Von Professor Dr. _Paul Wagner_

Ein Schöpfungstag – einer jener endlos langen, unmeßbaren Zeiträume

der Erdgeschichte – ist angebrochen. Mitteleuropa schlummert noch auf

dem Grunde eines seichten Meeres der Auferstehung entgegen. Die Sonne

zieht am Himmel ihre Kreise; Stürme durchfurchen das Wasser, in dem

seltsame Lebewesen – die Urahnen unserer Fische, Schnecken, Muscheln,

Krebse, Korallen – sich ihres Daseins freuen. Moosähnliche Büschel von

Polypenkolonien wachsen auf dem dunklen Schlamm der seichteren Uferzone

oder lassen sich, mit zierlichen Schwimmblasen behaftet, von der

Strömung treiben. Aber aus den Tiefen des Erdballs droht ihnen Gefahr.

Plutos feurige Werkstatt ist nicht weit: von Zeit zu Zeit öffnen sich

ihre Schlünde; glühendflüssige Lava durchbricht den Meeresboden, läßt

das Wasser siedend aufzischen und zerspratzt dabei selbst in feinstes

Aschenpulver, bis endlich die Gesteinsschmelze sich in breitem Strom

ergießt und als »_Grünstein_« erstarrt.

[Illustration: Abb. 1 =Blick vom Kahleberg auf den Geising=

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XIII, Heft 3-4 · 第 13 / 69 题