Den ganzen folgenden Morgen hatte ich Kopfweh und konnte mich kaum
bewegen; ich achtete aber wenig auf meinen körperlichen Zustand, denn an
mir nagte Reue, ich erstickte vor Ärger.
Ich war mit mir äußerst unzufrieden. -- Kleinmütiger! -- wiederholte ich
unaufhörlich: -- ja, Ellis hatte recht. Warum fürchtete ich mich? Wie
konnte ich mir eine solche Gelegenheit entgehen lassen?... Ich hätte ja
Caesar selbst sehen können, doch ich erstarb vor Schreck, ich kreischte
und scheute zurück, wie ein Kind vor der Rute. Nun, der Räuberhauptmann
Rasin ist allerdings etwas anderes. Als Edelmann und Grundbesitzer mußte
ich ... Aber warum habe ich auch in diesem Falle Furcht bekommen?
Kleinmütiger, Kleinmütiger!... --
-- Habe ich vielleicht doch alles nur im Traume gesehen? -- fragte ich
mich schließlich. Ich rief meine Haushälterin herbei.
»Marfa, um welche Stunde bin ich gestern abend zu Bett gegangen? Kannst
du dich noch daran erinnern?«
»Ja, das mußt du selbst wissen, mein Wohltäter ... Es wird wohl spät
gewesen sein. In der Dämmerung bist du aus dem Hause gegangen und hast
noch spät nach Mitternacht in deinem Schlafzimmer mit den Absätzen
getrampelt. Es wird sogar gegen Morgen gewesen sein, als ich dich habe
herumgehen hören, ja ... Auch vorgestern war dasselbe. Hast wohl einen
Kummer, der dich drückt ...«
-- He, he -- dachte ich. -- Das Fliegen unterliegt also keinem Zweifel.
-- »Nun, und wie sehe ich heute aus?« fügte ich mit lauter Stimme hinzu.
»Wie du aussiehst? Laß dich mal anschauen. Etwas heruntergekommen. Und
auch bleich bist du, mein Wohltäter: kein einziger Blutstropfen im
Gesicht.«
Ich schauderte leicht zusammen ... Ich schickte Marfa fort.
-- Auf diese Weise kann ich mir noch den Tod holen, oder wahnsinnig
werden, -- sagte ich zu mir selbst, am Fenster stehend. -- Ich muß damit
ein Ende machen. Das ist gefährlich. Auch das Herz pocht mir heute so
eigentümlich. Und während ich fliege, habe ich immer das Gefühl, als ob
mir jemand am Herzen sauge, oder als ob aus ihm etwas heraussickere --
ganz so wie im Frühling der Saft aus der Birke sickert, wenn man mit
einer Axt hineinsticht. Und doch ist es schade. Auch Ellis ist so
eigentümlich ... Sie spielt mit mir wie die Katze mit der Maus ...
übrigens wird sie wohl kaum böse Absichten haben. Ich will mich ihr noch
zum letzten Male hingeben, will mich noch einmal satt sehen, -- und dann
... Doch wenn sie mir das Blut aussaugt? Das wäre schrecklich!... Auch
kann eine so rasche Fortbewegung nicht unschädlich sein; man sagt, daß
es in England auf den Eisenbahnen verboten sei, mehr als 120 Werst in
der Stunde zu fahren ... --
So sprach ich mit mir selbst, -- doch gegen zehn Uhr abends stand ich
wieder vor der alten Eiche.