List gegen List

Einem namhaften Goldschmied hatten zwei vornehm gekleidete Personen

für 3000 Taler kostbare Kleinode abgekauft für auf die Krönung in

Ungarn. Hernach bezahlten sie ihm tausend Taler bar, legten alles,

was sie ausgesucht hatten, in ein Schächtelein zusammen, siegelten

das Schächtelein zu und gaben es dem Goldschmied gleichsam als

Unterpfand für die noch fehlende Summe wieder in Verwahrung;

wenigstens kam es dem Goldschmied so vor, als wenn es das nämliche

wäre. "In vierzehn Tagen", sagten sie, "bringen wir Euch die

fehlende Summe und nehmen alsdann das Schächtelein in Empfang."

Alles wurde schriftlich gemacht. Allein es vergehen drei Wochen,

niemand meldet sich. Der Krönungstag geht vorüber, es gehen noch

vier Wochen vorüber. Niemand will mehr nach dem Schächtelein fragen.

Endlich dachte der Goldschmied: "Was soll ich euch euer Eigentum

hüten auf meine Gefahr und mein Kapital tot drinnen liegen haben?"

Also wollte er das Schächtelein in Beisein einer obrigkeitlichen

Person eröffnen und die bereits empfangenen 1000 Taler hinterlegen.

Als es aber geöffnet ward, "lieber, guter Goldschmied", sagte der

Aktuarius, "wie seid Ihr von den zwei Spitzbuben angeschmiert."

Nämlich in dem Schächtelein lagen statt Edelgestein Kieselstein und

Fensterblei statt Goldes. Die zwei Kaufleute waren spitzbübische

Taschenspieler, böhmische Juden, brachten das wahre Schächtelein

unvermerkt auf die Seit und gaben dem Goldschmied ein anderes

zurück, welches ebenso aussah. "Goldschmied", sagte der Aktuarius,

"hier ist guter Rat teuer. Ihr seid ein unglücklicher Mann." Indem

trat wohlgekleidet und ehrbar ein Fremder zur Türe herein und wollte

dem Goldschmied allerlei krummgebogenes Silbergeschirr und

einsechtige (einzelne) Schnallen verkaufen und sah den Spektakel.

"Goldschmied", sagte er, als der Aktuarius fort war, "Euer Lebelang

müsst Ihr Euch nicht mit den Schreibern einlassen. Haltet Euch an

praktische Männer. Habt Ihr das Herz, eine Wurst an eine Speckseite

zu setzen, Euch ist zu helfen. Wenn Euer Schächtelein oder der Wert

dafür noch in der Welt ist: ich schaff Euch die Spitzbuben wieder

ins Haus."--"Wer seid Ihr, um Vergebung?" fragte der Goldschmied.--

"Ich bin der Zundelfrieder", erwiderte der Fremde mit Vertrauen und

mit einem recht liebenswürdig freundlichen Spitzbubengesicht. Wer

den Frieder nicht persönlich kennt wie der Hausfreund, der kann sich

keine Vorstellung davon machen, wie ehrlich und gutmütig er sich

anstellen und dem vorsichtigsten Menschen so unwiderstehlich das

Herz und das Vertrauen abstehlen kann wie das Geld. Auch ist er in

der Tat so schlimm nicht, als man ihn zwischen Bühl und Achern dafür

hält. Ob nun der Goldschmied noch überdies an das Sprichwort dachte,

dass man Spitzbuben am besten mit Spitzbuben fangen könne, oder ob

er an ein anderes Sprichwort dachte, dass, wer das Ross geholt hat,

der hole auch den Zaum (wegen einer guten Freundin will ihn der

Hausfreund nicht mit Namen nennen), kurz, der Goldschmied vertraut

sich dem Frieder an. "Aber ich bitte Euch", sagte er, "betrügt mich

nicht." "Verlasst Euch auf mich", sagte der Frieder, "und erschreckt

nicht allzusehr, wenn Ihr morgen früh wieder um etwas klüger

geworden seid!" Vielleicht ist der Freister auf einer Spur? Nein, er

ist noch auf keiner. Aber wer in selbiger Nacht dem Goldschmied auch

noch vier Dutzend silberne Löffel, sechs silberne Salzbüchslein,

sechs goldene Ringe mit kostbaren Steinen holte, das war der

Frieder. Manch geneigter Leser, der auf ihn nicht viel halten will,

wird denken: "Das geschah dir recht." Desto besser. Denn dem

Goldschmied war es auch recht. Nämlich auf dem Tisch fand er von dem

Zundelfrieder einen eigenhändigen Empfangschein, dass er obige

Artikel richtig erhalten habe, und ein Schreiben, wie sich der

Goldschmied nun weiter zu verhalten habe. Nämlich er zeigt jetzt

nach des Frieders Anleitung den Diebstahl bei Amt an und bat um

einen Augenschein. Hernach bat er den Amtmann, die verlorenen

Artikel in allen Zeitungen bekannt zu machen. Hernach bat er, auch

das versiegelte Schächtelein mit seiner ganzen Beschreibung mit in

das Verzeichnis zu setzen, um etwas. Der Amtmann sah ins Klare und

verwilligte ihm den Wunsch. "Einem honetten Goldschmied", dachte er,

"kann ein Mann, der eine Haushaltung führt, etwas zum Gefallen tun."

Also verlauft es sich in alle Zeitungen, dem Goldschmied sei

gestohlen worden das und das, unter andern ein Schächtelein so und

so mit vielen kostbaren Edelgesteinen, die alle benannt wurden. Die

Nachricht kam bis nach Augsburg. "Löb", schmunzelte dort ein

böhmischer Jud dem andern zu, "der Goldschmied wird nie erfahren,

was in dem Schächtelein war. Weisst du, dass es ihm gestohlen ist?"

- "Desto besser", sagte der Löb, "so muss er uns auch unser Geld

zurückgeben und hat gar nichts." Kurz, die Betrüger gehn dem Frieder

in die Falle und kommen wieder zu dem Goldschmied. "Seid so gut und

gebt uns itzt das Schächtelein! Nicht wahr, wir haben Euch ein wenig

lange warten lassen?"--"Liebe Herren", erwiderte der Goldschmied,

"euch ist unterdessen ein grosses Unglück geschehen, das

Schächtelein ist euch gestohlen. Habt ihr's noch in keiner Zeitung

gelesen?" Der Löb erwiderte mit ruhiger Stimme: "Das wäre uns leid,

aber das Unglück wird wohl auf Eurer Seite sein. Ihr liefert uns das

Schächtelein ab, wie wir's Euch in die Hände gegeben haben, oder Ihr

gebt uns unser vorausbezahltes Geld zurück. Die Krönung ist ohnehin

vorüber."--Man sprach hin, man sprach her, "und das Unglück wird

eben doch auf Euerer Seite sein", nahm wieder der Goldschmied das

Wort. Denn im nämlichen Augenblick traten jetzt mit seiner Frau vier

Hatschiere in die Stube, handfeste Männer, wie sie sind, und fassten

die Spitzbuben. Das Schächtelein war nimmer aufzutreiben, aber das

Zuchthaus und so viel Geld und Geldeswert, als nötig war, den

Goldschmied zu bezahlen. Aus Dankbarkeit zerriss der Goldschmied

hernach den Empfangschein des Frieders. Aber der Frieder brachte ihm

alles wieder und verlangte nichts für seinen guten Rat. "Wenn ich

einmal etwa von Euerer Ware benötiget bin", sagte er, "so weiss ich

ja jetzt den Weg in Euern Laden und zu Euerm Kästlein. Wenn ich nur

alle Spitzbuben zu Grunde richten könnte", sagte er, "dass ich der

einzige wäre." Denn eifersüchtig ist er.

Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes Eine Auswahl aus verschiedenen Quellen · 第 141 / 197 题