Durch Demoiselle ~Longhi~ von Neapel,[242] eine schöne und treffliche
Harfenspielerinn, wünsche ich mein Andenken bey Ihnen, mein Werthester,
wieder aufzufrischen, und ich hoffe, es soll mir gelingen. Ich bin
überzeugt, Sie werden diesem Frauenzimmer um ihrer selbst- und
meinetwillen freundlich seyn.
Eigentlich aber bewegt mich nicht sowohl das schöne Talent, das sich
wohl selbst empfiehlt, zu dem gegenwärtigen Schreiben: das gute Kind
ist hier in den bedenklichen Fall gerathen, daß ihre zwey kleinen
Finger auf eine rheumatische Weise geschwollen sind; das Schlimmste
wohl, was derjenigen begegnen kann, die sich auf Harfe und Pianoforte
bis Petersburg zu produciren gedenkt. Ist unser vortrefflicher
Kapp,[243] dem ich selbst soviel schuldig geworden bin, in Leipzig;
so haben Sie ja die Gefälligkeit, ihn für diese hübsche Italiänerinn
zu interessiren, indem Sie zugleich von mir tausend Empfehlungen
ausrichten. Mehr sage ich nicht und brauche es nicht, weil es hier nur
einer kurzen Einführung bedarf, und dieser Brief noch spät geschrieben
wird. Möchten Sie durch gegenwärtiges veranlaßt, mir einmal wieder ein
Wort von sich zu vernehmen geben, so würden Sie mir sehr viel Freude
machen. Mit den besten Wünschen!
Weimar
den 22 April
1811.