnis der im östlichen Erzgebirge besonders zu schützenden

Pflanzen

(Die auf geschützten Standorten vorkommenden sind gesperrt gedruckt)

_Gebirgs-Frauenfarn._ ~Athyrium alpestre~

_Kalk-Buchenfarn._ ~Phegopteris Robertiana~

_Stacheliger Schildfarn._ ~Aspidium lobatum~

_Deutscher Straußfarn._ ~Onoclea Struthiopteris~

Nördlicher Rippenfarn. ~Blechnum Spicant~

Braunstieliger Streifenfarn. ~Asplenium Trichomanes~

Nördlicher Streifenfarn. ~Asplenium septentrionale~

Mauerraute. ~Asplenium Ruta muraria~

Tüpfelfarn, Engelsüß. ~Polypodium vulgare~

Natterzungenfarn. ~Ophioglossum vulgatum~

_Mondrautenfarn._ ~Botrychium Lunaria~

_Riesenschachtelhalm._ ~Equisetum maximum~

_Keulenbärlapp._ ~Lycopodium clavatum~

_Eibe._ ~Taxus baccata~

_Wacholder._ ~Juniperus communis~

_Scheiden-Wollgras._ ~Eriophorum vaginatum~

_Gefleckter Aronstab._ ~Arum maculatum~

Grünlicher Germer. ~Veratrum Lobelianum~

Bärenlauch. ~Allium ursinum~

_Feuerlilie_. ~Lilium bulbiferum~

_Türkenbundlilie._ ~Lilium Martagon~

_Quirlige Weißwurz._ ~Polygonatum verticillatum~

_Maiblume._ ~Convallaria majalis~

_Vierblättrige Einbeere._ ~Paris quadrifolia~

Schneeglöckchen. ~Galanthus nivalis~

_Blaue Schwertlilie._ ~Iris sibirica~

_Kugelorchis._ ~Orchis globosa~

_Saleporchis._ ~Orchis Morio~

_Mannsorchis._ ~Orchis mascula~

_Holunderorchis._ ~Orchis sambucina~

_Breitblättrige Orchis._ ~Orchis latifolia~

_Gefleckte Orchis._ ~Orchis maculata~

_Grünes Hohlzüngel._ ~Coeloglossum viride~

_Große Händelwurz._ ~Gymnadenia conopea~

_Zweiblättrige Stendelwurz._ ~Platanthera bifolia~

_Grünliche Stendelwurz._ ~Platanthera chlorantha~

_Schwertblättriger Orant._ ~Cephalanthera longifolia~

_Breitblättrige Sumpfwurz._ ~Epipactis latifolia~

_Großes Zweiblatt._ ~Listera ovata~

_Vogelnestwurz._ ~Neottia nidus avis~

_Karpathen-Birke._ ~Betula carpatica~

Riemenblume. ~Loranthus europaeus~

_Buschnelke._ ~Dianthus Seguieri~

_Steinnelke._ ~Dianthus deltoides~

Prachtnelke. ~Dianthus superbus~

Weiße Wasserrose. ~Nymphaea alba~

_Trollblume._ ~Trollius europaeus~

_Christophskraut._ ~Actaea spicata~

_Akelei._ ~Aquilegia vulgaris~

_Eisenhut._ ~Aconitum gracile~

Gelbe Anemone. ~Anemone ranunculoides~

Leberblümchen. ~Hepatica triloba~

_Eisenhutblättriger Hahnenfuß._ ~Ranunculus aconitifolius~

_Akeleiblättrige Wiesenraute._ ~Thalictrum aquilegifolium~

_Hohler Lerchensporn._ ~Corydalis cava~

_Mittlerer Lerchensporn._ ~Corydalis intermedia~

Brunnenkresse. ~Nasturtium officinale~

Neunblättrige Zahnwurz. ~Dentaria enneaphyllos~

Zwiebeltragende Zahnwurz. ~Dentaria bulbifera~

_Ausdauerndes Silberblatt._ ~Lunaria rediviva~

_Rundblättriger Sonnentau._ ~Drosera rotundifolia~

Sprossende Hauswurz. ~Sempervivum soboliferum~

Sumpfherzblatt. ~Parnassia palustris~

_Geißbart, Johanniswedel._ ~Aruncus silvester~

_Holzapfel._ ~Pirus silvestris~

_Elsbeerbaum._ ~Sorbus torminalis~

Deutsche Mispel. ~Mespilus germanica~

Erdbeer-Fingerkraut. ~Potentilla sterilis~

_Alpenheckenrose._ ~Rosa alpina~

_Aufrechter Goldregen._ ~Cytisus nigricans~

Brauner Storchschnabel. ~Geranium phaeum~

Pfaffenhütchen. ~Evonymus europaea~

Rosenmalve. ~Malva Alcea~

_Kellerhals, Seidelbast._ ~Daphne Mezereum~

_Sanikel._ ~Sanicula europaea~

_Talstern._ ~Astrantia major~

Meisterwurz. ~Imperatoria Ostruthium~

_Laserkraut._ ~Laserpitium prutenicum~

_Rundblättriges Birnkraut._ ~Pirola rotundifolia~

_Geruchloses Himmelschlüsselchen._ ~Primula elatior~

_Arzneiliches Himmelschlüsselchen._ ~Primula officinalis~

Siebenstern. ~Trientalis europaea~

_Stumpfblättriger Enzian._ ~Gentiana obtusifolia~

_Bitterklee._ ~Menyanthes trifoliata~

Immergrün. ~Vinca minor~

_Lungenkraut._ ~Pulmonaria officinalis~

_Schwarze Königskerze, Wollkraut._ ~Verbascum nigrum~

_Gelber Fingerhut._ ~Digitalis ambigua~

_Fettkraut._ ~Pinguicula vulgaris~

_Glockenblumen._ ~Campanula Cervicaria~, ~C. _glomerata_~,

~C. persicifolia~, ~C. Trachelium~, ~C. latifolia~

_Blaue_ und _schwarze Teufelskralle_. ~Phyteuma orbiculare~

und ~nigrum~

_Bergwohlverleih._ ~Arnica montana~

_Alantdistel._ ~Cirsium heterophyllum~

Krauses Kreuzkraut. ~Senecio crispatus~

_Perücken-Flockenblume._ ~Centaurea pseudophrygia~

_Geflecktes Ferkelkraut._ ~Hypochoeris maculata~

_Kleine Schwarzwurz._ ~Scorzonera humilis~

Alpenlattich. ~Mulgedium alpinum~

Weiße Pestwurz. ~Petasites albus~

Fußnoten:

[1] Dachs, Edelmarder, Hermelin, Ziesel, Siebenschläfer,

Eisvogel, Wasseramsel, Schwarzspecht, Waldkauz,

Mäusebussard.

[2] Ein Sonderdruck dieser in den Sitzungsberichten und

Abhandlungen der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft

»Isis« in Dresden veröffentlichten Arbeit ist in der

Geschäftsstelle des Heimatschutzes zu haben. (Preis 50 Pf.)

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XIII, Heft 3-4 · 第 39 / 69 题