Ist denn der Mensch deswegen so schlimm und so schlecht, weil die
bösen Neigungen zuerst in seinem Herzen erwachen und das Gute nur
durch Erziehung und Unterricht bei ihm anschlägt? Euer bester
Ackerboden trägt doch auch nur Gras und Unkraut aus eigener Kraft,
und euer Leben lang keine Weizenernte; und ein dürres Sandfeld, das
nicht einmal aus eigener Kraft Unkraut treibt, wird auch euern
Fleiss und eure Hoffnung nie mit einer Fruchtgarbe erfreuen. Aber
wenn ihr den guten Boden ansäet zu rechter Zeit, sein wartet und
pfleget, wie sich's gebühret, so steigt im Morgentau und Abendregen
doch eine fröhliche Saat empor, und die Raden und Kornrosen und
mancherlei taubes Gras möchte gern, aber es kann nicht mehr
emporkommen. Die gesunde Ähre schwankt in der Luft und füllt sich
mit kostbaren Körnern. So ist es mit dem Menschen und mit seinem
Herzen auch. Was lernen wir daraus? Man muss nicht unzeitig klagen
und hadern und die Hoffnung aufgeben, ehe sie erfüllt werden kann.
Man muss den Fleiss, die Mühe und Geduld, die man an eine Handvoll
Fruchthalmen gerne verwendet, an den eigenen Kindern sich nicht
verdriessen lassen. Man muss dem Unkraut zuvorkommen und guten
Samen, schöne Tugenden in das weiche, zarte Herz hineinpflanzen und
Gott vertrauen, so wird's besser werden.