Als ein neu angehender Beamter zuzeiten der Republik das erste Mal
zu Recht sass, trat vor die Schranken seines Richterstuhles der
untere Müller, vortragend seine Beschwerden gegen den obern in
Sachen der Wasserbaukosten. Als er fertig war, erkannte der Richter:
"Die Sache ist ganz klar. Ihr habt recht." Es verging eine Nacht und
ein Räuschlein, kam der obere Müller und trug sein Recht und seine
Verteidigung auch vor, noch mundfertiger als der untere. Als er
ausgeredet hatte, erkannte der Richter: "Die Sache ist so klar als
möglich. Ihr habt vollkommen recht." Hierauf, als der Müller
abgetreten war, nahte dem Richter der Amtsdiener. "Gestrenger Herr",
sagte der Amtsdiener, "also hat Euer Herr Vorfahrer nie gesprochen,
solange wir Urteil und Recht erteilten. Auch werden wir dabei nicht
bestehen. Es können nicht beide Parteien den Prozess gewinnen, sonst
müssen ihn auch beide verlieren, welches nicht gehn will." Darauf
antwortete der Beamte: "So klar war die Sache noch nie. Du hast auch
recht."