Es war ein so eigentümliches Gefühl.
Und wie gezwungen sagte er sich das Wort immer wieder vor.
Er konnte nicht mehr anders an sie denken.
Ihm war, als sei er ihr jetzt erst recht nahe gekommen. Und eine
unbezwingliche Sehnsucht überkam ihn, sie zum ersten Male mit diesem
Namen anzureden, den seine Lippen noch nie ausgesprochen hatten.
Er hatte ja nur seine Mutter gehabt. Er war allein aufgewachsen, und
jetzt fand er jemand, auf dessen Liebe er ein Recht hatte.
Wenn er sie nur erst gesehen hatte.
Ein paarmal schon hatte er geglaubt, sie komme.
Allein es war immer ein anderes gewesen, einmal ein Mädchen von Onkel
Jack, der sich erkundigen ließ und ankündigte, daß er im Laufe des
Nachmittags sich herüber wagen wolle.
Dann der Briefbote mit einem Briefe Lautners aus Hamburg, wohin
er Wurm zu Liebe mitgefahren war, um den Proben zu dessen Oper
beizuwohnen. --
Bei jedem Geräusche vermutete er, es sei Mignon.
Er hatte in den wenigen Stunden Schlaf, die er sich gegönnt, von ihr
geträumt ...
Sie waren allein auf einer im Weltmeer verlorenen Insel gewesen.
Und plötzlich war die Flut gekommen, und sie hatten sich auf einen
Felsen gerettet.
Allein die Wellen schlugen immer höher und leckten gierig an den
Klippen.
Immer höher stiegen sie. Und dann hatte eine stürmende Woge ihm Mignon
entrissen.
Und er hatte ihr nicht helfen können, die Wasser warfen sich ihm
entgegen, er rang mit ihnen, aber er konnte nur sehen, wie sie vor
seinen Augen versank.