Mataswinthens Lippe zuckte. »Noch im Tode! Sie starb mit ihm?«

»Laß diese Toten! In zwei Stunden werde ich mit dem Prinzen wiederkommen.

Wirst du bis dahin bereit sein, ihn zu begrüßen?«

»Ich werde bereit sein.«

»Gut. Wir wollen pünktlich sein.«

»Auch ich. Aspa, rufe alle Sklavinnen herbei. Sie sollen mich schmücken:

Diadem, Purpur, Seide.«

»Sie hat den Verstand verloren,« sagte Cethegus im Hinausgehen. »Aber die

Weiber sind zäh. Sie wird ihn wiederfinden. Sie können fortleben mit aus

der Brust gerissenem Herzen.«

Und er ging, den ungeduldigen Prinzen zu vertrösten.

Noch vor Ablauf der bedungenen Zeit kam eine Sklavin, beide Männer zur

Königin zu entbieten.

Germanus eilte mit raschem Fuße über die Schwelle ihres Gemaches. Aber

gefesselt von Staunen blieb er stehen. So schön, so prachtvoll hatte er

die Gotenfürstin nie gesehen.

Sie hatte das hohe, goldne Diadem auf das leuchtende Haar gesetzt, das,

gelöst, in zwei dichten Wellen auf ihre Schultern und von den Schultern

bis über den Rücken floß. Das Unterkleid, von schwerster weißer Seide mit

goldnen Blumen durchwirkt, war nur unterhalb der Kniee sichtbar. Denn

Brust und Schos bedeckte der weite Purpurmantel. Ihr Antlitz war

marmorweiß, ihr Auge loderte in geisterhaftem Glanz. »Prinz Germanus,«

rief sie dem Eintretenden entgegen, »du hast mir von Liebe geredet? Aber

weißt du, was du geredet? Lieben ist sterben.«

Germanus sah fragend auf Cethegus.

Dieser trat vor. Er wollte sprechen.

Aber Mataswintha hob mit heller Stimme wieder an:

»Prinz Germanus, sie rühmen dich den Feinstgebildeten an einem weisen Hof,

wo man sich übt in spitzer Rätsel Ratung. Auch ich will dir eine

Rätselfrage stellen: – sieh zu, ob du sie lösest. Laß dir nur helfen dabei

von dem klugen Präfekten, der sich so ganz auf Menschengemüter versteht.

Was ist das? Weib und doch Mädchen? Witwe und doch nie Weib? Vermagst es

nicht zu deuten? Hast Recht. Der Tod nur löst alle Rätsel.«

Rasch zur Seite warf sie den Purpurmantel. Ein breites, starkes Schwert

blitzte. Mit beiden Händen stieß sie sich’s tief in die Brust.

Aufschreiend sprangen Germanus von vorn, Aspa von rückwärts hinzu.

Schweigend fing Cethegus die Sinkende auf. Sie starb, sowie er das Schwert

aus der Wunde zog. Er kannte das Schwert. Er hatte selbst ihr es einst

gesendet.

Es war das Schwert des Königs Witichis.

Ein Kampf um Rom: Historischer Roman. Zweiter Band · 第 21 / 23 题