»Wohin?« fragte sie mich.
»Geradeaus, immer geradeaus.«
»Hier ist aber ein Wald.«
»Hebe dich über den Wald, doch nicht zu schnell.«
Wir schossen in die Höhe wie eine Waldschnepfe, die auf eine Birke
gestoßen ist, -- und flogen wieder in gerader Richtung. Die Gipfel der
Bäume schwebten jetzt unter unseren Füßen wie früher die Spitzen der
Grashalme. Einen seltsamen Anblick gewährte der Wald von oben herab, so
eigentümlich sah sein stachliger Rücken im Mondlicht aus. Er glich einem
ungeheueren, schlafenden Tier und begleitete uns mit ununterbrochenem,
weit gedehnten Rauschen, das sich wie dumpfes Brummen anhörte. Ab und zu
flogen wir über eine kleine Waldwiese, die schön von gezackten Schatten
eingesäumt war. Zuweilen schrie unten ein Hase auf; oben pfiff ebenso
klagend eine Eule; es roch nach Pilzen, Knospen und Sumpfgräsern; das
Mondlicht ergoß sich kalt und hart nach allen Seiten; hoch oben über uns
strahlte der große Wagen. Nun hatten wir schon den Wald hinter uns; über
der Ebene schwebte ein Nebelstreif; das war ein Fluß. Wir flogen längs
einem seiner Ufer, über den Büschen, die von Feuchtigkeit schwer und
regungslos waren. Die Wellen auf dem Flusse schimmerten bald in blauem
Glanz, bald rollten sie dunkel und gleichsam erbost dahin. Stellenweise
bewegte sich über dem Wasser leichter Nebel in seltsamen Formen, -- und
die Kelche der Wasserlilien entfalteten ihre Blumenblätter und strahlten
in ihrem jungfräulichen Weiß, als ob sie wüßten, daß sie niemand
erreichen kann. Es kam mir der Wunsch, eine der Blumen zu brechen -- und
schon war ich dicht über der Wasserfläche ... Die Feuchtigkeit schlug
mir feindselig ins Gesicht, als ich den festen Stengel einer großen
Blume abriß. Wir begannen über dem Flusse zu kreuzen, gleich den
Rohrschnepfen, die wir im Fluge immerwährend aufscheuchten und
verfolgten. Einige Male stießen wir auf kleine Familien von Wildenten,
die im Kreise an einem freien Plätzchen zwischen Binsen ruhten; sie
rührten sich nicht; höchstens zog eine von ihnen hastig den Hals unter
den Flügeln hervor, blickte sich um und beeilte sich dann wieder den
Schnabel in den weichen Flaum zu stecken, während die andere leise
aufschrie und kaum wahrnehmbar am ganzen Körper erzitterte. Einmal
scheuchten wir einen Reiher auf; mit den Beinen baumelnd und etwas
unbeholfen die Flügel schlagend, flog er aus einem Weidenbusche auf.
Nirgends regten sich Fische, -- sie schliefen wohl alle. Ich begann mich
an die Empfindung des Fliegens zu gewöhnen und darin sogar ein gewisses
Vergnügen zu finden: jedermann, der schon im Traume geflogen ist, wird
mich verstehen. Ich betrachtete mit größerer Aufmerksamkeit das
geheimnisvolle Wesen, dem ich die unglaublichen Erlebnisse zu verdanken
hatte.