Siebentes Kapitel

Es war schon heller Tag, als Effi am andern Morgen erwachte. Sie

hatte Mühe, sich zurechtzufinden. Wo war sie? Richtig, in Kessin, im

Hause des Landrats von Innstetten, und sie war seine Frau, Baronin

Innstetten. Und sich aufrichtend, sah sie sich neugierig um; am Abend

vorher war sie zu müde gewesen, um alles, was sie da halb fremdartig,

halb altmodisch umgab, genauer in Augenschein zu nehmen. Zwei

Säulen stützten den Deckenbalken, und grüne Vorhänge schlossen den

alkovenartigen Schlafraum, in welchem die Betten standen, von dem

Rest des Zimmers ab; nur in der Mitte fehlte der Vorhang oder war

zurückgeschlagen, was ihr von ihrem Bett aus eine bequeme Orientierung

gestattete. Da, zwischen den zwei Fenstern, stand der schmale, bis

hoch hinaufreichende Trumeau, während rechts daneben, und schon an der

Flurwand hin, der große schwarze Kachelofen aufragte, der noch (soviel

hatte sie schon am Abend vorher bemerkt) nach alter Sitte von außen

her geheizt wurde. Sie fühlte jetzt, wie seine Wärme herüberströmte.

Wie schön es doch war, im eigenen Hause zu sein; soviel Behagen hatte

sie während der ganzen Reise nicht empfunden, nicht einmal in Sorrent.

Aber wo war Innstetten? Alles still um sie her, niemand da. Sie hörte

nur den Ticktackschlag einer kleinen Pendüle und dann und wann einen

dumpfen Ton im Ofen, woraus sie schloß, daß vom Flur her ein paar neue

Scheite nachgeschoben würden. Allmählich entsann sie sich auch, daß

Geert am Abend vorher von einer elektrischen Klingel gesprochen hatte,

nach der sie dann auch nicht lange mehr zu suchen brauchte; dicht

neben ihrem Kissen war der kleine weiße Elfenbeinknopf, auf den sie

nun leise drückte.

Effi Briest · 第 10 / 54 题