Der ältere Name Luzons lautet Lusong, wie ihn noch heute die Chinesen
gebrauchen. Legazpi gab dieser grössten Insel der Philippinen den
Namen Neu-Castilien, doch gerieth dieser Name in Kürze vollständig
in Vergessenheit. Nach der wichtigsten Stadt, nicht nur Luzons,
sondern auch der Philippinen überhaupt, nach Manila [60] nämlich,
wurde auch Luzon Manila genannt, aber nur von den Portugiesen und
Franzosen, welche auch die gesammten Philippinen Manila-Inseln nannten,
daher auch in einigen deutschen Werken des vorigen Jahrhunderts unser
Archipel die Bezeichnung "die Manillen" führt, doch ist zum Glück diese
geschmacklose Benennung von den deutschen Karten verschwunden. Zur
Zeit der Conquista zerfiel Luzon in folgende Landschaften: Albay oder
Ibalon, Camarínes oder Nebuy, Talyabas oder Calilaya, Batangas oder
Comintana, Manila mit Tondo, Laguna de Bay, Pampanga, Pangasinan,
Ilócos und Cagayan.
Unter der Landschaft Ibalon oder Albay der Conquista ist der südlichste
Theil Luzons zu verstehen, und zwar kann man als nördliche Grenzscheide
die tiefe Einsenkung zwischen den beiden Vulcanen, dem (übrigens
erloschenen) Mazaraga und Máyon (besser bekannt als "Vulcan von Albay")
annehmen. Diese Landschaft Albay ist wohl zu unterscheiden von der
späteren Provinz Albay, zu welcher auch die Inseln Masbáte und Ticáo
gehörten. Ibalon wurde 1569 durch Guzman entdeckt und diese Entdeckung
unmittelbar von Ibarra fortgesetzt, insbesondere an der Ostküste.
Die Landschaft Nebuy oder Camarínes hatte als nordwestliche Grenze
die beiden Flüsse Rio Tabagon und Rio Cabibijan, von denen der erstere
in die Bucht von Sogod an der Contracosta, der letztere in die Bucht
von Guinayangan oder Ragay sich ergiesst. Von der Landschaft Albay ist
Camarínes durch die obenerwähnte Einsenkung zwischen dem Mazaraga und
Máyon getrennt. Der Entdecker von Camarínes ist Don Juan de Salcedo,
den nördlichen Theil entdeckte er bereits 1571, den Rest 1573. Die
Catanduanes-Inseln an der Ostküste von Camarínes sind aber nicht von
ihm, sondern vom Capitän Chaves (1573) besucht worden, ebenso die
Küstenstrecken in der Bucht von Ragay.
Calilaya oder Tayábas umfasste den schmalen isthmusartigen Landstrich
Luzons, welcher vom Vulcane Mahayhay bis zu der von mir oben erwähnten
Nordwestgrenze von Camarínes reichte. Die nördlichen Gestade (an
der Contracosta) wurden von Salcedo 1571 entdeckt, die südlichen zur
selben Zeit vom Capitän Ibarra, ein Theil der an der Bucht von Ragay
liegenden Gestade wurde erst 1573 von Chaves betreten.
Die Landschaft Comintana oder Batangas wurde auch nach ihrer
grössten Stadt: Taal oder nach ihrem Binnensee, der Laguna de Bombon,
Bombon genannt. Sie umfasste die heutige Provinz Batangas und den
südlichen Theil der Provinz Cavite. Ihre Gestade wurden von Goyti
und Salcedo 1570 entdeckt und diese Entdeckungen 1571 durch Ibarra
vervollständigt. Die Laguna de Bombon wurde von Salcedo 1570 entdeckt,
die nördlichen Ufer derselben wurden von ihm nur von der Ferne gesehen,
da er nur im südlichen Theile des Sees an's Land trat.
Die Landschaften Manila und Tondo umfassten die heutige Provinz
Tondo-Manila ganz, ferner den nördlichen Theil der Provinz Cavite und
Theile der Provinz Bulacán. Ihre Küste wurde von Goyti 1570 entdeckt,
wie denn dieser ungemein tüchtige Baske der Entdecker der Bai von
Manila ist und nicht Salcedo. Die am Pasig gelegenen Theile wurden
1571 von Salcedo entdeckt und unterworfen.
Die Landschaft Laguna umfasste die ganzen Ufergebiete der Laguna de
Bay (früher auch "Bahi" genannt) und wurde 1571 von Salcedo entdeckt
und tributpflichtig gemacht.
Unter Pampanga verstand man in den Zeiten der Conquista nicht allein
die heutige Provinz gleichen Namens, sondern auch den nördlichen Theil
von Bulacán, die südliche grössere Hälfte des heutigen Zambales, den
südwestlichen Theil von Nueva Vizcaya und das ganze heutige Nueva
Écija, La Infanta und Bataán. Die an der Bai von Manila gelegenen
Theile, die Corregidor-Insel (damals Marivelez genannt), entdeckte
1571 Goyti, alle übrigen Gestadelandschaften des alten Pampanga's
wurden 1572 von dem Cortés der Philippinen, dem ritterlichen Don Juan
de Salcedo, auf seiner Umseglung Nord-Luzons entdeckt. Salcedo liess
keine Bucht undurchforscht.
Pangasinán umfasste die Küstenlande des Golfs von Lingayen (Lingayan),
weshalb es auch Lingayen genannt wird. Die Halbinsel, welche zwischen
dem Golf von Lingayen und der Bucht von Bazol liegt und mit dem Cap
Bolinao endigt, gehörte damals zu Pangasinán, ebenso der südlichste
Theil der heutigen Provinz Union. Pangasinán wurde von Salcedo 1572
entdeckt.
Ilócos umfasste den ganzen langgestreckten aber schmalen Küstensaum,
welcher vom Golf von Lingayen, und zwar vom Monte Sto. Tomas sich
bis über das Cap Bogeador ausdehnt. Ilócos wurde ebenfalls 1572 von
Salcedo entdeckt und unterworfen.
Cagayán war das Land an der Nordküste Luzons und an den Ufern des Rio
Grande de Cagayán (dem Rio Tago älterer Werke). Auch hier begegnen
wir dem Namen Salcedo's wieder, der das Land entdeckte, aber nicht
unterwarf (1572).
Die nördlich von Luzon gelegenen Babuyanes-Inseln wurden in der Zeit
zwischen 1581-85 entdeckt, von wem? ist nach dem mir vorliegenden
Quellenmaterial nicht zu sagen. Ich vermuthe, dass Capitän Carrion
sie entdeckte, als er eine japanische Piraten-Niederlassung an
der Küste Cagayáns (in der Nähe des heutigen Aparri) verhinderte
und seine Schiffe den japanischen Flüchtlingen nachsetzten. 1585
zählte Philipp II. auf diesen Inseln bereits 1000 Unterthanen. Die
nördlich von den Babuyanes gelegenen Batanes oder Bashee-Inseln
waren den Spaniern lange vor der angeblichen Entdeckung Dampier's
bekannt. So kehrte die Mannschaft des 1596 an der japanischen Küste
gescheiterten spanischen Schiffes S. Francisco über die Batanes
nach Manila zurück, ohne dass diese Schiffbrüchigen als Entdecker
dieser Inselgruppe bezeichnet werden, es müssen also die Batanes
schon vor 1596 den Spaniern bekannt gewesen sein. Erst in der Zeit
des nordamerikanischen Unabhängigkeits-Krieges wurden diese Inseln
von den Spaniern militärisch besetzt.
E. Mindanao mit dem Sulu-Archipel.
Es ist sehr schwer, die Entdeckungsgeschichte dieser Insel mit
apodiktischer Sicherheit wiederzugeben, denn nirgends waren die
ersten spanischen Seefahrer so freigebig mit Namensbezeichnungen,
die sich selten localisiren lassen, als hier.
In der ersten Zeit besass diese zweitgrösste Insel der Philippinen
gar keine Gesammtbezeichnung, sondern nur die Namen der einzelnen
Districte, denen das Wort Isla (Insel) vorgesetzt wurde, so dass man
glauben konnte, einen ganzen Archipel, statt einer einzigen grossen
Insel vor sich zu haben. Noch im Anfange des XVII. Jahrhunderts finden
wir Bezeichnungen wie: Isla de Caraga, Isla de Butuan &c. vor. Auf
diese Weise entstand die nie existirende Insel San Juan auf den alten
Karten im Nordosten von Mindanao, welche, nebenbei gesagt, noch in
Spruner's historischem Handatlas ihre mysteriöse Existenz ungestört
weiterfristet. Der Name Mindanao war auf das Mündungsgebiet des Rio
Grande de Mindanao beschränkt, wo das mächtige Sultanat gleichen
Namens sich bildete. Als durch die Jesuiten der Name Mindanao bald
zur Gesammtbezeichnung der ganzen Insel wurde, entstanden grössere
Confusionen selbst bei minder oberflächlichen Schriftstellern,
indem die Landschaft Mindanao, das gleichnamige Sultanat (welches
in seiner Blüthezeit die ganze Westküste des Eilandes umfasste) und
die gesammten Inseln miteinander verwechselt wurden. Bei Benutzung
alter Werke ist daher grosse Vorsicht nöthig, wenn man in denselben
auf den Namen Mindanao stösst, selbst wenn dort "Isla de Mindanao"
sich findet, ist oft nur das Mündungsgebiet des obenerwähnten Flusses
gemeint. Nur wenn wir auf den Namen La Isla Grande (de Mindanao)
stossen, ist jeder Zweifel überflüssig. Die Variante Magindanao wurde
von spanischen Schriftstellern nur selten gebraucht. Der gediegenste
Historiker der Insel der selbst lange Jahre auf ihr zugebracht hatte
(Mitte des XVII. Jahrhunderts), P. Combes, schreibt stets Mindanao. Die
Leute Magallanes' nannten die Nordküste der vom Panguil-Busen sich
vom Hauptkörper abtrennenden westlichen Halbinsel Mindanao's Quipit
oder Quepindo, eine Bezeichnung, die sehr rasch in Vergessenheit
gerieth. Die Ost-Küste von Mindanao wurde schon damals nach ihrem
Hauptorte Costa de Caraga (bei Pigafetta: Calagan) genannt. Bernardo
de la Torre gab 1543 der ganzen Insel [61] den Namen Cesarea, doch
ist auch diese Bezeichnung vollständig in Vergessenheit gerathen. Der
nördliche Theil dieser Caraga-Küste hiess hier zur Zeit Legazpi's
vorübergehend nach einem Vorgebirge Costa de Cauit (Coauit). Zu
Ende des XVI. und Anfang des XVII. Jahrhunderts zerfiel Mindanao in
folgende (geographische) Landschaften, welche zum Theile sich mit
den gleichnamigen politischen Gebieten deckten: 1. Mindanao (das
Mündungsgebiet des Rio Grande de Mindanao und das zwischen diesem
Flusse und dem südlichen Theile der Cordillera de Sugut oder Sujut
liegende Territorium). 2. Buhayen, auch Buhayan, Boayhan &c. genannt
(das Land zwischen dem Rio Grande und der Bahia de Sarangani, den
Oberlauf des mehrgenannten Flusses mit einbegriffen). 3. Caraga
umfasste die ganze Ostküste Mindanao's bis zum südlichsten Punkte
der Insel, der Punta Tinaca; auch das ganze Gebiet des Flusses
Agusan, der bei Butuan mündet, wurde zu Caraga gerechnet. 4. Iligan
(die Küste zwischen Iligan und der Insel Camiguin). 5. Das Land
der Illanos und Malanao (das Territorium zwischen der Illanos-Bai
[62] und dem Panguil-Busen mit dem See von Malanao). 6. Sibuguey mit
Zamboanga [63], die langgestreckte Halbinsel umfassend, welche, von
dem Isthmus zwischen dem Panguil-Busen und der Illanos-Bai beginnend,
sich gegen Westen und Südwesten ausdehnt und bei Zamboanga ihr Ende
findet. Zamboanga hiess damals Sampoangan.
Nach dieser kurzen Beschreibung der alten Eintheilung Mindanao's
will ich zur Registrirung der Entdeckung seiner Küsten übergehen,
wobei ich von dem Princip ausgehe, nur jene Entdeckungen zu melden,
welche sich aus den Quellen ohne jede mir verhasste Hypothesenreiterei
erweisen lassen.
Beginnen wir bei der Nordküste: Die Bai von Butuan sowie die
Surigao-Halbinsel entdeckte Magallanes 1521. Schwieriger ist es,
die Entdeckung der Insel Camiguin und der zwischen dem Panguil-Busen
und dieser Insel gelegenen Küstenstriche festzustellen. Gründlich
untersucht wurde dieses Gebiet durch die Expeditionen, welche Legazpi
von Cebú aus 1565-1569 nach Mindanao unter Sauz, Goyti und Isla
abschickte, weshalb ich auf meiner Kartenskizze es mit der Farbe
der Legazpi-Entdeckungen colorire, obwohl bereits die Expedition
des Villalobos einzelne Theile dieses Landes gesehen hat (Villalobos
selbst nicht, aber von ihm auf Lebensmittelrequisition abgeschickte
Schiffe). Der Panguil-Busen wurde wegen der Gefährlichkeit seines
Fahrwassers, der Unwirthbarkeit seiner Gestade und der Feindseligkeit
seiner Umwohner von den ersten Conquistadoren nur an seiner breiten
Mündung besucht; vollständig wurden seine Gestade erst in den Jahren
1639 und 1640 erforscht, als der kühne Gobernador der Philippinen,
Corcuera, systematisch von allen Seiten den Angriff auf die
unabhängigen Malaien Mindanao's eröffnete, um Spanien den Besitz
der ganzen Insel zu sichern. Bei dieser Gelegenheit wurde auch der
See von Malanao durch eine von Iligan abgehende Expedition entdeckt
und seine Gestade für kurze Zeit Spanien zinspflichtig gemacht. Die
ganze Umgebung Dapitans wurde erst 1565 von Don Miguel Lopez de
Legazpi entdeckt. Es darf nicht verschwiegen werden, dass Dapitan
wahrscheinlich in der Zeit von 1531-1562 von Portugiesen besucht worden
war, da wir aber hierüber keine sicheren Nachrichten besitzen, und
Legazpi selbst von den Eingeborenen Nichts über eine frühere Ankunft
oder Anwesenheit von Europäern erfuhr, so belassen wir den Spaniern
den Ruhm der ersten Entdeckung. Die Küste um das Cap Quipit wurde im
Jahre 1521 von Carvalho entdeckt. Die langgestreckte Halbinsel, an
deren südlichem Ende Zamboanga liegt, wurde erst unter Legazpi näher
erforscht, als die Spanier, unterstützt von den Fürsten von Dapitan,
jenes Land der Krone Castiliens unterwarfen, doch ist auch hier mehr
als wahrscheinlich, dass die Leute des Magallanes die ersten waren,
welche dieses Land gesehen hatten. Die Entdeckung des Mündungsgebietes
des Rio Grande de Mindanao gebührt ohne alle Frage den Portugiesen,
ebenso nach meiner Vermuthung die Entdeckung der Punta Flecha. Die
Südküste Mindanao's, sowie die Sarangani-Inseln entdeckten die Leute
des Magallanes auf ihrer Fahrt nach den Molukken.
Das Cap S. Augustin, sowie die gesammte Ostküste Mindanao's entdeckte
der Führer der Loaysa-Expedition, Toribio Alonso de Salazar, 1526. Die
Davao-Bai wurde erst 1578 durch Figueróa in ihrem gesammten Gebiete
durchforscht.
Schwieriger ist, die Entdeckung der Sulu-Inseln Schritt für Schritt
zu verfolgen. Die Sulu-Inseln wurden von den Spaniern Xoló (nach der
neuen Orthographie: Joló) genannt und zu ihnen natürlich auch Basilan
gerechnet, welches damals nach einem seiner Küstenorte Taguima genannt
wurde. Magallanes segelte mitten durch den Archipel, Albo nennt hiebei
Sulu: Soló oder Soolou, Basilan aber: Jaguima (offenbar hat Navarrete
in letzterem Worte J für T gelesen), später wurde die Hauptinsel
einige Mal von einzelnen Spaniern aus den Molukken aufgesucht,
unter Saavedra (1529) hielt sich ein spanisches Schiff einige Zeit
in Sulu auf. Basilans Nordküsten wurden noch unter Legazpi in der
Zeit 1566-1571 von den Spaniern betreten, die südlichen Gestade erst
1578 von Figueróa genau untersucht, der dasselbe bei der Hauptinsel
that. Figueróa sah zwar auch Tawitawi, betrat aber dessen Boden nicht,
das geschah erst in den Zeiten Corcuera's, als dessen tapfere Seehelden
Almonte, Ugalde und Monforte den nach Tawitawi geflüchteten Sultan
von Sulu zeitweilig belagerten.
So können wir aus dem Gesagten ersehen, dass, ungeschmälert die
unsterblichen Verdienste des Magallanes, Don Juan de Salcedo es war,
dem die Krone unter den Entdeckern und Conquistadoren der Philippinen
gebührt. Das Innere der meisten Inseln ist noch heut' zu Tage eine
terra incognita, erst in der jüngsten Zeit begann man das Versäumte
nachzuholen, und unter diesen wissenschaftlichen Conquistadoren
begegnen wir auch deutschen Namen: Dr. F. Jagor, Dr. A. B. Meyer,
Prof. C. Semper und Dr. Ritter von Drasche. Am wenigsten durchforscht
sind Mindanao, Mindoro und Palawan, obwohl der tapfere spanische
Marine-Officier und Kartograph Don Claudio Montero y Gay zur näheren
Kenntniss der erstgenannten Insel sehr viel beigetragen hat.