Jerome.
Paris, den 29. August 1851.
Meine liebe Jenny!
Mit Freuden denke ich daran, daß dieser Brief zu Deinem Geburtstage in
Deine Hände gelangen und Dir meinen väterlichen Segen bringen wird, was
meine Jenny, die in ihrem Herzen die Keime alles Guten und Edlen trägt,
sicher glücklich macht. Küsse in meinem Namen Deine lieben Kinder: ein
natürlicher Instinkt muß ihnen sagen, daß sie mich lieben müssen. -- Ich
überlas gerade Deinen letzten lieben langen Brief, als meine liebe
Pauline mir den vom 23. schickte: zur Zeit der Feuersbrunst war ich
krank und auf dem Lande; übrigens hätte ich mich des Marschall
Sebastiani wegen nicht derangiert; ich habe mehr als eine Ursache,
diesen Mann nicht zu lieben! ... Du mußt nicht glauben, mein liebes
Kind, daß der politische Horizont unseres Frankreichs so schwarz ist,
daß Jeder um unsere Existenz zittern müßte. Sei versichert: Niemand kann
uns Böses tun, als wir selbst, wenn auch zugegeben werden muß, daß die
Lage eine kritische ist. Ich bin gewiß, Gott wird Frankreich schützen!
Bei der Feuersbrunst habe ich von 250 Fahnen nur ... (unleserlich)
verloren; die 50 Fahnen von Austerlitz befanden sich in höchster
Sicherheit in meinem Kabinet, wo Du Dich entsinnen wirst, sie gesehen zu
haben. Unsere liebe Pauline fährt fort, sich wohl zu befinden; die
Heilung ihres Auges ist wirklich ein Wunder, und ein Wunder, das mich
sehr glücklich macht, denn das geliebte Kind wäre sehr zu bedauern
gewesen, wenn sie die, die sie liebt, nicht mehr hätte sehen können!
Lebwohl, liebe Jenny, ich drücke Dich an mein Herz und sende Dir zu
diesem Tage meine wärmsten väterlichen Segenswünsche.