geneigtes Schreiben hat mir viel Freude gemacht, ich sehe daraus
daß mein Andenken bey Ihnen lebendig ist, und daß Sie auf die
freundschaftlichste Art meine Neigung zu befriedigen wünschen und mir
für belehrende Unterhaltung Sorge tragen wollen. Ich nehme daher das
Anerbieten wegen des Guercin. Bildes dankbar auf, bitte mir solches zu
senden, und nicht zu verhehlen was ich dafür schuldig werde.
Die geschnittenen Steine betreffend, so laßen Sie Sich nicht reuen mir
davon gemeldet zu haben. Seine Waare muß man ausstellen, ausbieten,
wenn man sie los werden will. Unsere gnädigsten Herrschaften sind
gegenwärtig nicht geneigt dergleichen anzuschaffen; ich habe jedoch
einen andern Gedanken: Wir stehen mit den Hanauer Goldarbeitern[256]
in gutem Verhältniß theils wegen des Falkenordens, theils wegen
mancher Geschenke welche die Fürsten öfters abreichen müßen. Solche
Fabriken haben hunderterley Gelegenheit auf Dosen, bey Schmuck, Ringen
und d. gl. dergleichen anzubringen. Möchten Sie mir ein detaillirtes
Verzeichniß zusenden, was die Steine vorstellen, von welcher Größe sie
sind, vielleicht legten Sie auch einige Gypsabgüsse der größten, oder
für vorzüglich gehaltenen bey; so wollt ich das alles nächstens nach
Hanau spediren, da ich ohne dem etwas dort zu bestellen habe. Es sollte
mir Freude seyn Ihren Wünschen hiedurch entgegen zu kommen.
Möchte ich vernehmen daß Sie sich wohl und heiter befinden.
Weimar d. 20. März
1817.
ergebenst
Goethe
Fußnote:
[256] Vgl. Werke ~XX.~ S. 181.
*XXXI.
Ew. Wohlgeb.
können, mitten in Leipzig, umgeben von eignen Kunstschätzen und
Sammlungen andrer, Sich unmöglich einen Begriff machen wie es mir
zu Muthe sey, in dem zwar geistvollen; doch gestaltlosen Jena, auf
einmal eine so liebwerthe Erscheinung zu sehen als das Bild, mir zur
freundlichsten Gabe dargereicht.[257] Es hat mich schon zu hundert
Betrachtungen veranlaßt, und soll immer vor meinen Augen, mich an Ihr
Verdienst und Ihre Neigung zu mir täglich erinnern.
Nehmen Sie meinen vorläufigen eiligen Danck und verzeihen wenn ich das
schöne Geschenck nicht so unbewunden annahm als Sie es anboten. Wer
sich fast unabläßig mit der wilden Welt herumbalgen muß vermißt oft
das Zarte Gefühl den Händedruck eines Freundes gebührend zu erwiedern;
lassen Sie mich also doppelt und dreyfach Ihren ethischen Schuldner
bleiben.
Jena d. 9 Apr. 1807.
ergebenst
Goethe
Herr Angermann hatte die Artigkeit mir das Kästchen hier persönlich zu
überreichen.
Wegen der Gemmen nächstens.
Fußnote:
[257] Werke ~XXVII.~ S. 332.