Etwas aus der Türkei

In der Türkei ist Justiz. Ein Kaufmannsdiener, auf der Reise von der

Nacht und Müdigkeit überfallen, bindet sein Pferd, so mit kostbaren

Waren beladen war, nimmer weit von einem Wachthaus an einen Baum,

legt sich selber unter das Obdach des Baumes und schläft ein. Früh,

als ihn die Morgenluft und der Wachtelschlag weckte, hatte er gut

geschlafen, aber das Rösslein war fort.

Da eilte der Beraubte zu dem Statthalter der Provinz, nämlich zu dem

Prinzen Karosman Oglu, der in der Nähe sich aufhielt, und klagte vor

seinem Richterstuhl seine Not. Der Prinz gab ihm wenig Gehör. "So

nahe bei dem Wachthaus; warum bist du nicht die fünfzig Schritte

weiter geritten, so wärest du sicher gewesen. Es ist deines

Leichtsinns Schuld." Da sagte der Kaufmannsdiener: "Gerechter Prinz,

hab' ich mich fürchten sollen, unter freiem Himmel zu schlafen, in

einem Lande, wo du regierst?" Das tat dem Prinzen Karosman wohl und

wurmte ihn zugleich. "Trink heute Nacht ein Gläslein türkischen

Schnaps," sagte er zu dem Kaufmannsdiener, "und schlafe noch einmal

unter dem Baum." So gesagt, so getan. Des andern Morgens, als ihn

die Morgenluft und der Wachtelschlag weckte, hatte er auch gut

geschlafen, denn das Rösslein stand mit allen Kostbarkeiten wieder

angebunden neben ihm, und an dem Baum hing ein toter Mensch, der

Dieb, und sah das Morgenrot nimmermehr.

Bäume gäb' es noch an manchen Orten, grosse und kleine.

Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes Eine Auswahl aus verschiedenen Quellen · 第 116 / 197 题