Mancherlei gute Lehren 8

Nun kommen zwei Sprichwörter, und die sind beide wahr, wenn sie

schon einander widersprechen. Von zwei unbemittelten Brüdern hatte

der eine keine Lust und keinen Mut, etwas zu erwerben, weil ihm das

Geld nicht zu den Fenstern hineinregnete. Er sagte immer: "Wo nichts

ist, kommt nichts hin." Und so war es auch. Er blieb sein Leben lang

der arme Bruder Wonichtsist, weil es ihm nie der Mühe wert war, mit

einem kleinen Ersparnis den Anfang zu machen, um nach und nach zu

einem grössern Vermögen zu kommen. So dachte der jüngere Bruder

nicht. Der pflegte zu sagen: "Was nicht ist, das kann werden." Er

hielt das wenige, was ihm von der Verlassenschaft der Eltern zu teil

geworden war, zu Rat und vermehrte es nach und nach durch eigenes

Ersparnis, indem er fleissig arbeitete und eingezogen lebte.

Anfänglich ging es hart und langsam. Aber sein Sprichwort: Was nicht

ist, kann werden, gab ihm immer Mut und Hoffnung. Mit der Zeit ging

es besser. Er wurde durch unverdrossenen Fleiss und Gottes Segen

noch ein reicher Mann und ernährt jetzt die Kinder des armen Bruders

Wonichtsist, der selber nichts zu beissen und zu nagen hat.

Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes Eine Auswahl aus verschiedenen Quellen · 第 149 / 197 题