Zu dem Grosssultan der Türken, als er eben an einem Freitag in die
Kirche gehen wollte, trat ein armer Teufel von seinen Untertanen mit
schmutzigem Bart, zerfetztem Rock und durchlöcherten Pantoffeln,
schlug ehrerbietig und kreuzweise die Arme übereinander und sagte:
"Glaubst du auch, grossmächtiger Sultan, was der Prophet sagt?" Der
Sultan, so ein gütiger Herr war, sagte: "Ja, ich glaube, was der
Prophet sagt." Der arme Teufel fuhr fort: "Der Prophet sagt im
Alkoran: Alle Muselmänner (das heisst, alle Mohammedaner) sind
Brüder. Herr Bruder, so sei so gut und teile mit mir das Erbe." Dazu
lächelte der Kaiser und dachte: Das ist eine neue Art, ein Almosen
zu betteln, und gibt ihm einen Löwentaler. Der Türke beschaut das
Geldstück lang auf der einen Seite und auf der andern Seite. Am Ende
schüttelt er den Kopf und sagt: "Herr Bruder, wie komme ich zu einem
schäbigen Löwentaler, so du doch mehr Silber und Gold hast, als
hundert Maulesel tragen können, und meinen Kindern daheim werden vor
Hunger die Nägel blau, und mir wird nächstens der Mund ganz
zuwachsen. Heisst das geteilt mit einem Bruder?" Der gütige Sultan
aber hob warnend den Finger in die Höhe und sagte: "Herr Bruder, sei
zufrieden, und sage ja niemand, wieviel ich dir gegeben habe, denn
unsere Familie ist gross, und wenn unsere andern Brüder alle auch
kommen und wollen ihr Erbteil von mir, so wird's nicht reichen, und
du musst noch herausgeben." Das begriff der Herr Bruder, ging zum
Bäckermeister Abu Tlengi und kaufte ein Laiblein Brot, der Kaiser
aber begab sich in die Kirche und verrichtete sein Gebet.