IV.

Frankfurt den 14 Hornung 1775.

Ihr leztes geehrtes Schreiben habe durch Herrn Jonas richtig erhalten,

wie auch gestern die Probebogen die ich sogleich weiter spediren werde.

Wegen der Vignetten hab ich schon an Lavatern geschrieben. Der Judas

nach Holbein ist nicht Vignette sondern große Platte, und ich glaube

zuverläßig der Christus auch, ob ich ihn gleich noch nicht gesehn habe,

doch das sollen Sie mit einander hören. Vielleicht hat Ihnen Herr Jonas

geschrieben was wir auf ihr leztes vor das erste vorgekehrt. Da das

Bücher-Commissariat eine förmliche Anzeige verlangt, so wird solche

der Herr Bruder in Büdingen verfertigen, worinne die Darlegung des

vierten und fünften Theils Gellertischer Schrifften[162], den klarsten

und einfachsten Beweis gebrochener Kayserl. allerhöchster Verfügung

abgiebt, da ich denn gerathen habe, dass man von der Commission

ein Requisitionsschreiben an den Magistrat verlangen soll, wodurch

derselbige in Obliegenheit gesezt wird wenigstens vorerst gegen den

Schiller zu verfahren. Was die Niederlage der Sächsischen Bücher

allhier betrifft[163], sehe ich die Sache zu wenig ein, als dass ich

eine gegründete Meinung darüber fassen könnte, schweer würde es immer

seyn einen Buchhändler dazu zu finden und zu engagiren. Was ich in

dieser Sache dienen kann werd ich mit viel Vergnügen thun. Belieben Sie

mich nur mit gefälliger Nachricht und Weisung zu versehen.

Mit der gestrigen Post sind abermals Zugaben zu dem neunten

Phisiognomischen Fragmente an Sie abgegangen, wobei zugleich ein

Einschluß an Hrn. Prof. Oeser ist den ich gütig abzugeben bitte.

Goethe Dr.

Fußnoten:

[162] _Gellerts_ Moral war von _Göbhardt_ in Bamberg nachgedruckt.

[163] Bezieht sich auf Reichs Plan, in Frankfurt ein Commissionslager

norddeutschen Verlags zu errichten. Vgl. _Sal. Hirzel_ im Börsenblatt

für den deutschen Buchhandel 1845 Nr. 6. 23 f.

Goethes Briefe an Leipziger Freunde · 第 73 / 214 题