Der stille Herbstregen, fein wie Staub, fällt im dichten Nebel. Ich weiß
nicht, wohin und wozu ich gehe und was mich treibt. Endlich bleibe ich vor
dem Stadttor stehen. Die Torhüter öffnen mir schweigend das Tor, und ich
gerate in eine schmale, von zwei hohen Mauern eingeschlossene Gasse. Männer
und Frauen, Körbe voll Brot auf den Köpfen, kommen mir entgegen. Wie ich
mit diesem seltsamen Zuge zusammentreffe, wende ich mich an einen der
Männer und sage:
»Gib mir eine Semmel.«
Er gab sie mir. Ich weiß aber nicht, ob ich die Semmel aufessen oder in die
Tasche stecken oder nach Hause tragen soll; ich weiß auch gar nicht, wohin
ich gehe.
»Die Tiere hat man herausgelassen! Die Tiere!« schrie irgendein Mann, an
mir vorbeilaufend, während die Fetzen eines zerrissenen roten Hemdes hinter
seinen Schultern wie zwei Flügel flatterten.
Und alle befiel eine furchtbare Angst, und diejenigen, die in meiner Nähe
waren, warfen ihre Brotkörbe hin und rannten davon.
Und dieser schreckliche Schrei! . . . Es wurde mir klar, daß es mein
eigener Schrei war.
Die Tiere, anfangs kaum wahrnehmbar, dann immer drohender, rückten heran.
Das Fell auf den schwarzen und rauchgrauen Rücken sträubte sich, die
grellgelben Flecken an den Bäuchen schimmerten in fettigem Glanz. Ich stand
allein, rings von den vielen roten offenen Rachen umgeben; die roten Zungen
bewegten sich in ihnen wie Uhrpendel.
»Tiere, da habt ihr die Semmel!«
Kaum hatte ich aber diese Worte: >Tiere, da habt ihr die Semmel<
gesprochen, als alle Tiere, die großen und die kleinen, die grauen und die
schwarzen, die einohrigen und die einzahnigen, die stößigen und die
bissigen, ihre Pfoten einzogen und in Schlummer versanken.