Ein Husar im letzten Kriege wusste wohl, dass der Bauer, dem er
jetzt auf der Strasse entgegenging, 100 Gulden für geliefertes Heu
eingenommen hatte und heimtragen wollte. Deswegen bat er ihn um ein
kleines Geschenk zu Tabak und Branntwein. Wer weiss, ob er mit ein
paar Batzen nicht zufrieden gewesen wäre. Aber der Landmann
versicherte und beteuerte bei Himmel und Hölle, dass er den eigenen
letzten Kreuzer im nächsten Dorfe ausgegeben und nichts mehr übrig
habe. "Wenn's nur nicht so weit von meinem Quartier wäre", sagte
hierauf der Husar, "so wäre uns beiden zu helfen; aber wenn du hast
nichts, ich hab' nichts, so müssen wir den Gang zum heiligen
Alfonsus doch machen. Was er uns heute beschert, wollen wir
brüderlich teilen." Dieser Alfonsus stand in Stein ausgehauen in
einer alten, wenig besuchten Kapelle am Feldweg. Der Landmann hatte
anfangs keine grosse Lust zu dieser Wallfahrt. Aber der Husar nahm
keine Vorstellung an und versicherte unterwegs seinen Begleiter so
nachdrücklich, der heilige Alfonsus habe ihn noch in keiner Not
stecken lassen, dass dieser selbst anfing, Hoffnung zu gewinnen.
Vermutlich war in der abgelegenen Kapelle ein Kamerad und
Helfershelfer des Husaren verborgen? Nichts weniger! Es war wirklich
das steinerne Bild des Alfonsus, vor welchem sie jetzt
niederknieten, während der Husar gar andächtig zu beten schien.
"Jetzt", sagte er seinem Begleiter ins Ohr, "jetzt hat mir der
Heilige gewunken." Er stand auf, ging zu ihm hin, hielt die Ohren an
die steinernen Lippen und kam gar freudig wieder zu seinem Begleiter
zurück. "Einen Gulden hat er mir geschenkt: in meiner Tasche müsse
er schon stecken." Er zog auch wirklich zum Erstaunen des andern
einen Gulden heraus, den er aber schon vorher bei sich hatte, und
teilte ihn versprochenermassen brüderlich zur Hälfte. Das leuchtete
dem Landmann ein, und es war ihm gar recht, dass der Husar die Probe
noch einmal machte. Alles ging das zweite Mal wie zuerst. Nur kam
der Kriegsmann diesmal viel freudiger von dem Heiligen zurück.
"Hundert Gulden hat uns jetzt der gute Alfonsus auf einmal
geschenkt. In deiner Tasche müssen sie stecken." Der arme Bauer
wurde todesblass, als er dies hörte, und wiederholte seine
Versicherung, dass er gewiss keinen Kreuzer habe. Allein der Husar
redete ihm zu, er sollte doch nur Vertrauen zu dem heiligen Alfonsus
haben und nachsehen. Alfonsus habe ihn noch nie angeführt. Wollte er
wohl oder übel, so musste er seine Taschen umkehren und leer machen.
Die hundert Gulden kamen richtig zum Vorschein, und hatte er vorher
dem schlauen Husaren die Hälfte von seinem Gulden abgenommen, so
musste er jetzt auch seine hundert Gulden mit ihm teilen, da half
kein Bitten und kein Flehen.
Das war fein und listig, aber eben doch nicht recht, zumal in einer
Kapelle.