Zwei Gehilfen des Hausfreunds

Es wird in Zukunft bisweilen von einem Adjunkt die Rede sein, was

der geneigte Leser nicht verstehen könnte, wenn es ihm nicht erklärt

würde. Als nämlich der Hausfreund den Rheinländischen Kalender noch

schrieb, er schreibt ihn noch, hat er den Bezirk seiner

Hausfreundschaft diesseits Rheins, wie die Franzosen das Land

jenseits Rheins, in zwei Provinzen geteilt, in die untere und in die

obere, und hat in die untere einen Statthalter gesetzt, einen

Präfekt, der aber nicht will genannt sein, denn er ist kein

Landskind. Auch nennt ihn der Hausfreund selber nicht leicht

Statthalter, und niemand, sondern Adjunkt, denn selten ist jeder auf

seinem Posten, sondern sitzen beieinander un schreiben miteinander

neue, hochdeutsche Reimen oder sinnreiche Rätsel. "Zum Exempel,

Adjunkt", sagt der Hausfreund: "Ratet hin, ratet her, was ist das?"

Der arme Tropf

Hat keinen Kopf;

Das arme Weib

Hat keinen Leib;

Die arme Kleine

Hat keine Beine.

Sie ist ein langer Darm,

Doch schlingt sie einen Arm

Bedächtig in den andern ein.

Was mag das für ein Weiblein sein?

"Hausfreund", sagt der Adjunkt, "wenn Ihr mir einen Groschen leiht,

so will ich Euch für dieses Rätsel ein paar Bretzeln kaufen. Den

Wein, den wir dazu trinken, bezahlt Ihr. Ratet hin, ratet her, was

ist aber das?

Holde, die ich meine.

Niedliche und Kleine,

Ich liebe dich, und ohne dich

Wird mir der Abend weinerlich.

Auch gönnst du mir,

Nachrühm' ich's dir,

Wohl manchen lieblichen Genuss;

Doch bald bekommst du's Überdruss

Und laufst zu meiner tiefen Schmach

Ein feiles Mensch den Juden nach.

Und dennoch, Falsche aus und ein,

Hörst du nicht auf, mir lieb zu sein.

Ihr erratet's nicht", sagt der Statthalter, "wenn ich's Euch nicht

expliziere. Es ist eine Adjunktsbesoldung, zum Exempel meine eigene,

die ich von Euch bekomme."

Allein der Adjunkt hat selber wieder eine Adjunktin, nämlich seine

Schwiegermutter, die Tochter hat er noch nicht, bekommt sie auch

nicht; und der Hausfreund hat an ihm einen ganz andern Glückszug

getan, als sein guter Freund, der Doktor, auf seiner Heimreise aus

Spanien an der Madrider Barbiergilde. Denn als er aus der grossen

Stadt Madrid heraustritt, seinem Tierlein wuchsen in dem warmen Land

und bei der üppigen Nahrung die Haare so kräftig, dass er nach

Landesart zwei Barbiere mitnehmen musste, die auch ritten, und wenn

sie abends in die Herberge kamen, so rasierten sie sein Tierlein.

Weil sie aber selber keine gemeine Leute waren und die ganze Nacht

Arbeit genug hatten, bis das Tierlein eingeseift und rasiert und

wieder mit Lavendelöl eingerieben war, so nahm jeder wieder für sein

eigenes Tierlein zwei Barbiere mit, die ebenfalls ritten, und diese

wieder. Als nun der Doktor oben auf dem pyrenäischen Berg zum ersten

Mal umschaute und mit dem Perspektiv sehen wollte, wo er hergekommen

war, als er mit Verwunderung und Schrecken den langen Zug seiner

Begleiter gewahr wurde, und wie noch immer neue Barbiere zum

Stadttor von Madrid herausritten und inwendig wieder aufsassen,

sagte er bei sich selbst: Was hab' ich denn nötig, länger zu reiten;

es geht nun jetzt bergunter,--und ging früh am Tag in aller Stille

zu Fuss nach Montlouis.

Also hat der Hausfreund mit seinem Adjunkte auch die Adjunktin des

Adjunkten gewonnen, ist aber nicht erschrocken und davon gelaufen.

Wer's noch nie erlebt hat, wie sie allen Leuten Red' und Antwort gab

und schöne Schweizerlieder vom Rigiberg singen und wie sie sich

verstellen kann, bald meint man, man sehe eine Heilige mitten aus

dem gelobten Land heraus, bald die heidnische Zauberin Medea, und

noch viel, wer's nicht gesehen hat, stellt sich's nicht vor.

Der freundlichen Schwiegermutter des Adjunkts soll dieses Büchlein

zum Dank und zur Freundschaft gewidmet sein.

Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes Eine Auswahl aus verschiedenen Quellen · 第 193 / 197 题