Mein Bruder und ich traten in eine Kirche. Es war gerade die Abendmesse.
Alle Heiligenbilder waren entfernt, die Kirche wurde offenbar renoviert. An
der leeren Altarwand leuchtete seitwärts ein goldener Kreis. Vor diesem
Kreis stand der Priester mit dem Schultertuch. Der Küster sang. Außer uns
war niemand in der Kirche. Und wir schämten uns, daß wir die einzigen
waren.
Die Abendmesse ging zu Ende. Wir gingen auf den Priester zu, um seinen
Segen zu empfangen. Da trat aus der Sakristei der Küster und sagte zu
meinem Bruder:
»Sie haben alles, um zu wachsen; und Sie«, er wandte sich an mich, »Sie
haben nichts.«
Ich sage mir: Mein Bruder hat ja wirklich seine Matrosenjacke an, und wenn
er sie noch weiter trägt, wird er aus ihr herauswachsen; ich aber habe
nichts. Und nun erstarre ich vor Angst: dicht vor mir steht ein Mann, der,
ich fühle es, etwas Böses gegen mich im Schilde führt. Ich stürze sofort
ans Fenster und frage mich: warum verkehrt mein Bruder mit so einem
Menschen? In diesem Augenblick kommt in das Haus, in das ich geraten bin,
mein Bekannter, der Lahme, und reicht mir eine Schusterahle. Mit diesem
Werkzeug wollte er mich also erstechen! Wir stiegen in ein Boot und
stießen, wie die Nachtigallen schmetternd, vom Ufer ab. Ein Knabe sprang zu
uns herein, und das Boot begann langsam zu sinken.