Carl Alexander."

Auch aus der Ferne schloß sich der Kreis der alten Freunde um so enger

zusammen, je kleiner er wurde. Drei Greise waren es nur noch -- Jenny

Gustedt, der Großherzog und die Kaiserin -- die das Band einer

gemeinsamen Vergangenheit umschloß. Und unter ihnen war Jenny die

Trösterin, die, die sie aufzurichten versuchte aus dem niederdrückenden

Leid. "Aus jeder Zeile, die meine geliebte Kaiserin mir schreibt," heißt

es in einem Brief meiner Großmutter aus dem Jahre 1888, "lese ich, wie

schwer sie unter den Schlägen des Schicksals leidet: den Gatten, den

Sohn verloren, den Enkel, der die erziehende Schule des Kronprinzentums

nicht durchmachte -- wie sie sich ausdrückt -- unter der Last einer

schwer zu tragenden Krone, mit dem Ausblick in eine ungewisse Zukunft."

Nicht allzu lange sollte die Kaiserin die neue Zeit miterleben, die ihr

immer fremder wurde. In den ersten Tagen des Jahres 1890 schloß sie die

müden Augen für immer. Kurz darauf schrieb Carl Alexander an ihre

Freundin:

"Berlin, Schloß, 15. Januar 1890.

"Sie werden es mir, wie sich selbst, gern glauben, daß Ihre Teilnahme

mir eine wahre Wohltat gewesen ist. Sich selbst, weil es Ihr Herz war,

das Ihre Feder führte, und weil es der Schmerz ist, der die Sprache der

Freundschaft am liebsten hört. Ich kann von meinem eigenen Verlust nicht

sprechen. Das ist auch nicht nötig. Ein Jeder macht mir den Eindruck,

als hätte er einen persönlichen Verlust erlitten. Das ist, wie ich

glaube, das charakteristische Zeichen dieses Unglücks.

"Gestatten Sie mir, hier zu schließen. Es giebt Ereignisse, deren

einzige Sprache das Schweigen ist, denn dieses allein ist der richtige

Ausdruck für den größten Schmerz.

"Mein treuer Beust fehlt mir sehr und fehlt mir stets aufs neue und

immer mehr ...

"Leben Sie wohl, gnädige Frau. Das Gedächtniß meiner Schwester und

meiner Mutter werden Sie immer treu bewahren, erinnern Sie sich aber

auch freundlich

Im Schatten der Titanen: Erinnerungen an Baronin Jenny von Gustedt · 第 65 / 80 题