Die Aufführung des kleinen Stücks ward von Zeit zu Zeit, wie es bey
Theatern zu gehen pflegt, aufgeschoben; desto angenehmer ist mirs daß
ich gegenwärtig von einer sehr guten Aufnahme desselben sprechen kann,
ohngeachtet ich mit der Darstellung nicht ganz zufrieden war. Daß ich
den Verfasser verschwieg erregte von einer Seite Neugierde und ließ von
der andern den Eindruck desto unbefangner. Das nächstemal soll es noch
besser werden, indessen hat doch schon eine Liebhabergesellschaft, die
sich hier befindet, sich das Stück ausgebeten, welches denn auch ein
gutes Zeichen ist.
Das Original sende ich mit Dank zurück. Die wenigen Veränderungen
die ich gemacht habe, betreffen einige harte Worte, welche man unter
Personen einer gewissen Art, besonders unter Soldaten, mit Recht
vermeidet, sodann einige Scherze welche sich auf Philosophie beziehen,
die ich im doppelten Sinne nicht billigen kann, weil man entweder
dadurch keine Wirkung hervorbringt, oder weil man die Menge veranlaßt
über etwas zu lachen das sie nicht versteht und das sie wenigstens
verehren sollte.[221]
Verzeihen Sie diese Pedanterie; man weiß aber nicht eher als nach einem
längern Lebenslauf was ächte Maximen, die uns über das Gemeine heben,
für einen hohen Werth haben, der so selten anerkannt wird.
Darf ich Sie nun mit einigen Aufträgen beschweren?
Ich wünschte Nachricht von einem Manne, welcher sich Johann Leonhardt
Hoffmann nennt, und einen Versuch einer Geschichte der Farbenharmonie
1786, in Hendels Verlag, zu Halle, herausgegeben. Die Dedication
an Herrn Gottfried Winkler, in welcher sich der Verfasser einen
Franken nennt, ist von Leipzig aus datirt, wo er sich eine Zeit lang
aufgehalten und mit Oeser Umgang gehabt haben mag. Vielleicht haben Sie
Gelegenheit etwas näheres über diesen Mann zu erfahren, der mir von
gewissen Seiten interessant geworden ist.[222]
Alsdann hätten Sie wohl die Güte mir ein _gebundnes_ Exemplar, von
dem im October 1800 geschlossnen Jahrgang der musikalischen Zeitung zu
verschaffen. Den ersten bis zum October 1799 besitze ich. Die Auslage
werde ich mit Dank sogleich erstatten.
Sollte Ihnen nicht ein Liedchen bekannt geworden seyn, das von
Capellmeister Himmel componirt ist, es drückt die Unruhe eines
verliebten Mädchens aus, das sich seinen Zustand nicht erklären kann,
jeder Vers endigt sich mit einer Partikel z. B. Ich weiß nicht _woher_,
_wohin_, _warum_. Es ist ein Scherz, den man in einer Gesellschaft wohl
gern einmal hören mag.
Die Fragen wegen Wilhelm Meisters möchte ich am liebsten einmal
mündlich beantworten. Bey solchen Werken mag der Künstler sich
vornehmen was er will, so giebt es immer eine Art von Confession
und zwar auf eine Weise von der er sich kaum selbst Rechenschafft
zu geben versteht. Die Form behält immer etwas unreines und man
kann Gott danken, wenn man im Stand war so viel Gehalt hinein zu
legen, daß fühlende und denkende Menschen sich beschäfftigen mögen,
ihn wieder daraus zu entwickeln. Die Recension in der allgemeinen
Litteraturzeitung[223] ist freylich sehr unzulänglich, für jeden, der
selbst über das Werk gedacht hat; doch ist sie nicht ohne Verdienst,
wenn man sie als die Meinung eines einzelnen ansieht, der seine
Gedanken darüber äußert. Freylich hat man Ursache von einer Recension
mehr zu verlangen, besonders von einer so späten.
Ich wünsche, daß Ihre Gesundheit wieder hergestellt seyn möge, so wie
ich mich auch von den Übeln, die mich betroffen haben, nach und nach
wieder erhole.[224]
Darf ich bitten mich unserm verehrten Weise bestens zu empfehlen.