Mancherlei gute Lehren 2

Ist denn der Mensch deswegen so schlimm und so schlecht, weil die

bösen Neigungen zuerst in seinem Herzen erwachen und das Gute nur

durch Erziehung und Unterricht bei ihm anschlägt? Euer bester

Ackerboden trägt doch auch nur Gras und Unkraut aus eigener Kraft,

und euer Leben lang keine Weizenernte; und ein dürres Sandfeld, das

nicht einmal aus eigener Kraft Unkraut treibt, wird auch euern

Fleiss und eure Hoffnung nie mit einer Fruchtgarbe erfreuen. Aber

wenn ihr den guten Boden ansäet zu rechter Zeit, sein wartet und

pfleget, wie sich's gebühret, so steigt im Morgentau und Abendregen

doch eine fröhliche Saat empor, und die Raden und Kornrosen und

mancherlei taubes Gras möchte gern, aber es kann nicht mehr

emporkommen. Die gesunde Ähre schwankt in der Luft und füllt sich

mit kostbaren Körnern. So ist es mit dem Menschen und mit seinem

Herzen auch. Was lernen wir daraus? Man muss nicht unzeitig klagen

und hadern und die Hoffnung aufgeben, ehe sie erfüllt werden kann.

Man muss den Fleiss, die Mühe und Geduld, die man an eine Handvoll

Fruchthalmen gerne verwendet, an den eigenen Kindern sich nicht

verdriessen lassen. Man muss dem Unkraut zuvorkommen und guten

Samen, schöne Tugenden in das weiche, zarte Herz hineinpflanzen und

Gott vertrauen, so wird's besser werden.

Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes Eine Auswahl aus verschiedenen Quellen · 第 143 / 197 题