Waldige, dicht bewachsene Gegend. Links im Vorgrunde ein großer Baum mit
einem natürlichen Moossitze. Auf derselben Seite im Hintergrunde dickes
Gestrüpp und Steinmassen, höhlenartig ein Versteck bildend. Es ist Tag.
Leon und Atalus kommen.
Leon.
Hier ist der rechte Weg.
Atalus.
Nein, dort!
Leon.
Nein, hier!
Atalus.
Dort, hat das Mädchen selber mir gesagt.
Leon.
Euch sagte sie's?
Atalus.
Ja mir, und war besorgt,
Weil ich durchnäßt, und rührte meinen Arm.
Leon.
So lebt denn fort in Eurer süßen Täuschung!
Doch läuft der Fußsteig hier.
Atalus.
Ich geh nicht weiter.
Soll alles denn nach deinem Dünkel nur?
Auch bin ich müd.
(Er setzt sich rechts auf einen Stein.)
Leon.
Und holen sie uns ein?
Atalus.
Wenn sie uns fangen, ei, dann geht's dir schlimm,
Mich kauft der Oheim etwa dennoch los.
Leon.
Er kauft Euch los? Weil er nicht kann, nicht mag,
Drum eben kam ich her.
Atalus.
Er mag nicht, sagst du?
Das ist recht schlecht von ihm.
Leon.
Schmäht Ihr den Ohm?
Den frommen Mann, der fehllos bis auf eins,
Nicht daß er geizig, wie ich einst ihn hielt,
Nein, daß, beschäftigt wohl mit höhern Dingen,
Den Neffen er nicht besser sich erzog.
Weil er Euch liebt, drum sandt' er mich hieher,
Wär's nicht um ihn, ich ließ Euch längst in Stich.
Atalus.
Das wär' mir eben recht! du bist mir widrig.
Leon.
Ihr säßt noch bei den Pferden ohne mich.
Atalus.
Dort war mir wohl, auch hatt' ich Essen satt.
(Aufstehend.)
Nun denn, weil du für gar so klug dich hältst,
Weißt du hier Pfad und Steg und Ziel und Richtung?
Hast du bedacht, was sonst dem Menschen not?
Was nützt es uns, daß wir im Freien sind,
Wenn wir vor Mangel grausamlich verschmachten?
Der Wald dehnt sich wohl etwa tagelang,
Und eher findet sich ein reißend Tier,
Das uns verzehrt, als wir, wovon wir zehren.
Leon.
Vertraut auf Gott, der uns so weit geführt,
Er wird die Hungernden mit Nahrung trösten,
Wie den Gefangnen er die Freiheit gab.
Und nun--
Edritas Stimme (hinter der Szene).
Leon!
Leon.
Man kommt. Nur schnell von hinnen!
Atalus.
Hör erst!
Edrita (näher).
Leon!
Atalus.
Das ist des Mädchens Stimme.
Leon.
Wes immer auch! Hier sind nur wir und Feinde.
Auch ist sie kaum allein.
Atalus.
Sie ist's. Ich seh's.
Leon.
Nun, so verplaudern wir die Zeit der Rettung.
Atalus.
Sie hilft uns wohl mit einem neuen Fund.
Geh immer, wenn du willst, ich harr auf sie.
Leon.
Nun denn, so streck ich wehrlos meine Hände;
Wenn's doch mißlingt, ich trage nicht die Schuld.
(Edrita kommt.)
Edrita.
Hier seid ihr ja. Nun, das ist recht und gut.
Atalus.
Sei mir gegrüßt!
Edrita (zu Leon).
Was wendest du dich ab?
Du fürchtest, ich verzögre eure Flucht?
Doch umgekehrt. Jetzt tut euch Zaudern not.
Atalus.
Siehst du?
Edrita.
Was soll er sehn?
Atalus.
Ich wollte weilen,
Er trieb zu gehn.
Edrita.
Da hatt' er recht, du nicht,
Da ihr nicht wußtet, was nur ich kann wissen.
Die Unsern gehn zu Roß die andre Straße,
Insoweit ist es gut. Doch dieser Pfad,
Er trifft am Saum des Walds mit jenem andern,
Und da ihr Pferde doch nicht überholt,
So wär' euch schlimm, kämt ihr zu früh dahin.
Im Rücken ihrer aber geht ihr sicher.
Leon.
Nun aber noch um aller Himmel willen:
Wie kommst du her?
Edrita.
Ich, meinst du? Ei, ja so!
Ihr habt es gut gemacht, bis nur auf eins.
Atalus.
Ei, er macht alles klug.
Edrita.
Ja, alles andre.
Ihr wart kaum fort, da wollten sie mich töten,
Der Vater hob den Spieß in seiner Hand.
Da lief ich fort, ein Endchen in den Wald,
Bei Tagesanbruch wollt' ich wiederkehren.
Doch kam der Tag, da sah ich euern Fußtritt
Im weichen Boden kenntlich eingedrückt;
Das, dacht' ich, das verrät sie; und am Saum
Des Rasens gehend, wo kein Fußtritt haftet,
Bestreut' ich eure Spur mit Sand und Erde.
So kam ich weiter, weiter und bin hier.
Und nun ich da, kehr ich nicht mehr zurück.
Leon.
Was fällt dir ein?
Atalus.
Ja ja, bleib nur bei uns.
Edrita.
Bedenk nur selbst. Kehrt nun mein Vater heim
Und fing euch nicht, was euer Gott verhüte!
So schlägt er mich und wirft mich in den Erker,
Wo ich schon einmal lag, wie einst die Mutter.
Und dann wird jener Galomir mein Mann.
Ich will ihn nicht. Ich sag euch's nun, ich will nicht.
Nehmt mich mit euch, ich bin euch wohl noch nütz.
Die Wege kenn ich hier und alle Schliche.
Ihr seid noch nicht so sicher, als ihr glaubt.
Sie führen Hunde mit, ich hört' es wohl,
Die wittern euch und schlagen bellend an,
Mich aber kennen sie und jeder schweigt,
Und streichl' ich ihn, legt er sich auf die Pfoten.
Ich will zu deinem Herrn, zu seinem Ohm,
Und dort den frommen Lehren horchend lauschen,
Die er wohl weiß von Gott und Recht und Pflicht.
Will mich mein Vater, soll er auch nur kommen
Und lernen auch, ist er gleich grau und alt.
Das ist ihm nütz. Sie sind auch gar zu wild.
Leon.
Ich aber duld es nicht!
Edrita.
Wie nur, Leon?
Leon.
Ich habe meinem frommen Herrn versprochen.
Nichts Unerlaubtes, Greulichs soll geschehn
Bei diesem Schritt, den nur die Not entschuldigt.
Hab ich den Sklaven seinem Herrn entführt,
Will ich dem Vater nicht die Tochter rauben
Und mehren so den Fluch auf unserm Haupt.
Edrita.
So hör doch nur!
Leon.
Es soll, es darf, es kann nicht.
Atalus.
Er ist nicht klug.
Edrita.
Ei, klüger, als du glaubst.
Er ist der Mann des Rechts, des trocknen, dürren,
Das eben nur den Gegner nicht betrügt.
Allein durch ungekünstelt künstliches Benehmen
Vertraun erregen, Wünsche wecken, denen
Sein wahres Wort dann polternd widerspricht,
Das mag er wohl und führt es wacker aus.
(Zu Atalus.)
So nimm denn du mich mit.
Atalus.
Ja doch, wie gerne.
Leon.
Ich duld es nicht.
Edrita.
Wir fragen dich auch nicht.
Wir sind zu zweit, da gilt denn unsre Meinung.
Leon.
So trenn ich mich von diesem Augenblick.
Edrita.
Auch das! Wir helfen ohne dich uns weiter.
Die Wege kenn ich alle bis zum Strom,
Von dort an weiß sie der.
Atalus.
Ich weiß sie nicht.
Edrita.
Nun denn, dann sind wir nahe deinem Land,
Und jeder bringt uns auf die sichre Fährte.
Leon.
Viel Glück dazu!
Atalus.
Siehst du, er streitet immer.
Edrita.
Dann treten wir vor deinen Oheim hin
Und sagen ihm: dein Knecht hat schlimm getan,
Wir aber halfen selbst uns, wie wir konnten.
(Zu Leon.)
Du bist ja trüb.
Leon.
Ich lieh dir meine Laune.
Edrita.
Siehst du? Man muß nur artig sein und wollen,
Sonst kommt das Müssen und dann fehlt der Dank.
(Der Ton eines Horns von weitem.)
Leon.
Hör doch! Nun zitterst du, und warst so kühn.
Edrita.
Und wenn ich zittre, ist's um euch.
Atalus.
Nur fort!
Leon.
Ich bleibe.
Edrita.
Keine Torheit, die nur quält.
Das ist kein Trupp; ein einzelner, Verirrter,
Der die Genossen sucht mit Hornesruf.
Er wird vorüberziehn, weil er allein,
Und, zwei zu fangen, mehr als einer nötig.
Dort rückwärts ist, ich weiß es, ein Versteck,
Wo dichte Sträuche sich zum Schirmdach wölben.
Dort warten wir, bis seine Schritte fern,
Vielleicht könnt ihr beschleichen ihn, bewält'gen.
Wie immer, nur hinein, und zwar im Umkreis,
Daß ihm der Tritt nicht unsre Spur verrät.
(Sie führt sie leise auf den Zehen bis an die Bäume rechts, dann rasch
am innern Umkreise zurück und in die Höhle.)
(Kurze Pause; dann kommt Galomir von der linken Seite, einen Spieß auf
der linken Schulter, das Schwert an der Seite, ein Horn um den Leib. Er
sucht gebückt nach den Fußtritten am Boden.)
Galomir.
Da, da!--Eh, eh! die Kleine! Oh!--Nach dort!
(Die Spur mit dem Finger verfolgend.)
Wart! wart!--Verirrt. Kein Mann da! Wo? Ah weit.
Uf!--heiß! (Seine Beine befühlend.)
Und müd!--Da.--Ah! Dort Schatten! Baum.
Ruh aus, Mann, ruh! dann weiter.
(Er setzt sich.)
Heiß die Haube!
(Er nimmt den Helm ab und legt ihn neben sich.)
Noch einmal rufen.
(Er ruft durch die hohle Hand.)
Hup!
(Er horcht eine Weile, dann nach rückwärts gekehrt.)
Ah!--Niemand hören.
Wozu das Horn? Blas an!--Verwirrt, verwirrt!
(Er lehnt den Spieß an den Baum und wickelt die verworrene Schnur des
Hornes auseinander.)
Ah, los! Nun an den Mund!
(Er setzt das Horn an.)
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(Edrita, die schon während des letzten sichtbar geworden ist und Ruhe
gebietend zurückgewinkt hatte, tritt jetzt vor.)
Edrita.
Stoß nicht ins Horn!
Galomir (sie erblickend).
Ah. Ah.
Edrita.
Ich bin's! Was mehr?
Galomir.
Eh, fangen, fangen!
(Er hascht nach ihr.)
Edrita.
Was braucht's zu fangen, die du ja schon hast.
Laß mir ein bißchen Raum, sitz ich zu dir.
Galomir (hastig rückend).
Eh, eh!
Edrita.
Du wirst mich doch nicht fürchten?
Galomir.
Du schuld an allem!
Edrita.
Ich? Was fällt dir ein!
Galomir.
Der Vater!
Edrita.
Nu, er wird wohl etwas zürnen,
Doch, sprech ich ihn, setzt alles sich ins Gleis.
Galomir.
Nein, nein!
Edrita.
Nun, dann bist du mein Bräutigam
Und ich die Braut, du mußt, du wirst mich schützen.
Galomir.
Ha, ha!
Edrita.
Ei, das gefällt dir!
Galomir (mit dem Finger drohend).
Du!
Edrita.
Wie, nicht?
Je, weil ein wenig etwa ich gelacht,
Als du in Graben fielst? Das war ein Sprung.
Galomir (den Arm reibend).
Ah.
Edrita.
Schmerzt's noch etwa?
Galomir (nach unten zeigend).
Uh!
Edrita.
Und auch der Fuß.
Ein Ehmann muß an manches sich gewöhnen.
Nun ziehst du aus und willst die beiden fangen?
Galomir (nach ihr greifend).
Du, du!
Edrita.
Nur mich allein? Wo bleibt dein Mut?
Nein, nein! Du selber mußt die Flücht'gen haschen.
Sie sind nicht fern!
Galomir (aufstehend).
Ah! Wo?
Edrita.
Nicht grad vor dir,
Doch auch nicht weit. Sind zwei, doch du bewaffnet.
Hier lehnt dein Spieß.
(Da Galomir danach langen will.)
Er liegt auch gut am Boden.
Und dann dein breites ritterliches Schwert.
Galomir (ans Schwert schlagend).
Ah, oh!
Edrita.
Ich weiß, dein Arm ist stark. Nur neulich
Schlugst du dem Stier das Haupt ab einen Streichs.
Doch war der Kampf nicht billig. Du bewaffnet,
Er blank und bar. Gib künftig auf den Vorteil,
Dann kämpft ihr gleich mit gleich. Allein auch so.
Ich will mich nur auf jene Seite setzen.
(Sie setzt sich auf die andere Seite. Er macht ihr Platz.)
Hier ist dein Schwert, das gut und stark. Doch schmucklos.
Was gibst du mir, so knüpf ich dir ein Bändchen,
Das, etwa blau, ich trug an meinem Hals
(sie macht eine Schleife am Halse los)
Wie, schau nur, dies. Das knüpf ich an dein Schwert.
Galomir (mit offner Hand ihr ins Gesicht greifend).
Eh!
Edrita.
Nur gemach!--Das wär' ganz artig, deucht mir.
Zieh aus dein Schwert und lehn es zwischen uns,
So machen sie's bei der Vermählung auch,
Da liegt ein Schwert erst zwischen beiden Gatten.
(Er hat das Schwert neben sie gelehnt.)
Edrita (das Band um das Schwertheft windend).
So knüpf ich denn--dann so--und wieder so
(Sie hustet wiederholt.)
Galomir.
Wie?
Edrita.
Ei, ich bin doch allzu scharf gelaufen.
Nun steht es schön. Nicht wahr? Ei, ei, wie artig.
(Sie schlägt wie erfreut die Hände zusammen; die Jünglinge, die schon
früher leise vorgetreten, sind ganz nahe.)
Edrita (das Schwert umstoßend).
O weh, es fällt!
Galomir.
Mein Schwert!
Edrita.
Heb's auf vom Boden.
(Sie tritt mit dem Fuße darauf. Galomir bückt sich.)
Edrita (stehend und auf Leon sprechend).
Nur hier! Da liegt sein Speer. Nimm ihn nur auf.
(Zu Galomir herabsprechend.)
Was zögerst du?
Galomir (immer gebückt).
Der Fuß--
Edrita (Atalus nach der andern Seite winkend).
Du hier herüber.
(Zu Galomir.)
Ja so, mein Fuß, er steht auf deinem Schwert.
Der böse Fuß!
(Zu den beiden.)
Nur hier.
Galomir (sich vom Boden aufrichtend).
So heb ihn.
(Er erblickt Leon, der, auf der linken Seite stehend, den Spieß gerade
gegen seine Brust hält.)
Ah!
(Er sinkt auf den Sitz zurück.)
(Atalus ist indessen von der andern Seite gekommen und hat das Schwert
aufgenommen.)
Edrita (steht auf und eilt auf Leons Seite).
Du, reg dich nicht, sonst bringen sie dich um!
Atalus.
Mich weht es an, hab ich doch nun ein Schwert!
Edrita (mit den Händen zusammenschlagend).
Ei, das ist gut, ei, das ist gut! Fürwahr!
(Zu Atalus.)
Du, droh ihm auch!
Atalus (mit gehobenem Schwerte).
Hier bin ich.
Leon (zu Galomir).
Mir tut leid,
Muß also ich an Euch die Worte richten.
Es war nicht meine Wahl, doch ist's geschehn,
Und da es ist, benütz ich es zur Rettung.
Bleibt sitzen, Herr, Ihr seid in unsrer Macht.
(Seinen Gürtel lösend.)
Mit dieser Schnur bin ich genötigt, Herr,
Zu binden Euch an dieses Baumes Stamm.
Es hält nicht lange gegen Eure Kraft,
Doch sind wir fern, kehrt ruhig zu den Euern.
Edrita.
Ich halte dir den Spieß, doch regt er sich,
Ist flugs er wieder dort in deiner Hand.
(Galomirn den Speer zeigend, den sie umgekehrt gefaßt hat.)
Du sieh!--Ja so!
(Sie kehrt ihn um. Zu Atalus.)
Du, droh ihm--droh ihm auch!
(Während Galomir nach Atalus blickt, der einen Schritt näher getreten,
zieht Leon rasch die Schnur zwischen Galomirs Leib und Arme, auf die er
sich rückwärts stützt, und bindet letztere am Baume fest.)
Galomir.
Ah, oh!
Leon.
Euch wird kein Leid, wenn Ihr Euch fügt.
Edrita.
Du, bind ihn fest, er hat wohl Kraft für viele.
Leon.
Es ist getan, und wohl für jetzt genug.
Kommt, Atalus, Ihr seid mir anvertraut.
(Atalus tritt zu ihm.)
Edrita.
Ich nicht? Da sorg ich denn nur selbst für mich.
(Laut, wobei sie aber den Kopf verneinend schüttelt.)
Wir gehn nun grade in den Wald hinein.
(Galomir hat indessen heftige Bewegungen gemacht.)
Leon.
Er macht sich los.
Edrita (zu Atalus).
Sorg du!
(Atalus nähert sich ihm.)
Edrita (leise zu Leon).
Wenn auch! Wenn auch!
Allein genügt er nicht, Ihr seid bewaffnet,
Und zieht er unsre Leute zu sich her,
Wird frei der untre Weg, der näh're, beßre,
Und so erreichen wir den Strom vor ihnen.
Leb wohl denn, Galomir, auf lange, hoff ich.
Leon.
Und kehrt Ihr zu dem Vater dieses Mädchens,
Sagt ihm, nicht ich--
Edrita.
Ich selber, meinst du, nicht?
Ich selber nahm die Flucht? Nun, sei bedankt
Um all die Sorglichkeit für meinen Ruf.
Doch weiß ich ja, daß du die Wahrheit sprichst;
So laß uns schweigen, dann sind wir am wahrsten
Und brauchen um nichts minder unsern Fuß.
Komm, Atalus!
(Sie geht nach der rechten Seite ab.)
Leon
(Atalus nach sich ziehend).
Ja, kommt!
Atalus.
Er regt sich immer.
Ich dächt', ein ringer Streich--
Leon.
Was fällt Euch ein!
(Er zieht ihn fort. Beide Edriten nach, ab.)
Galomir (ihnen nachsehend, dann gegen seine Bande wütend).
Ah!--Schurken--Oh--Mord Donner!--Oh, das Band!
(Er versucht, mit den Zähnen sich der Schnur zu nähern.)
Geht nicht! Und dort mein Horn. Blas an!
(Das Haupt hinabgeneigt.)
Geht auch nicht.
(Rüttelnd)
Verdammte Schurken!
(Er sinkt ermüdet auf den Sitz zurück. Plötzlich mit einem listigen Gesichte.)
Ih!
(Es ist ihm gelungen, den rechten Arm zum Teil aus dem Bande zu ziehen,
er rüttelt aber gleich wieder von neuem.)
Sei ruhig, Mann!
(Laut rufend.)
Uh! Uh!--Hört nicht!--Der Arm! Es geht! Der Arm.
Geht, Galomir, der Arm--Ah! Eh!
(Er hat den rechten Arm aus dem Bande gezogen und greift sogleich nach
dem Horne.)
Er bläst.
(Stößt ins Horn. Horchend.)
Horch!--Nein!
(Macht sich mit dem andern Arme los, den Weg der Fortgegangenen am Boden
verfolgend.)
Da! Da! In Wald--Eh, eh, kein Schwert.
(Auf die leere Scheide schlagend. Er bleibt am Ausgange rechts stehen und
stößt von neuem ins Horn. Ein entfernter Ruf antwortet.)
Ah. Ha! Wo Männer, wo?
(Neue Antwort, näher.)
Ah, dort. Heran.
(Einer der Burgmänner kommt. Es ist der Schaffer. Nach und nach sammeln
sich mehrere.)
Schaffer.
Seid Ihr's?
Galomir.
Ja, ja!
Schaffer.
Saht Ihr die Flücht'gen?
Galomir (auf den Weg der Abgegangenen zeigend).
Ah!
Schaffer (nach rückwärts zeigend).
Kommt dort hinüber. Dort ist unser Pfad.
Galomir (auf den Weg rechts zeigend).
Da, da!
Schaffer.
Allein, der Herr befahl--
Galomir.
Nein, da.
Schaffer.
Doch sie entwischen uns, ich sag's Euch, Herr.
Nach dortaus treffen allseit sich die Pfade.
Galomir.
Ich selber sie gesehn. Gebunden.--Da.
(Auf den Baum zeigend.)
Schaffer.
Sie banden Euch?
Galomir (den Weg bezeichnend).
Nur da. Und mir ein Waffen.
(Er nimmt einem der Knechte den Kolben, ihn schwingend.)
Aha!--Nur da!
Schaffer.
Nun denn, wenn Ihr befehlt,
Doch wasch ich nur in Unschuld meine Hände.
(Sie gehen nach rechts ab.)
--------