Nun ist der Tag zu Ende.
Leg mir die lieben Hände
Auf Stirn und Haar
Und singe mir! und wende
Von mir der Träume laute Schaar!
Ich fürcht' mich vor den langen,
Verschwiegenen, träumebangen
Stunden der Nacht,
Wenn Du bist schlafen gangen
Und nur mein weher Herzschlag wacht.
Dann geht auf dunklen Wegen
Mein Herz mit harten Schlägen
Der bangen Nacht,
Der bangen Nacht entgegen,
Die meine Lieder stille macht.
Dann kommt mit leisen Schritten
Und zagen Kinderbitten
Mein Glück zu mir,
Und sieht, was ich gelitten,
Und sagt: Mein Freund, was ward aus Dir?
Dann kommen die versäumten
Tage und die verschäumten
Becher zu mir,
Und alle ungeträumten
Glücksträume schlank und mädchenzier.
Leg mir die lieben Hände
Auf Stirn und Haar, und wende
Die Holden ab.
Mein Tag ist nun zu Ende,
Ich weiß, was ich verloren hab!
Die Blutbuche.
Eine junge Blutbuche stand
Ob meiner ersten Liebe,
Und als ich mein erstes Lied erfand,
Sah sie zu, was ich schriebe.
So wie die Blutbuche kann kein Baum
In Frühlingsprächten schwelgen,
Hat keiner so farbigen Sommertraum
Und so ein jähes Welken.
Eine junge Blutbuche steht
In allen meinen Träumen,
Ein vergangener Mai umweht
Meinen Liebling unter den Bäumen.
Rote Bänder.
Rote Bänder!
Ihr mahnet mich
An Musik und weiße Gewänder,
An ein Fest, das lange verblich.
Rote Bänder! --
Mein Mädel stand
Gebeugt am Balkongeländer
Und lachte und gab mir die Hand.
Und gab mir zwei Bänder
Von Seide rot.
Ich schied und durchritt die Länder;
Als ich wiederkam, war sie tot.
Antwort.
Du hast ja Recht! Und bald wird Hochzeit sein.
Das Leben trat in Deinen Traum hinein
Und stieß der Mädchenliebe Tempel um.
Wird aber nie das tote Heiligtum --
Ein Gang am Teich, ein Lied, ein Mondenschein
In wahren Nächten Dir vor Augen sein?
Dann wirst Du weinen um den schönen Tand
Und wirst in Qual auf Deinem Lager knie'n,
Das Herz voll Heimweh nach dem Jugendland.
Mich aber knüpft, der ich ein Fremder bin,
An Deine Mädchenzeit ein helles Band
Und hängt sich schaukelnd zwischen Dich und Ihn.
Geständnis.
Wer meine Freunde sind? --
Zugvögel, über'm Ozean verirrt,
Schiffbrüchige Schiffer, Herden ohne Hirt,
Die Nacht, der Traum, der heimatlose Wind.
Am Wege liegen hinter mir
Zerstörte Tempel, Liebesgärten
Verwildernd, schwül und sommerzier,
Und Frau'n mit welken Liebesgeberden,
Und Meere, die ich überfuhr.
Sie liegen stumm und ohne Spur;
Kennt keiner, was versunken liegt,
Die Königskronen, die Herrscherstunden,
Die Freundesstirnen epheuumwunden.
Sie liegen von meinen Liedern gewiegt
Und dämmern blaß in meine Nächte,
Wenn hastig meine schmale Rechte
Mit raschem Stift in meinem Leben wühlt.
Ich habe nie ein Ziel errungen,
Meine Faust hat nie einen Feind gezwungen,
Mein Herz hat nie ein volles Glück gefühlt.
Ich bin ein Stern.
Ich bin ein Stern am Firmament,
Der die Welt betrachtet, die Welt verachtet,
Und in der eig'nen Glut verbrennt.
Ich bin das Meer, das nächtens stürmt,
Das klagende Meer, das opferschwer
Zu alten Sünden neue türmt.
Ich bin von Eurer Welt verbannt
Vom Stolz erzogen, vom Stolz belogen,
Ich bin der König ohne Land.
Ich bin die stumme Leidenschaft,
Im Haus ohne Herd, im Krieg ohne Schwert,
Und krank an meiner eig'nen Kraft.
Teich.