"Weimar, den 11. Februar 1890.
"... Ich habe niemals aufgehört, Ihr Fernsein von Weimar, meine liebe
verehrte Freundin, auf das lebhafteste zu bedauern, ich tue es jetzt
lebhafter denn je: wie würden Sie sich inmitten all der Tätigkeit wohl
fühlen, die ich nicht anders charakterisieren kann als mit dem
symbolischen Bilde des Januskopfes, denn sie umfaßt die Vergangenheit
und wirkt für die Zukunft ...
"Vier Wochen sind heute seit unserem großen Verlust vergangen. Ich fühle
mich in dem seelischen Kampf, der von ihm hervorgerufen wurde, noch
nicht als Sieger. Und er beginnt immer wieder, wenn ich am wenigsten
daran denke. Wie seltsam ist doch dieses doppelte Leben, das wir führen:
eines nach außen und eines nach innen, und Liszt hatte Recht, als er
während einer für ihn sehr schweren Zeit der Prüfungen einmal sagte: es
schiene ihm, als ob ein zweites Ich es auf sich genommen habe, sie zu
ertragen. Da wäre ich bei den intimen Bekenntnissen angelangt -- die
rechte Sprache einer fest gegründeten Freudschaft! Und sie ist keine
bloße Vermutung, sondern die einfache Wahrheit von Seiten