Das Wetter ist nach wie vor heiß. Helen ist ungefähr dieselbe geblieben
-- bleich und hager. Doch dürfen Sie nicht glauben, daß sie wirklich
krank ist. Ich bin überzeugt, die Hitze und nicht die natürliche,
vielversprechende Regsamkeit ihres Geistes ist schuld an ihrem
Zustande. Selbstverständlich werde ich ihr Gehirn nicht überbürden.
Wir werden tagtäglich von Leuten überlaufen, die bereit sind, die
Verantwortlichkeit für die Welt zu übernehmen, wenn sich der liebe
Gott eine Versäumnis zuschulden kommen läßt. Sie erklären uns, Helen
»strenge sich zu sehr an«, ihr Geist sei zu lebhaft (genau dieselben
Leute glaubten noch vor ein paar Monaten, sie besäße überhaupt keinen),
und erteilen uns allerhand unmögliche und widersinnige Ratschläge.
Augenblicklich unterweise ich Helen in der Quadratschrift. Die
Beschäftigung lenkt sie etwas ab und nötigt sie zum Stillsitzen, was
bei dieser erschlaffenden Hitze sehr wünschenswert ist. Sie hat eine
völlige Manie für das Zählen. Sie hat alles im Hause gezählt und ist
jetzt dabei, die Wörter in ihrer Fibel zu zählen. Hoffentlich wird es
ihr nicht in den Sinn kommen, die Haare ihres Hauptes zählen zu wollen.
Könnte sie sehen und hören, so würde sich ihre überschüssige Energie
in einer Weise entladen, die vielleicht ihr Gehirn nicht so übermäßig
belasten würde, obgleich ich andererseits glaube, daß auch das normale
Kind sein Spiel ziemlich ernst nimmt.
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