1. Weisse und deren Mischlinge.

Die weisse Bevölkerung der Philippinen war nie eine beträchtliche. Sie

erhielt am Anfange des XVII. Jahrhunderts einen Zuwachs durch jene

portugiesischen Familien, welche nach der Eroberung der Molukken

durch die Holländer sich nach den Philippinen flüchteten. Was unseren

Archipel von allen übrigen spanischen Colonialländern scharf schied,

war das gänzliche Fehlen eines weissen Grundbesitzerstandes; die

Hacenderos und Mineros von Neu-Spanien und Peru waren hier nicht

vorhanden, denn die Philippinen lieferten bis zur Regierung des

thätigen Gobernadors Basco nichts Nennenswerthes an Bodenproducten,

sie waren nur ein Entredépôt des chinesisch-spanischen Handels. Nach

dem westphälischen Frieden wanderten nur Wenige ein, kein Wunder, wenn

man bedenkt, dass man von Spanien nach Manila nur den Weg über Mejico

und durch den Stillen Ocean nehmen durfte, und dass der jährliche

Verkehr zwischen Neu-Spanien und Manila sich nur auf ein einziges

Schiff beschränkte. Die Einwanderer waren Beamte, Soldaten, Mönche,

politische Verbrecher, mitunter auch Abenteurer dunkler Vergangenheit

und wenige Kaufleute. Fast die gesammte weisse Bevölkerung concentrirte

sich in Manila, die von den ersten Conquistadoren begründeten Städte

mit spanischer Bevölkerung und Municipalverfassung verödeten, wie

Cebú, N. Cáceres, N. Segovia oder wurden wieder zu Indier-Dörfern, wie

Arevalo auf Panay. Die wenigsten von den Eingewanderten trugen sich

mit dem Gedanken, sich hier bleibend niederzulassen, sondern kehrten

nach einer Reihe von Jahren in ihr Vaterland zurück, da überdiess

die Zahl der eingewanderten Frauen eine geringe war, so konnte sich

nicht jene mächtige Creolenkaste bilden, die in Spanisch-Amerika noch

heute dominirt.

Als das Festland von Amerika sich von Spanien losriss und

eine Militärrevolte in Manila Statt fand, verwies die spanische

Regierung alle die zahlreichen Mejicaner und Peruaner, welche seit

Basco zahlreich nach den Philippinen gewandert waren. Die Regierung

erschwerte auch in einer dem Gedeihen der Colonie sehr hinderlichen

Weise die Ansässigmachung von Weissen auf dem Lande, und erst in

neuerer Zeit haben Erleichterungen Platz gegriffen. Trotzdem nimmt die

Einwanderung der Weissen mit jedem Jahre zu, und demgemäss beginnt

sich auch eine zahlreiche Creolenkaste zu bilden, da viele von den

Einwanderern sich bleibend niederlassen. Die weisse Bevölkerung

steigert sich auch in den Provinzen. Die Ordensgeistlichkeit besteht

ausschliesslich nur aus Weissen.

Die spanischen Mestizen widmen sich nur dem Plantagenbau als kleine

Grundbesitzer oder sie wählen sich die Beamtenlaufbahn. Jene der

niederen Klassen tragen europäische Beinkleider und Schuhe, über den

Pantalons aber das Hemd, dann eine bunte Cravatte und Cylinderhut. Die

Zahl der Mestizen ist in Wirklichkeit viel grösser als die Censuslisten

aufweisen, indem bei der Nachgiebigkeit der Indierinnen, besonders

der Frauen, von den Spaniern viele Kukukseier gelegt werden, wenn ich

mich dieser vulgären Redewendung bedienen darf. Nach Jagor (Reisen 64)

fällt einem in allen Gegenden, wo Spanier häufig sind, die weisse Farbe

der Eingeborenen auf, was auf eine starke Blutmengung hinweist, wenn

auch diese officiell als "Indios" angeführt werden. "Mädchen, die als

Geliebte von Europäern Kinder bekommen, rechnen sich dieses fast zur

Ehre. Noch mehr ist diess der Fall, wenn das Kind vom Pfarrer ist"

(Jagor 129). Die spanischen Mestizen zahlen ebenso wie die Weissen

keine Kopfsteuer.

Versuch einer Ethnographie der Philippinen · 第 72 / 80 题