Als in dem Krieg zwischen Frankreich und Preussen ein Teil der
französischen Armee nach Schlesien einrückte, waren auch Truppen vom
Rheinischen Bundesheer dabei, und ein bayerischer oder
württembergischer Offizier wurde zu einem Edelmann einquartiert und
beikam eine Stube zur Wohnung, wo viele sehr schöne und kostbare
Gemälde hingen. Der Offizier schien recht grosse Freude daran zu
haben, und als er etliche Tage bei diesem Mann gewesen und
freundlich behandelt worden war, verlangte er einmal von seinem
Hauswirt, dass er ihm eins von diesen Gemälden zum Andenken schenken
möchte. Der Hauswirt sagte, dass er das mit Vergnügen tun wollte,
und stellte seinem Gaste frei, dasjenige selber zu wählen, welches
ihm die grösste Freude machen könnte.
Nun, wenn man die Wahl hat, sich selber ein Geschenk von jemand
auszusuchen, so erfordern Verstand und Artigkeit, dass man nicht
gerade das vornehmste und Kostbarste wegnehme, und so ist es auch
nicht gemeint. Daran schien dieser Mann auch zu denken, denn er
wählte unter allen Gemälden fast das schlechteste. Aber das war
unserm schlesischen Edelmann nichts desto lieber, und er hätte ihm
gern das kostbarste dafür gelassen. "Mein Herr Obrist", so sprach er
mit sichtbarer Unruhe, "warum wollen Sie gerade das geringste
wählen, das mir noch dazu wegen einer andern Ursache wert ist?
Nehmen Sie doch lieber dieses hier oder jenes dort." Der Offizier
gab aber darauf kein Gehör, schien auch nicht zu merken, dass sein
Hauswirt immer mehr und mehr in Angst geriet, sondern nahm geradezu
das gewählte Gemälde herunter. Jetzt erschien an der Mauer, wo
dasselbe gewesen war, ein grosser feuchter Fleck. "Was soll das
sein?" sprach der Offizier wie erzürnt zu seinem todblassen Wirt,
tat einen Stoss, und auf einmal fielen ein paar frisch gemauerte und
übertünchte Backsteine zusammen, hinter welchen alles Geld und Gold
und Silber des Edelmannes eingemauert war. Der gute Mann hielt nun
freilich sein Eigentum für verloren, wenigstens erwartete er, dass
der feindliche Kriegsmann eine namhafte Teilung ohne Inventarium und
ohne Kommissarius vornehmen werde, ergab sich geduldig darein und
verlangte nur von ihm zu erfahren, woher er habe wissen können, dass
hinter diesem Gemälde sein Geld in der Mauer verborgen war. Der
Offizier erwiderte: "Ich werde den Entdecker sogleich holen lassen,
dem ich ohnehin Belohnung schuldig bin"; und in kurzer Zeit brachte
sein Bedienter--sollte man's glauben--den Maurermeister selber,
den nämlichen, der die Vertiefung in der Mauer zugemauert und die
Bezahlung dafür erhalten hatte.
Das ist nun einer von den grössten Spitzbubenstreichen, die der
Teufel auf ein Sündenregister setzen kann. Denn ein Handwerksmann
ist seinen Kunden die grösste Treue, und in Geheimnissen, wenn es
nichts Unrechtes ist, so viel Verschwiegenheit schuldig, als wenn er
einen Eid darauf hätte.
Aber was tut man nicht um des Geldes willen! Oft gerade das
nämliche, was man um der Schläge oder um des Zuchthauses willen tut
oder für den Galgen, obgleich ein grosser Unterschied dazwischen
ist. So etwas erfuhr unser Meister Spitzbub. Denn der brave Offizier
liess ihn jetzt hinaus vor die Stube führen und ihm von frischer
Hand 100, sage hundert Prügel bar ausbezahlen, lauter gute Valuta,
und war kein einziger falsch darunter. Dem Edelmann aber gab er
unbetastet sein Eigentum zurück.--Das wollen wir beides gutheissen
und wünschen, dass jedem, der Einquartierung haben muss, ein so
rechtschaffener Gast und jedem Verräter eine solche Belohnung zuteil
werden möge.