Mein Dank kommt spät lieber Herr Professor und ist noch immer so warm
als beym Abschiede, da ich gewiß sehr ungerne Leipzig verließ.[126] Sie
haben mir meinen Aufenthalt so angenehm und nüzlich gemacht als möglich
und ich bin wie immer bereichert von Ihnen weggegangen.
Zwar habe ich es gemacht wie das Volk Israel bey seinem Auszuge aus
Egypten. Sie werden verschiedenes vermissen worunter besonders ein
großer Pinsel ist, welchen ich aber mir ohne Furcht und Reue zugeeignet
habe. Wenn wir so glücklich sind Sie aufs Frühjahr hier zu sehen[127]
soll Ihnen alles vorgelegt werden was ich damit biß dahin zu Stande
bringe. Die Farbe ist gekocht, die Kunststüke werden geübt, aber
leider ists noch immer das Rähmchen was mir an solchen Arbeiten am
besten gelingt.
Die verlangte Büste für Herrn Breitkopf ist eingepackt und geht mit
dem Schaurischen Wagen ab. Den Riß des Observatorii habe ich in eine
Schachtel an Rosten beypacken laßen, und auch dieser wird hoffentlich
zur rechten Zeit anlangen.
Nun aber muß ich auf das dringendste um den berühmten Brunnen bitten.
Der Versuch ist gemacht worden, man hat ihn in die Höhe gestaucht,
welches wohl angeht. Freylich läuft er da in einer starken Röhre und in
einem schwachen Spiegel. Haben Sie die Güte mir die Zeichnung so bald
als möglich zu schicken, denn es warten die Anlagen der Weege und die
Pflanzungen darauf und ob gleich die Jahrszeit strenge ist so sind doch
immer unsere gnädigsten Herrn in Arbeit.
Große Steine sind auch zu dem berühmten Felsen hinzugeschafft und
warten nur auf Ihre schöpferische Befehle um sich zu einem schönen
Ganzen zu bilden. Lassen Sie nun unsere Hoffnungen nicht scheitern und
kommen mit der ersten guten Jahreszeit.[128]
Empfehlen Sie mich den werthen Ihrigen und danken tausendmal für die
viele gefällige Hülfe und freundliche Unterhaltung, womit sie bey
meinem Aufenthalte gegen mich so freygebig gewesen sind.
Herrn Creuchauf recht viele Complimente.
Was macht mein Burscher? Werde ich balde ein Kunstwerk des neuen
Hogarths sehen?
Ich habe auch gleich nach meiner Ankunft die feinen Pappen nachmachen
laßen, sie sind aber zum erstenmale nicht ganz glücklich gerathen, es
fehlt ihnen an dem nöthigen Leime, weswegen sich der Papiermacher mit
der Witterung entschuldigt.
Wenn Sie zu uns kommen werden Sie Sich an den vortreflichen Eisenstufen
ergözen die ich aus dem Trierischen erhalten habe. Sogar auch
Ungarische sind mir zugekommen. Freylich nicht so schön wie die Ihrigen.
Geben Sie mir bald Gelegenheit, daß ich wenigstens einigermassen aus
Ihrer Schuld komme in der ich so viel stehe.
Leben Sie nochmals auf das beste wohl.
Weimar 30 Jan. 1783.