13. Italonen (Italones).

Die Italonen wohnen nördlich vom Caraballo Sur im südlichen Theile

der Provinz Nueva Vizcaya, wo auch ihre grösseren Orte Lublub,

Bayombon, Dupax &c. liegen. Sie sind erst seit dem Anfange des vorigen

Jahrhunderts allmählich zum Christenthum bekehrt worden, das aber nur

oberflächlich an ihnen haftet. Im Jahre 1702 zählten sie 52 Dörfer,

welche ein nettes Aussehen hatten, ihre Hütten waren von ansehnlicher

Grösse. Obwohl sie eifrige Jäger waren und der Fischfang in ihren

Bächen und Flüssen reichliche Beute lieferte, so bildete dennoch Reis

ihre Hauptnahrung, sie bestellten die Äcker mit Sorgfalt und waren

durch Aufspeichern von Reisvorräthen in der Lage, bei etwa eintretenden

Missernten der Hungersnoth vorzubeugen (Mozo 19 u. 26). Ob sie andere

Hausthiere als den Hund besassen, ist mir nicht bekannt, obwohl manches

darauf schliessen lässt, dass der Büffel und das Schwein wenigstens

in geringer Zahl gezüchtet oder eingehandelt wurden. Aus Zuckerrohr

bereiteten sie ein berauschendes Getränk, Ilang genannt (Mozo 32). Ihre

Waffen waren Lanze, Waldmesser und Schild. Ihre unbändige Kriegslust,

die gegen ihre sonstige Liebenswürdigkeit (Mozo 19) eigenthümlich

abstach, reizte sie zu beständigen Fehden mit den Nachbarstämmen,

insbesondere den Abacas und den Balugas, wobei derjenige den grössten

Ruhm davontrug, der die meisten Feindesschädel heimbrachte, denn sie

waren Kopfjäger (Mozo 32, 35). Diese eigenthümlichen Trophäen wurden

in der Hütte sorglich aufbewahrt, nur pflegten sie vorher den Schädel

seiner Zähne zu berauben, um damit den Handgriff ihres Hackmessers

auszuschmücken (Mozo 22). Ihre Kriegführung beruhte hauptsächlich auf

List und Überrumpelung, der offene Kampf, Mann gegen Mann, wurde so

sehr als möglich gescheut; am liebsten überfielen sie den Feind in der

Nachtzeit (Mozo 34). Die erlittenen Wunden, sowie andere Krankheiten

heilten sie durch verschiedene Kräuter, über welche Mozo (Misiones

56) eingehend berichtet. Sie sollen auch das Blut der erschlagenen

Feinde getrunken und Theile von deren Hinterhaupte und Eingeweiden roh

verzehrt haben, um den Muth des Erschlagenen zu erben (Mozo 32 f.; Mas,

pobl. 22). Starb ein angesehener Häuptling, so hüllten sie ihre Waffen

zum Zeichen der Trauer ein, und diese Ceremonie nannten sie Magbalata.

Wie bei den Igorroten war auch bei ihnen nur Monogamie üblich,

die Ehen konnten nur durch den Tod eines der Gatten gelöst werden

(Mozo 19). Kebsweiber neben der Gattin zu halten, war untersagt,

auch durften Blutsverwandte keine Ehen untereinander eingehen (l. c.).

Über ihre frühere Religion stehen mir nur die dürftigen Notizen des

Augustiners P. Arzaga zur Verfügung. Nach diesen glaubten sie an

einen einzigen Gott, der die Guten belohne und die Bösen bestrafe,

doch wussten sie nicht zu sagen, in was die Belohnung bezw. Strafe zu

bestehen hätte. Dieser Gott hatte nach ihrer Ansicht im Himmel seinen

Wohnsitz. Auffallend ist, dass dieser Gott unbeweibt lebt, während

sonst alle Bergstämme von Nord-Luzon nur Götterpaare kennen. Sie

glaubten auch an die Unsterblichkeit der Seele, was den Schluss zu

ziehen gestattet, dass der Ahnencultus ihnen nicht unbekannt gewesen

sein mag.

Von diesen erwähnten und dargestellten Bräuchen und Sitten hat sich

wenig erhalten, das Christenthum hat ihrem ganzen Leben tagalisches

Gepräge verliehen.

Versuch einer Ethnographie der Philippinen · 第 28 / 80 题