Als Lodron bejahte, befahl der Burgkommandant die Verbringung des
Gefangenen in den Kerker.
Wolf Dietrich reichte Perger die Hand, die dieser unter Thränen küßte,
nickte den Kommissaren zu und schritt aus dem Saal, begleitet von
gleichmütigen bayerischen Soldaten.
Trübe Tage ohne Sonnenlicht folgten diesem 17. November. Der Gefangene
harrte der ersehnten Befreiung; in düsteren, langen, qualvollen Stunden
malte sich Wolf Dietrich aus, wie er, in Freiheit gesetzt, zu Salome und
den Kindern eilen, ein neues Leben beginnen werde. Und auch
Rachegedanken keimten auf in der verbitterten Brust; die Reichsstände,
der Kaiser sollen aufgerufen werden, auf daß die Gewaltthat gepönt werde
an den falschen Kapitularen und am Bayern-Herzog.
Am 22. November zu später Abendstunde ward der Kerker geöffnet, der
Eisenmeister von Hohenwerfen verkündete dem Erzbischof, daß dieser
sogleich in verschlossener Kutsche und unter Bedeckung bayerischer
Reiter die Reise nach Salzburg anzutreten habe.
Wolf Dietrich zuckte zusammen; das Ziel Salzburg hatte er nicht
erwartet, eher auf Verbringung über die Landesgrenze nach Kärnten
gehofft. Doch willig ließ sich der Fürst bei Fackelschein den Steilberg
hinabführen, und unten bestieg er die harrende Kutsche, in welcher ein
bayerischer Offizier bereits saß.
Die Nacht wurde durchgefahren. Früh morgens gegen fünf Uhr hielt der
Wagen am Fuße des Nonnbergs, Wolf Dietrich mußte aussteigen. Eine Anzahl
bayerischer Fußsoldaten unter Kommando eines Leutnants nahm den
Gefangenen in die Mitte und eskortierte ihn hinauf zur Veste
Hohensalzburg.
Wie das breite Thor hinter dem Fürsten geschlossen ward, ächzte Wolf
Dietrich in einer bitteren Vorahnung.
Gefangen in seinem Hauptschloß der Erzbischof von Salzburg, einer der
ersten Reichsfürsten.
Ohne Verzug unternahm das Domkapitel nach Internierung seines
abgesetzten Oberherrn die nötigen Schritte, um sich vor Kaiser und Papst
zu rechtfertigen. Deputationen des Kapitels reisten nach Rom und Prag,
die besten Redner waren zu Sprechern auserwählt.
Beim Kaiser hatte es Schwierigkeiten, denn Seine Majestät verwies Graf
Lodron und dem Kapitel ernstlich das Vorgehen gegen den Erzbischof.
Durch kluges Benehmen und wohlbedachte Reden gelang es aber, den Kaiser
umzustimmen, ja zu einem Schreiben an den Papst zu veranlagen, wonach
der Kaiser bat, es möge Se. Heiligkeit die Sache auf sich beruhen lassen
und dem Salzburger Domkapitel erlauben, zur Wahl eines neuen
Erzbischofes zu schreiten.
Weniger glatt wickelte sich die Angelegenheit bei Papst Paul V. ab, der
bei aller Wertschätzung des Herzogs Max und Hochhaltung seiner
Verdienste um die katholische Kirche doch das direkte Mißfallen über
des Herzogs rasches Verfahren gegen Wolf Dietrich zum Ausdruck brachte.
Dieser Tadel veranlaßte den Herzog, durch seine Räte eine Anklageschrift
gegen den gehaßten Erzbischof aufsetzen zu lassen, in welcher alles
Material, auch haltlose Verleumdungen, aus der langen Regierungszeit
Wolf Dietrichs zusammen getragen wurde. Als Hauptverbrechen wurde das
Verhältnis des Erzbischofs zu Salome Alt hingestellt und behauptet, Wolf
Dietrich sei trotz des Zölibatsgebotes mit Salome verheiratet gewesen.
Ein ungeheures Sündenregister, auch die Behauptung vom Abfall von der
katholischen Kirche, Verbindung mit der Union, beabsichtigtet
Säkularisation des Erzstiftes, Konspiration mit Christian von Anhalt,
dem Oberhaupt der protestantischen Union u.s.w. war enthalten, wanderte
mit einer eigenen Gesandtschaft nach Rom, und der Herzog betrieb die
Exkommunikation und öffentliche Absetzung Wolf Dietrichs als Ketzer und
Apostaten.
Dem Papst war aber nicht darum zu thun, diese Angelegenheit, welche
durch die bayerische Anklageschrift einen gehässigen Charakter bekommen
hatte, zur öffentlichen Diskussion Europas zu stellen; Paul V. ließ die
Sache vielmehr von einer Kardinalskongregation in aller Stille
untersuchen.
Das Ergebnis lautete nach monatelanger Untersuchung: 1. Der Verdacht,
Wolf Dietrich habe Ketzer begünstigt, konnte nicht bewiesen werden; 2.
die Resignation ist solange ungültig, bis Wolf Dietrich den Verzicht
vor einem päpstlichen Nuntius abgegeben habe.
Der Herzog mochte vielleicht solch milde Auffassung in Rom befürchtet
haben, weswegen seine Gesandten Auftrag hatten, in diesem Falle rundweg
zu erklären, daß der Herzog von Bayern die Verantwortung für alle daraus
entspringenden Gefahren auf das Reich und die katholische Religion
ablehne und von neuem das Äußerste versuchen werde, um „diesen Mann“
beiseite zu schaffen.
Diese Erklärung unter erneutem Hinweis für die Kardinäle, daß Wolf
Dietrich Protestant werden wollte, sowie das Drängen des Kapitels
verfehlte die beabsichtigte Wirkung nicht, die Stimmung im Vatikan
schlug zu Ungunsten Wolf Dietrichs um. Der Papst delegierte den in Graz
regierenden Nuntius, Anton Diaz, zur Abnahme der Resignation wie zur
Erklärung, daß Wolf Dietrich nun päpstlicher Gefangener sei.
Der Winter wich zögernd aus Salzburgs Bergen, der Vorfrühling setzte ein
mit Sturm und Regen. Wolf Dietrich saß noch immer auf Hohensalzburg
gefangen, abgeschlossen von der Außenwelt, und genoß bei erträglicher
Verpflegung nur die minimale Begünstigung, an regenlosen Tagen einige
Stunden lang im Burghofe sich ergehen zu dürfen.
Im März endlich traf der Nuntius Diaz in Salzburg ein und wurde nun ein
Tag zur Abnahme der Resignation bestimmt. Als Ort hierzu wurde die
Klosterkirche auf dem Nonnberg ausersehen und diese von Soldaten ringsum
dicht besetzt.
Unter militärischer Eskorte kam Wolf Dietrich von der Veste herab in
diese Kirche und wurde in die Sakristei geführt, wo der Nuntius nebst
drei Dienern harrte. Sofort wurde die Sakristei verriegelt.
Einer der Diener mußte die Stelle des Notars, die übrigen Dienste als
Zeuge leisten. Dem Erzbischof wurde die päpstliche Verzichturkunde
vorgelesen und befohlen, zum Zeichen seiner Einwilligung die Hand auf
die Brust zu legen.
Wolf Dietrich protestierte gegen einige Stellen, die zu ändern der
Nuntius gelobte.
Nun in die von Soldaten gefüllte Kirche gebracht, wurde der Erzbischof
nochmals aufgefordert, das Zeichen zur Resignation zu geben.
Mit einem verzweiflungsvollen Blick übersah Wolf Dietrich seine
waffenstarrende Umgebung. Hilfe kann es nimmer geben, es ist alles
verloren. So legte denn der Erzbischof die Rechte auf die Brust, die
Resignation vor dem Nuntius war dadurch rechtskräftig geworden.
Eine militärische Eskorte brachte den Entthronten wieder hinauf zur
Veste.
Nun lebte Wolf Dietrich der Hoffnung, daß der Papst ihn vielleicht zum
Sommer freilassen werde.
Allein der zum Nachfolger im Erzstift designierte Marcus Sitticus hetzte
in Rom gegen Wolf Dietrich, den er einen höchst gefährlichen Menschen
nannte, und Herzog Max ließ an den Vatikan berichten, daß Wolf Dietrich
zweifellos im Falle einer Freilassung sofort die Union zur Hilfe
ausrufen werde, wodurch die katholische Religion in die größte Gefahr
kommen müßte.
Rom konnte sich solcher Einwirkung nicht verschließen, der Befehl zur
Freilassung kam nicht.
Zehn Monate schon harrte und hoffte Wolf Dietrich in strengster
Gefangenschaft, ohne Schreibzeug, ohne Lektüre; man hatte ihm nur die
heilige Schrift und das Brevier gelassen.
Von den bewachenden Soldaten fühlte im Laufe der Zeit einer ein
menschlich Rühren, der Bayer empfand Mitleid für den gestürzten Fürsten
und zeigte sich für dessen Bitten um Schreibzeug zugänglich.
In einer Nacht brachte der bayerische Soldat das Gewünschte, und im
Morgengrauen schrieb Wolf Dietrich an den Papst in lateinischer Sprache
eine Vorstellung, in welcher er die bisher erlittene schmähliche
Behandlung schilderte, die gegen ihn erhobenen Vorwürfe und
Verdächtigungen zurückwies und gegen den Nuntius Diaz bittere Klage
erhob. Sein Verhältnis zu Salome gab er unumwunden zu. Er bat zum
Schlusse um Abberufung des ihm gehässigen Nuntius und um eine
Untersuchung durch die Bischöfe von Seckau und Lavant.
Dieses Schreiben verbarg Wolf Dietrich sorgsam des Tages über vor den
Augen des inspizierenden Kerkermeisters. Als in der Nacht der bayerische
Soldat wieder die Wache hatte, gab er diesem den Brief mit der Bitte um
Beförderung zur Post.
Am nächsten Tage erbat der Soldat Erlaubnis zu einem Gang in die Stadt,
die anfangs ohne Argwohn gegeben wurde. Der Mann lieferte das Schreiben
Wolf Dietrichs zur Post und leistete sich hierauf mit dem vom Erzbischof
erhaltenen Lohn eine Stärkung in der Trinkstube. Die Ausgabe eines
größeren Geldstückes wie die Bestellung einer für einen Soldaten üppigen
Mahlzeit erweckten Verdacht, man schickte um die Ronde, und vor dem
Offizier gestand der eingeschüchterte Soldat die Briefbeförderung.
Sofort wurde die Post militärisch besetzt und das leicht herausgefundene
Schreiben an den Papst konfisziert und an das Kapitel ausgeliefert.
Die Folge dieser Entdeckung war eine Auswechslung der Wachen in der
Veste und Androhung schwerster Strafen für den geringsten Verkehr mit
dem Gefangenen.
Im Juli 1612 wurde die bayerische Militärbesatzung von Hohensalzburg
abberufen, dafür kam eine salzburgische Söldnerwache auf die Veste.
Als Gefangener des Papstes mußte Wolf Dietrich nun dem Nuntius den
Treueid schwören und geloben, dessen Befehle zu befolgen. Die
Gefangenschaft wurde nun — verschärft.
Wiewohl doch in der Verzichturkunde ausdrücklich die Freilassung
gewährleistet war, Wolf Dietrich blieb gefangen. Fruchtlos waren die
Gesuche mehrerer deutscher Fürsten, die empört über den Wortbruch und
die schimpfliche Behandlung eines hohen Kirchenfürsten sich für den
Unglücklichen verwendeten. Selbst Kaiser Mathias schrieb an den Papst
und legte Fürbitte für Wolf Dietrich ein, ohne den geringsten Erfolg.
Zum Erzbischof wurde Marcus Sitticus gewählt und der neue Kirchenfürst
wußte dem Papst begreiflich zu machen, daß es eine Schande für den
apostolischen Stuhl sei, wenn Wolf Dietrich zu seinem früheren
sündhaften Leben zurückkehren würde; auch wies der neue Herr auf die
großen Gefahren hin, welche durch eine Verbindung dieses unruhigen
Kopfes mit den Ketzern für ganz Deutschland entstehen könnten.
So ward denn in Rom beschlossen, die Angelegenheit in die Länge zu
ziehen, bis der ohnehin kränkliche depossedierte Erzbischof vollends
apathisch gemacht oder aufgerieben sei.
Damit hatte es aber lange Zeit. Wolf Dietrich, der von Zeit zu Zeit
Besuch von Kapitularen wie ja auch von seinem Leibarzt bekam, machte
eines Tages geltend, daß er allerdings seine geistlichen Befugnisse und
Würden an den Papst zurückgegeben, nicht aber zugleich auf seine
Stellung als deutscher Reichsfürst verzichtet habe.
Dies schreckte das Kapitel für die ersten Tage, dann blieb alles beim
Alten.
Drei Jahre vergingen in solcher schmählichen Gefangenschaft. Einen
letzten Versuch machte 1615 die Raittenausche Familie in Rom, und nun
befahl der Papst, es solle Wolf Dietrich freigelassen oder wenigstens
die Pension bei einigen Augsburger Kaufleuten hinterlegt werden.
Der neue Erzbischof fragte Herzog Max um Rat, dieser stellte die
Gefährlichkeit einer Freilassung vor, und in diesem Sinne ward nach Rom
geschrieben. Und der Papst wurde der Salzburger Sache endlich
überdrüssig und ließ sie ruhen, wie sie eben lag.
Trotz aller Verträge und Versprechungen blieb Wolf Dietrich gefangen;
man zuckte, wenn von solcher Treulosigkeit gesprochen wurde, die Achseln
und suchte den Wortbruch mit politischen Rücksichten zu rechtfertigen.
Von allem Verkehr abgeschnitten, krank, verlor Wolf Dietrich mit den
Jahren alle Energie, ein völlig gebrochener Mann begann er seine
Gefangenschaft als sichtbare Strafe Gottes anzusehen. Er beschäftigte
sich mit Bibelstudien und widmete seine besondere Aufmerksamkeit den
Paulinischen Briefen.
Ein Schlagfluß lähmte seine ganze linke Seite, dazu kam Wassersucht und
ein Steinleiden.
Als am 16. Januar 1617 der Burgkommandant, sein ehemaliger Kriegsobrist
Leonhard Ehrgott, in die Wohnung Wolf Dietrichs trat, fand er den
Gefangenen entseelt auf dem Bette liegen.
Es hatte ausgelitten Celsissimus!
Fußnoten:
[1] Eierspeise.
[2] In Salzburg kamen die Gabeln erstmalig im Laufe des 16. Jahrhundert
auf. Zillner, Kulturgeschichte 1871.
[3] Aus den Mittheilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde
XII, 1872.
[4] Um die Mitte des 16. Jahrhunderts trat eine lebhafte Bewegung auf
zur Spendung des Abendmahles unter zweierlei Gestalten. Hinrichtungen
der Kelchforderer vermochten die kalixtinische Bewegung nicht völlig zu
ersticken. Später gestattete der Papst auf dringendes Betreiben Bayerns
und des Kaisers einigen Diözesen (auch Salzburg) den Empfang des
Abendmahles unter zweierlei Gestalten in der Hoffnung, daß sich das (von
lutherischen Prädikanten) aufgestachelte Volk wieder mehr der römischen
Kirche anschließen werde. Die Bauern verlangten aber nun noch viel mehr
und gaben ihren Forderungen durch Zusammenrottungen Nachdruck.
Erzbischof Johann Jakob erließ ein strenges Mandat zur Bekämpfung des
Aufruhrs ohne besonderen Erfolg; die Hoffnungen, welche man auf die
Erlaubnis der Abendmahlspendung unter zweierlei Gestalten gesetzt hatte,
bestätigten sich nicht, es wurde 1571 die Erlaubnis wieder
zurückgezogen. Infolgedessen gährte es in den Landstädten Salzburgs
gewaltig. Man brachte die Widerspenstigen durch Belehrung oder Gewalt
teilweise zum Schweigen, Hartnäckige aber wurden unnachsichtig des
Landes verwiesen. Trotzdem setzte sich die Reichung des Kelches, welche
zweifellos von den Prädikanten begünstigt wurde, noch bis zur
Regierungszeit Wolf Dietrichs fort. (Vergl. Maher-Deisinger, „Wolf
Dietrich von Raitenau“ München 1886. Rieger.)
[5] Damals gedieh Wein sogar auf der Südseite des Festungsberges.
[6] Unter Weihsteuern oder Herrenantrittsgeldern verstand man die
Steuer, welche beim Regierungsantritt von den Grundholden zu entrichten
war; sie betrugen 5 % der Gesamtsumme ihrer Abgaben.
[7] Entlassene Landsknechte, die im Lande herumzogen, bis sie wieder
angeworben werden. Sie „garteten“, d.h. bettelten u.s.w., und wurden
„Gartbrüder“ genannt.
[8] d.i. ein Urteil durch die Stimmenmehrheit. Vergl. A. Richter, die
deutschen Landsknechte, und F.W. Barthold, Georg von Frundsberg.
[9] Daß Wolf Dietrich im höchstem Maße ein Wohltäter der Armen gewesen,
besagt folgende Stelle in P. Hauthalers vortrefflicher Bearbeitung der
alten Steinhauserschen Chronik „Diser Erzbischoff kan und mag auch
billich ein Vatter der Armen genent werden Ursach dessen, daß er nit
allain den hausarmen Burgern und Inwohnern der Statt Salzburg, sondern
auch den Armen im ganzen Erzstift dermaßen so reiche Almusen täglich
spendirn und raichen hat lassen, als vorher nit bald bei einem Fürsten
zu Salzburg beschechen, dann er alle Sambstag ain sehr große Anzahl
armer Leit mit dem wochentlichen Genadengelt, etlichen ganze Taller,
andern ganz Gulden, halb Gulden, zu sechs, fünf oder vier Pazen raichen
und nach Gestalt der Sachen und Erforderung der Noth hat lassen begaben.
Ja, es seind auch die armen Leit von frembden und auslendigen Orten
haufenweis zuegezogen, deren Kainen, so an ihne suppliciert und das
Allmusen begert, er unbegabt hat lassen abziechen. In der vierzigtägigen
Fasten hat er den hausarmen Dürftigen zu Erkaufung der Fastenspeis
insonderhaft ain große Summa Gelts wochentlich lassen spendiren, auch
wann dieselber Armen und Andere, die das Genadengelt empfangen und
genossen, umb die osterliche Zeit auf bestimbte Täg nach Mitfasten nach
gethaner Beicht communiciert, sein sie zum Mittentag alle zu Hof mit
etlichen Speisen gespeiset, Jegklichem ein Hofroggen aufgelegt, mit Wein
und Bier versechen und noch ainem Jedweden ain halber Gulden darzue
geraicht worden. Disen halben Gulden mit sambt der Malzeit haben auch
die armen Schueler so wol zu sant Peter als im Thuemb empfangen und
genossen.“
[10] Das Original befindet sich im städtischen Museum zu Salzburg. Der
Herausgeber verdankt eine Kopie der Güte des Herrn Museumdirektors
Kaiserl. Rat Dr. A. Petter.
[11] Gerhab = Vormund
[12] Gebetschnur (Rosenkranz). Eine überaus bezeichnende Aufforderung,
daß der Gefangene seine Rechnung mit dem Himmel machen solle!
[13] Keuche = Gefängnisort.
[14] So meldet der Chronist Steinhauser.
[15] Die Hallfahrt, ein Salzmaß hielt 225-3/4 Kufen und kostete damals
86 Gulden; eine Scheibfahrt hielt 231 Kufen und kostete 88 Gulden; eine
Kufe hielt 130-148 Pfund.
[16] Vergl. Mayer-Deisinger Spezialwerk „Wolf Dietrich“, München
1886. — Römermonate, die im früheren deutschen Reich von den Ständen an
den Kaiser zum Behuf der damals üblichen Römerzüge zu zahlende Abgabe,
nach Aufhören der Römerzüge in eine regelmäßige Abgabe zur Führung von
Reichskriegen &c. verwandelt. Ein Römermonat war auf 128000 Gulden
veranschlagt, betrug aber stets bedeutend weniger.
[17] Brannte später ab, wurde in veränderter, heute noch erhaltener Form
aufgebaut und vom Erzbischof Marc Sitticus, dem Nachfolger Wolf
Dietrichs „Mirabella“ genannt.
[18] Für Bayern hatte dieser Salzstreit zur Folge, daß Maximilian durch
einen braunschweigischen Mathematiker Heinrich Vollmar und seinen
Hofbaumeister Simon Reiffenstuhl jene künstliche Wasserleitung anlegen
ließ, in welche die Reichenhaller Soole durch sieben Druckwerke von
Reichenhall bis zur Stadt Traunheim geführt wird. Diese Gegend war
holzreicher und bot daher zum Versieden der Soole bessere Gelegenheit.
Auch große Brunnenhäuser wurden gebaut und eine Straße an den Bergen hin
durch die Felsen gesprengt. In den Jahren 1612-1616 wurde das Werk
vollendet. Die Kosten desselben wurden zum Teil gedeckt durch die
Kriegsentschädigung von 150000 Gulden, welche Maximilian von Salzburg
erhielt. Schwann, Geschichte von Bayern III.
[19] Dieselbe ist heute Eigentum des durchlauchtigsten Herrn Erzherzogs
Eugen von Österreich, und läßt Seine Kaiserliche Hoheit die Burg
vollständig und historisch getreu renovieren.
[20] Einer ihrer Söhne, der im Jahre 1605 geborene Johann Georg Eberhard
von Raittenau trat 1623 unter dem Klosternamen Egidius in den
Benediktinerorden zu Kremsmünster und zeichnete sich durch Frömmigkeit
und Gelehrsamkeit, insonders in der Baukunst und mathematischen
Wissenschaften aus. Als berühmter Architekt starb er 1675.