Ew. Wohlgeboren

danke verbindlichst für den übersendeten Catalog, und bitte mir die

Erlaubniß aus, gegen Michael dieselben mit einigen Aufträgen beschweren

zu dürfen.

Bey Gemälden, noch mehr aber bey Zeichnungen, kommt alles auf die

Originalität an. Ich verstehe hier unter Originalität, nicht, daß das

Werk gerade von dem Meister sey, dem er zugeschrieben wird, sondern daß

es ursprünglich so geistreich sey, um die Ehre eines berühmten Namens

allenfalls zu verdienen.

Die Nummern des Catalogs, auf welche ich meine Aufmerksamkeit richte,

werde ich Ew. Wohlgeboren übersenden, mit besondern Bemerkungen dabey,

was ich nach der Analogie hoffe oder erwarte. Mögen Ew. Wohlgeboren

hiernach die Blätter beschauen, berutheilen und würdern, und solche

erstehen oder erstehen lassen, so werd' ich es dankbar erkennen, und

alles was Sie beschlossen und angeschafft ohne Weiteres mit Vergnügen

genehmigen, überzeugt, daß ich mich selber nicht besser hätte berathen

können. Anweisung auf eine proportionirte Summe erfolgt zugleich.

Diese Bemühungen wage ich um desto eher, Ihnen, mein verehrter Freund!

anzusinnen, als Sie durch eine so gütige auszeichnende Aufnahme meines

biographischen Versuchs, Sich gleichsam als meinen wohlwollenden

Schuldner bekennen. Fahren Sie fort mich auf meinem Wege mit guten

Wünschen und Theilnahme zu begleiten. Der Verlust den wir alle mehr

oder weniger erlitten haben, und der Sie, leider! so hart betroffen,

kann nur verschmerzt werden, wenn wir uns immer treuer an einander

schließen, und der Deutsche immer mehr einsehen lernt, daß nirgends für

ihn Heil zu finden sey als bey seinen Landleuten. Unter diesen frommen

Wünschen und Vorsätzen, dürfen wird freylich nicht an's Öffentliche

denken, welches leider schon durch die traurigsten Spaltungen zu

zerfallen droht. Möge dies Glück wenigstens Privatpersonen aufbewahrt

seyn, daß sie fortfahren einander zu schätzen und zu lieben.

Weimar den 27. Febr. 1815.

ergebenst

Goethe

Goethes Briefe an Leipziger Freunde · 第 169 / 214 题