Im Teich ein trüber,
Grauroter Schein,
Ein brünstiger Hirschruf waldüber --
Und ich allein!
Zum Teich ist müde
Mein Haupt gesenkt,
An eine verwelkte Blüte
Mein Heimweh denkt.
Ein Schwan im Teiche
Streift an das Rohr
Und reckt verschnittene, bleiche
Flügel empor.
Zum Teich ist müde
Mein Haupt gesenkt,
An eine verwelkte Blüte
Mein Heimweh denkt.
Unser Schloß.
Längs dem Strom in blauen Hecken
Spielen, und im Teich, Verstecken
Sonnenlichter mit den matten,
Rötlichen Blutbuchenschatten.
In den stummen Säulengängen
Dunkle Abendfalter hängen,
Und ein Atmen hin und wieder
Ungebor'ner Königslieder.
Über breiten Marmorstiegen
Hundert ferne Jahre liegen,
Flüsternde Tapeten tragen
Hundert graue Zukunftssagen.
Über meine Seele schreiten
Kommende Vergangenheiten,
Ritterspiele, Königsworte,
Laute Feste, stumme Morde.
Bald -- und unser Park wird trauern
Brütend über Moos und Mauern,
Und ein Wandrer wird mit Grauen
In die schwarzen Fenster schauen.
Und Chronisten werden sagen
Wunder, die sich zugetragen
In den sagenhaften Jahren,
Da wir noch am Leben waren.
^Sarasate.^
Auf fernen Schwingen fliegt ein Ton,
Und einer noch -- der letzte -- rinnt
Ihm nach, und bebt, und ist entfloh'n. --
O daß ich weinen dürfte,
Wie um sein Spielzeug weint ein Kind!
Ich sitze noch -- der Jubel gellt --
Und meine Sinne trinken lang
Die Luft noch einer fremden Welt,
Die meine Kindersehnsucht
Mit heißen Armen schon umschlang.
Die Luft von einer andern Welt,
Die nächtelang mit loher Brunst
Mein fiebernd Aug' im Banne hält,
Das Land der Heimatlosen,
Das sonnenrote Reich der Kunst.
Und morgen --.
Die Nacht ist voll von reinen Sternen,
Die Ulmen reden mit den Birken,
Und überall in Nähen und Fernen
Des Sommers wunderbares Wirken.
Mein Herz greift in die schweren Fernen
Nach Heimwehschätzen und Harfenklängen,
Und schauert, und schaut hoch in den Sternen
Den Kranz zukünftiger Lieder hängen.
Mein Herz so groß! Meine Wangen brennen,
-- Und morgen muß ich mit scheuen Mienen
Durch Märkte und schmutzige Gassen rennen,
Ein klein Stück Geld zu verdienen!
Gavotte.
In einem welken Garten singt
Zum Brummbaß eine Violine,
Ein altes Paar im Takte springt
Und lächelt kühl mit müder Miene.
Und jeder weiß; der Andre denkt,
Wie anders doch vor zwanzig Jahren,
Wie heiß und Handinhandgedrängt
Dieselben alten Tänze waren.
Dorfabend.
Der Schäfer mit den Schafen
Zieht durch die stillen Gassen ein,
Die Häuser wollen schlafen
Und dämmern schon und nicken ein.
Ich bin in diesen Mauern
Der einzige fremde Mann zur Stund',
Es trinkt mein Herz mit Trauern
Den Kelch der Sehnsucht bis zum Grund.
Wohin der Weg mich führet,
Hat überall ein Herd gebrannt;
Nur ich hab nie verspüret,
Was Heimat ist und Vaterland.
Eine Stunde hinter Mitternacht.
Eine Stunde hinter Mitternacht,
Wo nur der Wald und der späte Mond
Und keine einzige Menschenseele wacht,
Steht breit und groß ein weißes Schloß,
Nur von mir und meinen Träumen bewohnt.
Dort prunkt in Bildern Saal an Saal,
Und meine Träume sind zu Gast
Bei mir. Rundum geht der Pokal,
Und Liedergruß und Plauderfluß
Bringt erst der frühe Tag zur Rast.
Der pocht derbfäustig an die Wand
Und tritt herein, und schilt, und hält
Die Sonnenlampe in der Hand.
Und wie ein Licht im Wind zerbricht,
Zerstiebt mir meine Träumewelt.
Von allen Wänden fällt die Pracht,
Das strenge Leben gellt herein
Und ich muß dienen seiner Macht
Scheu und verzagt, in's Joch geplagt,
-- O Mitternacht, wie harr' ich Dein!
Weil ich Dich liebe.
Weil ich Dich liebe, bin ich des Nachts
So wild und flüsternd zu Dir gekommen,
Und daß Du mich nimmer vergessen kannst,
Hab' ich Deine Seele mit mir genommen.
Sie ist nun bei mir und gehört mir ganz
Im Guten und auch im Bösen;
Von meiner wilden, brennenden Liebe
Kann Dich kein Engel erlösen.