Endlich öffnete er die Schublade. --

Eine Fülle von Briefen quoll ihm entgegen.

Er sah, daß sie von verschiedenster Hand waren, allein er hatte nicht

die Geduld, sie zu sondern.

Er wollte von dem Inhalte nichts wissen.

Mochte drin stehen, was wollte.

Er ergriff die Briefe, eine Handvoll, wie er sie faßte, und ging zum

Kamin, um sie in die Flammen zu werfen.

Immer wieder mußte er den Weg vom Kamin zu dem Schreibtische machen.

Hie und da entfiel seinen bebenden Händen ein Brief, und er mußte die

zerstreut liegenden wieder auflesen.

In seinem Fache, zuunterst, lag eine Photographie. Als er sie

umkehrte: Reinhold Petri! --

Einen Augenblick zauderte er, dann warf er auch die in den Kamin.

Er setzte sich in einen Sessel vor den Kamin und sah dem

Zerstörungswerke zu.

Das Feuer war unter der Masse der Briefe fast erstickt.

Nur an den Seiten schwelten kleine Flämmchen und leckten an den Ecken

der überragenden Blätter.

Mit dem Haken mußte er die Glut wieder frei machen, er wühlte in dem

Stoß Papier, und dann brach die Flamme endlich durch.

Langsam begann sie ihre Arbeit.

Ein dichter, grauer Qualm drang in das Zimmer.

Denn der Wind fuhr heulend in dem Kamin herab, daß die Funken nach

allen Seiten schlugen.

Einzeln mußte er die Briefe wieder in die Glut schieben, bis dicke

graue und schwarze, sich zusammenknüllende Flocken zurückblieben, die

er immer wieder bei Seite schob, damit die Flamme durch konnte.

Es war eine langsame, qualvolle Mühe.

Einen Augenblick vergaß er darüber, daß nebenan die Tote lag, einsam

und verlassen.

Seine Blicke wandten sich nicht von dem Zerstörungswerke ab.

Endlich war der letzte Brief verkohlt.

Und nun legte er frisches Holz auf, damit man nichts merkte, und

öffnete die Fenster, daß der ekle Qualm abziehen konnte. --

Der Schreibtisch stand noch auf.

Er verschloß ihn und warf dann den kleinen Schlüssel mit in die Glut.

Mutter!.. · 第 55 / 62 题