Begegnung

Kann denn das sein: daß ich hingehe zu dir

Unter dem Sternenhimmel,

Durch wirbelnden Straßenklang

Und Netze von Laternen,

Hinreise wie zu der kleinsten Insel,

Auf der wir uns treffen werden?

Kann denn das sein: daß in tausendfacher Bewegung,

Inmitten Millionen Menschen

Und im Schwunge der Welten

Wir uns begegnen

In der schmalen Wärme des Händedrucks

Und fühlen, wie wir uns anders nahe sind

Als irgendeinem ...?

Geliebte, auch du mußt das große Jahr

In ungelöschten Adern fühlen.

Ewige Stimmen wehen,

Verblassende Bilder wühlen

Aus tiefem Bleiben und tieferm Vergehen

Empor.

Wie wir uns vergruben,

Ängstlich vor unserm Feuer,

In Kissen und Haar

Und dunkles, schwermütiges Nichts.

Atem der Stuben

War hütend um unsern Traum gestellt,

Und leise aus scheuer

Vergessener Welt

Ans Fenster, verirrt und blind,

Stieß Landstraßen-Wind.

Und jeden Morgen fuhren wir aus

Weit von den Häfen des Traumes

In die blauen Buchten des Tages,

Pflückten die Stunden zum bunten Strauß,

Wandelten ohne Gewicht des Raumes

In Straßen und Treppen und Haus.

Und wie wir uns verweinten

In Schmerz und Wut

Tiefer nur ineinander.

Nächte, schwer von unserm Blut,

Da wir uns fern und tot vermeinten,

Wild unsre Leben einten.

In Tagen und Nächten

Ein Strom, unaufhaltsam,

Jagte gewaltsam

Aus dunkelsten Schächten

Unser Geschick.

Geliebte! Der menschliche Bogen spannt

Einig und klar sich von Hand zu Hand,

Jeder ist Schöpfer, und jeder ist Kind,

Solange wir sind.

Wir Menschen: Gedichte · 第 12 / 23 题