Ob die Meynung, welche Sie mir über den Gegensatz der Recitation und
des Gesanges, in Ihrem letzten Briefe äußern, die wahre und richtige
sey, will ich nicht entscheiden; so viel aber kann ich sagen: daß sich
die meinige selbst sehr dahin neigt.[227] Sobald ich mich in einer
ruhigen Lage befinde, theile ich meine Gesinnungen kürzlich mit.
Heute komme ich mit einem kleinen Ansuchen und zwar folgendem:
Zu der, durch den Tod unseres Batsch, erledigten Stelle, bey dem
neuen Botanischen Institut, im Fürstengarten, zu Jena, ist unter
andern auch Herr Doctor _Schwägrichen_[228] aus Leipzig empfohlen. Von
seiner litterarischen Laufbahn, so wie von seinen Reißen und andern
Bemühungen, sind wir so ziemlich unterrichtet; nun möchte ich aber noch
von Ihnen ein vertraulich Wort, über seine Person, sein Äußeres, seine
Lebensweise und seinen academischen Vortrag vernehmen.
Es ist mir bey Besetzung dieser Stelle außer dem Wohl des Ganzen auch
noch mein eigenes Verhältniß vor Augen, indem das Institut seit seiner
Gründung geleitet worden und meine Neigung zu diesen Kenntnissen mir
einen sittlichen mittheilenden und umgänglichen Mann wünschenswerth
macht.
Nächstens auch ein Wort über die Oper.
Mich zu geneigtem Andenken empfehlend.
Weimar am 6 December 1802.