Man klagt häufig darüber, wie schwer und unmöglich es sei, mit
manchen Menschen auszukommen. Das mag denn freilich auch wahr sein.
Indessen sind viele von solchen Menschen nicht schlimm, sondern nur
wunderlich, und wenn man sie nur immer recht kennete, inwendig und
auswendig, und recht mit ihnen umzugehen wüsste, nie zu eigensinnig
und nie zu nachgiebig, so wäre mancher wohl und leicht zur Besinnung
zu bringen. Das ist doch einem Bedienten mit seinem Herrn gelungen.
Dem konnte er manchmal gar nichts recht machen und musste vieles
entgelten, woran er unschuldig war, wie es oft geht. So kam einmal
der Herr sehr verdriesslich nach Hause, und setzte sich zum
Mittagessen. Da war die Suppe zu heiss oder zu kalt oder keines von
beiden; aber genug, der Herr war verdriesslich. Er fasste daher die
Schüssel mit dem, was darinnen war, und warf sie durch das offene
Fenster in den Hof hinab. Was tat der Diener? Kurz besonnen warf er
das Fleisch, welches er eben auf den Teller stellen wollte, mir
nichts, dir nichts, der Suppe nach auch in den Hof hinab, dann das
Brot, dann den Wein und endlich das Tischtuch mit allem, was noch
darauf war. "Verwegener, was soll das sein?" fragte der Herr und
fuhr mit drohendem Zorn von dem Sessel auf. Aber der Bediente
erwiderte ganz kalt und ruhig: "Verzeihen Sie mir, wenn ich Ihre
Meinung nicht erraten habe. Ich glaubte nicht anders, als Sie
wollten heute in dem Hofe speisen. Die Luft ist so heiter, der
Himmel so blau, und sehen Sie nur, wie lieblich der Apfelbaum blüht,
und wie fröhlich die Bienen ihren Mittag halten!"--Diesmal die
Suppe hinabgeworfen, und nimmer. Der Herr erkannte seinen Fehler,
heiterte sich im Anblick des schönen Frühlingshimmels auf, lächelte
heimlich über den schnellen Einfall seines Aufwärters und dankte ihm
im Herzen für die gute Lehre.