XLIV.

Wenn der Unglaube, wie das Alte und Neue Testament behauptet,

die größte Sünde ja die Sünde der Sünden ist, so haben Sie, mein

Werthester, viel abzubüßen, da sie an der guten Wirkung Ihrer

allerliebsten Productionen immerfort Zweifel hegen. Gerade im

Gegentheil kann ich versichern daß ich in den mitgetheilten werthen

Bänden mich mit ältern Freunden und Bekannten gar gern unterhalten,

neuere mit Heiterkeit begrüßt und so die angenehmsten Stunden verlebt

habe.

Nehmen Sie nun von Ihrer Seite meinen Wanderer freundlich auf, wie er

sich denn hiermit bescheiden und heiter darstellt. Da es uns Deutschen

nun einmal nicht gegönnt ist in entschieden geistreicher Gesellschaft

des Lebens zu genießen und uns gegenwärtig in Person an einander

auszubilden: So möge denn was dem Einsamen gelingt zuletzt gesellig

zusammentreten und uns empfinden lassen wie wir nachbarlich mit

einander gelebt und uns wechselseitig liebend gefördert. Erhalten Sie

mir ein fortdauerndes freundliches Andenken.

Weimar

den 21. Juny

1821.

treulichst

Goethe

Erlauben Sie noch Anfrage und Bitte. Bei Ihrem Mitbürger Fr. Peters

sind Streicherische Flügel zu haben in Mahagonie Holz für 245 Thlr. in

Nußbaum 200 Thlr. Conventionsgeld. Gewiß kennen Sie Mann und Waare,

dürfte ich Sie ersuchen die Gegenwärtigen anzusehen und zu prüfen, mir

auch alsdann Ihr Urtheil zu eröffnen, da ich denn eher einen Entschluß

faßen könnte als auf allgemeine Empfehlung. Verzeihen Sie dies Bemühen;

wir werden dagegen in unserm häuslichen Kreise desto öfters dafür

erinnert werden.

Goethes Briefe an Leipziger Freunde · 第 193 / 214 题