Da mich das herannahende Frühjahr wahrscheinlich bald von Weimar weg
und nach Böhmen locken wird, so will ich nicht versäumen Ew. Wohlgeb.
nochmals zu schreiben, und mich Ihrem Andenken bestens zu empfehlen.
Das mitgetheilte Blatt über meine Farbenlehre folgt hierbey mit vielem
Dank zurück, nur Schade, daß es nicht mehrere waren. Gerade diese Art
von unschuldigen augenblicklichen Äußerungen sind mir unendlich werth
und besonders hier, wo ich mit Vergnügen sehe, wie eine Sache, mit
der ich mich so viele Jahre beschäftiget, auch in dem Gemüthe eines
Freundes aufgeht, und sich dasselbe nach und nach zu gewinnen weiß.
Diesen Winter hat mich das Theater sehr von anderen Thätigkeiten
abgezogen, ich muß erwarten, ob die Carlsbader Einsamkeit, die ich
wenigstens im Monath May hoffen darf, mir Raum giebt, etwas für Poesie,
Wissenschaft, oder was es sonst wäre, zu thun.
Leben Sie unterdessen recht wohl, und lassen Sie Sich in
litterairischen Dingen nichts anfechten; wir haben unsere Kräfte zu
nothwendigerem Gebrauch jetzt aufzusparen.
Das Gemäldeverzeichniß habe ich höheren Orts mitgetheilt, und bin nicht
ganz ohne Hoffnung einiges Erfolgs, leider genießt man jetzt kaum, was
man besitzt, wie sollte man noch mehr zu besitzen wünschen! Sollte sich
die Aussicht nach Norden wieder erheitern, so wäre vielleicht dort
etwas zu thun.
_Mit den besten Wünschen mich zu freundschaftlichem Andencken
empfehlend_
W. d. 7 Apr.
1812.