II.

Im Teich ein trüber,

Grauroter Schein,

Ein brünstiger Hirschruf waldüber --

Und ich allein!

Zum Teich ist müde

Mein Haupt gesenkt,

An eine verwelkte Blüte

Mein Heimweh denkt.

Ein Schwan im Teiche

Streift an das Rohr

Und reckt verschnittene, bleiche

Flügel empor.

Zum Teich ist müde

Mein Haupt gesenkt,

An eine verwelkte Blüte

Mein Heimweh denkt.

Unser Schloß.

Längs dem Strom in blauen Hecken

Spielen, und im Teich, Verstecken

Sonnenlichter mit den matten,

Rötlichen Blutbuchenschatten.

In den stummen Säulengängen

Dunkle Abendfalter hängen,

Und ein Atmen hin und wieder

Ungebor'ner Königslieder.

Über breiten Marmorstiegen

Hundert ferne Jahre liegen,

Flüsternde Tapeten tragen

Hundert graue Zukunftssagen.

Über meine Seele schreiten

Kommende Vergangenheiten,

Ritterspiele, Königsworte,

Laute Feste, stumme Morde.

Bald -- und unser Park wird trauern

Brütend über Moos und Mauern,

Und ein Wandrer wird mit Grauen

In die schwarzen Fenster schauen.

Und Chronisten werden sagen

Wunder, die sich zugetragen

In den sagenhaften Jahren,

Da wir noch am Leben waren.

^Sarasate.^

Auf fernen Schwingen fliegt ein Ton,

Und einer noch -- der letzte -- rinnt

Ihm nach, und bebt, und ist entfloh'n. --

O daß ich weinen dürfte,

Wie um sein Spielzeug weint ein Kind!

Ich sitze noch -- der Jubel gellt --

Und meine Sinne trinken lang

Die Luft noch einer fremden Welt,

Die meine Kindersehnsucht

Mit heißen Armen schon umschlang.

Die Luft von einer andern Welt,

Die nächtelang mit loher Brunst

Mein fiebernd Aug' im Banne hält,

Das Land der Heimatlosen,

Das sonnenrote Reich der Kunst.

Und morgen --.

Die Nacht ist voll von reinen Sternen,

Die Ulmen reden mit den Birken,

Und überall in Nähen und Fernen

Des Sommers wunderbares Wirken.

Mein Herz greift in die schweren Fernen

Nach Heimwehschätzen und Harfenklängen,

Und schauert, und schaut hoch in den Sternen

Den Kranz zukünftiger Lieder hängen.

Mein Herz so groß! Meine Wangen brennen,

-- Und morgen muß ich mit scheuen Mienen

Durch Märkte und schmutzige Gassen rennen,

Ein klein Stück Geld zu verdienen!

Gavotte.

In einem welken Garten singt

Zum Brummbaß eine Violine,

Ein altes Paar im Takte springt

Und lächelt kühl mit müder Miene.

Und jeder weiß; der Andre denkt,

Wie anders doch vor zwanzig Jahren,

Wie heiß und Handinhandgedrängt

Dieselben alten Tänze waren.

Dorfabend.

Der Schäfer mit den Schafen

Zieht durch die stillen Gassen ein,

Die Häuser wollen schlafen

Und dämmern schon und nicken ein.

Ich bin in diesen Mauern

Der einzige fremde Mann zur Stund',

Es trinkt mein Herz mit Trauern

Den Kelch der Sehnsucht bis zum Grund.

Wohin der Weg mich führet,

Hat überall ein Herd gebrannt;

Nur ich hab nie verspüret,

Was Heimat ist und Vaterland.

Eine Stunde hinter Mitternacht.

Eine Stunde hinter Mitternacht,

Wo nur der Wald und der späte Mond

Und keine einzige Menschenseele wacht,

Steht breit und groß ein weißes Schloß,

Nur von mir und meinen Träumen bewohnt.

Dort prunkt in Bildern Saal an Saal,

Und meine Träume sind zu Gast

Bei mir. Rundum geht der Pokal,

Und Liedergruß und Plauderfluß

Bringt erst der frühe Tag zur Rast.

Der pocht derbfäustig an die Wand

Und tritt herein, und schilt, und hält

Die Sonnenlampe in der Hand.

Und wie ein Licht im Wind zerbricht,

Zerstiebt mir meine Träumewelt.

Von allen Wänden fällt die Pracht,

Das strenge Leben gellt herein

Und ich muß dienen seiner Macht

Scheu und verzagt, in's Joch geplagt,

-- O Mitternacht, wie harr' ich Dein!

Weil ich Dich liebe.

Weil ich Dich liebe, bin ich des Nachts

So wild und flüsternd zu Dir gekommen,

Und daß Du mich nimmer vergessen kannst,

Hab' ich Deine Seele mit mir genommen.

Sie ist nun bei mir und gehört mir ganz

Im Guten und auch im Bösen;

Von meiner wilden, brennenden Liebe

Kann Dich kein Engel erlösen.

Romantische Lieder · 第 7 / 18 题